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Olympia

»Die Bürger müssen dahinterstehen«

Über sein Engagement für eine Berliner Olympiabewerbung. Ein Gespräch mit Dietmar Bartsch

Von Andreas Müller
Foto: Britta Pedersen/dpa
»Wind in den Segeln in Rostock wäre mir deutlich lieber als in den Segeln der Olympiagegner« – Dietmar Bartsch

Sind Sie Sportfan?

Großer Sportfan! Manchmal zum Leidwesen meiner Familie, manchmal auch zur Freude meiner Familie, wenn ich etwa als Zuschauer bei den Enkelkindern aufschlage. Ich verfolge Union Berlin, Hansa Rostock und die Eisbären am liebsten live, und wenn das nicht passt, dann im Fernsehen. Es gibt wenige Sportarten, die ich nicht mitverfolge.

Auf einem Foto von Mitte Dezember sieht man Sie bei der Gründung des Kuratoriums für eine Berliner Olympiabewerbung neben Ronald Rauhe. Der zweimalige Kanuolympiasieger gehört dem Gremium unter Vorsitz des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner von der CDU ebenso an wie Weitsprungolympiasiegerin Malaika Mihambo sowie zwei Dutzend Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und sogar der Kirche. Warum sind Sie als Politiker der Linken dabei?

Tolle Athletinnen und Athleten, neben denen ich dort stehe. Ich bin allerdings nicht als Politiker meiner Partei für das Kuratorium angefragt worden, sondern als Dietmar Bartsch – als Befürworter Olympischer Spiele zuallererst in Rostock. Aber klar: Dass ich über langjährige politische und organisatorische Erfahrungen verfüge, ist gesichert kein Nachteil.

Vielleicht auch, weil Sie als gebürtiger Stralsunder mit einem Bundestagswahlkreis in Rostock gern die olympischen Segelwettbewerbe an der Ostsee hätten?

Ja, erhält Berlin den Zuschlag, finden die Segelwettbewerbe in Rostock statt. Der Stadtrat hat dazu im letzten Jahr einen Beschluss gefasst, unterstützt die Austragung in der Stadt wie auch unsere linke Oberbürgermeisterin und die rot-rote Landesregierung. Rostock ist nicht nur ein großartiges Segelrevier, sondern hat auch die notwendige Rückendeckung aus der Stadt und von der Politik.

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Ein Votum der Bürger ist in Berlin ausdrücklich nicht vorgesehen. Sollte es fairerweise trotzdem ein Referendum geben, wie es in München schon stattfand, in der Rhein-Ruhr-Region am 19. April bevorsteht und in Hamburg für den 31. Mai geplant ist?

Darüber entscheide ich nicht. Aber klar ist doch: Olympische Spiele sind immer nur dann erfolgreich, wenn die Bürgerinnen und Bürger der Stadt dahinterstehen, sich für das Vorhaben mehrheitlich begeistern und in den Sportstätten eine tolle Atmosphäre entfachen. Paris war dafür zuletzt ein gutes Beispiel.

Wann hätten Sie die Spiele denn gern in Berlin – 2036, 2040 oder 2044?

Ich bin für 2040. Eine Austragung im Jahr 2036 sehe ich vor dem historischen Hintergrund sehr kritisch. Gegen 2044 habe ich keine sachlichen Einwände, es ist mir nur zu spät. Nach der Entscheidung am 26. September darüber, mit welchem Kandi­daten Deutschland sich bewirbt, sollten dann auch in absehbarer Zeit die Spiele stattfinden.

Der Gegenwind für Olympiabestrebungen ist an der Spree traditionell besonders groß, wie man seit der Bewerbung für die Sommerspiele 2000 weiß, die 1993 bei der Abstimmung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) grandios scheiterte. Wie wollen Sie dem »Nolympia«-Bündnis den Wind aus den Segeln nehmen?

Wind in den Segeln in Rostock wäre mir deutlich lieber als in den Segeln der Olympiagegner. Ich sehe aber auch deren nachvollziehbare Argumente. Geld für Investitionen fehlt an allen Ecken und Enden – gerade in Berlin. Deutschland braucht grundsätzliche Reformen bei der Finanzierung von Ländern und Kommunen. Ich hoffe sehr, dass die Bundesregierung nicht auch noch die Reform der Schuldenbremse vergeigt. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt sollte in der Lage sein, einerseits gut in die Infrastruktur und Soziales zu investieren und Olympische Spiele zu stemmen. Aber natürlich sind Menschen auch vom früheren Gigantismus des IOC genervt – teure Sportstätten für wenig dauerhaften Nutzen. Diese Fehler darf die Bewerbung nicht machen.

