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»Sport soll Spaß machen«
Über ein Leipziger Modell ohne klassische Schulnoten im Sportunterricht. Ein Gespräch mit Sebastian Heider
Seit wann gibt es an Ihrem Schulzentrum im Sportunterricht keine Noten und für welche Klassenstufen gilt diese Regelung?
Wir praktizieren dieses Modell seit zwei Jahren für unsere fünften und sechsten Klassen. Das betrifft pro Klassenstufe jeweils circa 75 Schülerinnen und Schüler.
Was wird bei ihnen im Zeugnis stehen, wenn am 4. Juli die Sommerferien beginnen?
Für den Sportunterricht gibt es bei ihnen eine separate Bewertung in einem Extraheftchen. Dort stehen keine klassischen Schulnoten, sondern hier werden von den Sportlehrkräften individuelle Rückmeldungen gegeben, zum Teil über Sprachnachrichten, die sich die Schüler über einen QR-Code anhören können. Es handelt sich dabei um eine andere, weit aussagekräftigere Form der Bewertung, als sie sich in einer Note 1, 2 oder 3 ausdrücken kann. Vor allem auch, weil unsere Sportlehrerinnen und -lehrer bei ihrer Rückmeldung an die Schülerinnen und Schüler die individuelle Bezugsnorm besonders berücksichtigen können. Es geht bei der Beurteilung immer auch um den Verlauf und um das Niveau, mit dem Schüler bei bestimmten Übungen oder Disziplinen einmal begonnen haben, im Vergleich zu dem, wo sie jetzt angekommen sind. Damit bekommen diese Schülerinnen und Schüler ein gründlicheres und besseres Feedback im Vergleich zu einer normalen Benotung. Diesen Aspekt heben wir immer wieder besonders hervor, wenn es hin und wieder den Einwand gibt, mit diesem Modell würde der Sportunterricht eher geschwächt und abgewertet. Nach unseren Erfahrungen ist das Gegenteil der Fall.
Wie kommt die Neuerung bei Ihren Schülern und deren Eltern an?
Es gibt kein einheitliches Bild, doch die Tendenz ist überwiegend äußerst positiv. Vor allem fällt auf, dass sich auch diejenigen Schüler mit dieser Art des Sportunterrichts angefreundet haben, die in diesem Fach besonders gut sind. Sie verzichten freiwillig auf eine »1« im Zeugnis, weil sie erkennen und akzeptieren, welche Vorzüge das neue individuelle Bewertungssystem mit sich bringt. Überwiegend positiv sehen das ebenfalls die Eltern.
Welche Intentionen liegen dem zugrunde?
Die Initiative ging von unserer Sportfachschaft aus. Die Idee der insgesamt zehn Sportpädagogen an unserem Schulzentrum beruht auf der Überlegung, dass Sport und körperliche Bewegung jedem Menschen Spaß machen und Freude bereiten sollten, möglichst ein Leben lang. Die Aufgabe der Schule soll es sein, im Sportunterrichtsfach die Weichen dafür zu stellen. Statt wie im herkömmlichen Sinne Noten zu verteilen, die gerade im Sportunterricht manchmal abschreckend wirken können – wie bestimmt viele noch aus den Zeiten ihres eigenen Sportunterrichts wissen –, soll mit unserem Ansatz vermittelt werden: Sport ist etwas Schönes und Positives. Im Idealfall dürfen sich die Schüler im Unterricht ausprobieren und dabei viel über sich selbst und ihre Stärken und Schwächen lernen. Der Sportunterricht ist dafür prädestiniert, Noten durch individuelle Beurteilungen zu ersetzen. Zugleich wird den Heranwachsenden auf diese Weise eine wichtige Botschaft vermittelt: Es geht in der Schule nicht darum, für Noten zu lernen, sondern etwas fürs Leben mitzunehmen.
Was zugleich bestens zur Bischöflichen Montessori-Schule passt, wo selbstbestimmtes Lernen sowie die individuelle Förderung und altersgemischte Klassen ohne Notendruck großgeschrieben werden. Demnach ist die Frage naheliegend, warum Sie im Sportunterricht nicht für alle Klassen auf Noten verzichten.
Als staatlich anerkanntes Schulzentrum sind wir an die staatlichen Auflagen gebunden, und zu diesen Regularien gehört die Benotung in den einzelnen Fächern grundsätzlich dazu. Doch bei der Gestaltung des Unterrichts und der Lehrpläne gibt es große Freiheiten und Möglichkeiten, die wir gern nutzen. Hinzu kommt, dass es auch im staatlichen Bereich Überlegungen und Schulversuche zu Bewertungen ohne Noten gibt, die vom Kultusministerium gefördert werden. Die ersten beiden Schuljahre nach diesem Modell, die nun zu Ende gehen, sind für uns so etwas wie eine Probezeit gewesen. Diese Erfahrungen werden in den nächsten Wochen evaluiert. Danach gibt es eine Entscheidung, ob der Sportunterricht auf diese Weise dauerhaft fortgeführt wird und ob sich dieser pädagogische Ansatz vielleicht noch auf weitere Fächer übertragen ließe.
→ Sebastian Heider (55) leitet seit 2011 das Bischöfliche Maria-Montessori-Schulzentrum im Leipziger Stadtteil Grünau mit insgesamt 870 Schülerinnen und Schülern.
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