Kritiker weisen immer wieder auf die enormen Kosten allein für den nationalen Vierkampf hin, der noch bis zur Auswahl des offiziellen Bewerbers durch den Deutschen Olympischen Sportbund am 26. September andauern wird. Berlin, Hamburg, München und Rhein-Ruhr sollen allein für diese Phase des internen Wettstreits insgesamt mehr als 50 Millionen Euro berappen.

Ohne Frage sehr viel Geld. Allein die Erstellung notwendiger Konzepte ist teuer. Wobei Hamburg mit rund 18 Millionen Euro dreimal soviel ausgibt wie Berlin, auch München und NRW investieren mehr.

Apropos Geld: Wird Ihre Mitarbeit im Kuratorium honoriert oder ist das ein Ehrenamt?

Meine Mitarbeit im Kuratorium erfolgt selbstverständlich unentgeltlich.

Dietmar Bartsch, Jahrgang 1958, vertritt die Partei Die Linke seit 2005 durchgehend im Bundestag, dem er bereits zwischen 1998 und 2002 für die PDS angehörte. Vom Oktober 2015 bis Dezember 2023 war er Vorsitzender der Fraktion Die Linke im Bundestag

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.04.2026, Seite 16, Sport

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→Leserbriefe
  • Gerd-Rolf Rosenberger aus Bremen 20. Apr. 2026 um 11:21 Uhr
    D. Bartsch sollte bei seiner Begeisterung für Olympia erinnert werden, dass nach 1990 das überaus erfolgreiche Sportsystem der DDR und oft deren Sportstätten aus ideologischen Gründen nach und nach brutal zerstört worden sind. Ich fand es sehr gut, dass bei der 1992er Bewerbung für die Olympiade im Jahr 2000 Berlin krachend scheiterte, genauso wie Leipzig als Olympiaort 2012. Bei der kleinen DDR als großer Sportnation wurde bewusst alles abgewickelt. Deshalb ist es bei den Abstimmungen für viele Entwicklungsländer auch eine Frage der Solidarität gewesen, niemals die großen Leistungen der DDR zu vergessen. Es sind doch einige IOC-Mitglieder gewesen, die an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig studierten. Zerstört im Januar 1991. 4700 akademisch ausgebildete Trainer- und Übungsleiter erhielten Berufsverbot. Kinder- und Jugendsportschulen wurden einfach dichtgemacht. Athleten, Trainer, Sportmediziner und Sportpräsident Manfred Ewald sogar strafrechtlich verfolgt. Egon Krenz als Spiegel-Bestsellerautor bin ich dankbar, aus seinem Buch diese Informationen gelesen zu haben. Ärgern wird sich Ines Geipel!
  • König lutz aus Meiningen 17. Apr. 2026 um 10:24 Uhr
    Herr Bartsch, ich glaube, dass wir in Deutschland andere Probleme haben, als olympische Spiele auszurichten. Da nur der Steuerzahler herhalten muss, und die Gewinne durch andere abgesahnt werden, sollten sie folgenden Vorschlag einbringen: Die Steuerzahler, welche in Deutschland arbeiten, sollen freien Eintritt haben. Solche Eintrittskarten kosten bestimmt viel Geld, was bei Ihnen keine Rolle spielt. Ich denke mal, dass sie mittlerweile Millionär sind. (Ihr Arbeitsplatz war ja seit Jahrzehnten im Bundestag und wurde gut bezahlt.) Viele Grüße, Lutz König. PS. Ich bin in der DDR geboren, war in der SED, PDS und in Die Linke, bin 2022 ausgetreten, aber zu diesem Thema werde ich mich später ihnen gegenüber äußern.
  • Onlineabonnent*in Marian R. aus B. 16. Apr. 2026 um 22:37 Uhr
    Ein nettes Interview zu einem netten Thema mit einem noch viel netterem »linken« Politiker – toll, so etwas in der Super-Illu … ich meinte natürlich in der jungen Welt zu lesen!
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