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28.05.2026
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Offensive im Libanon
Während Israel den Krieg ausweitet, verschärft sich die humanitäre Krise. Tel Aviv sieht Hisbollah-Drohnen als »strategische Gefahr«
Die humanitäre Situation im Libanon verschlechtert sich rapide, während Israel seinen Krieg gegen das Nachbarland ausweitet. Familien müssen die Nacht im Auto verbringen, weil die Notunterkünfte in Beirut völlig überfüllt sind. Fast zwei Millionen Menschen sind bereits auf der Flucht. Am Dienstag hat die israelische Armee einen Evakuierungsbefehl für die Stadt Nabatija nördlich des Litani-Flusses sowie für die Orte Maschgara – wo am Montag abend bei einem Luftangriff zwölf Menschen, darunter zwei Kinder, getötet wurden –, Sahmar, Khirbet Selm, Bir Al-Sanasil, Kabrikha, Madschdal Selm, Kalawija, Kfar Dunin, Tulin und Sawana erlassen. Unmittelbar nördlich des Flusses, im Ort Sawtar Al-Scharkija, soll es am Mittwoch zu einem Gefecht zwischen Soldaten der Hisbollah und der israelischen Armee gekommen sein, teilte die libanesische Organisation mit.
In den vergangenen Tagen hat Israel seine Angriffe in weiten Teilen des Süd- und Ostlibanon intensiviert, am Dienstag kündigte Premier Benjamin Netanjahu an, die »Operation« im Libanon auch unter Einsatz von Bodentruppen zu »vertiefen«, um die »Sicherheitszone« zu »befestigen«. Der Hisbollah wolle man einen »vernichtenden Schlag« versetzen. Das Vordringen der israelischen Armee über ihre »vorgeschobene Verteidigungslinie« hinaus stellt eine bedeutende Eskalation dar. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden bei den jüngsten Angriffen mindestens 31 Menschen getötet. Seit dem 2. März kamen mehr als 3.200 Menschen ums Leben, mehr als 9.700 wurden verletzt.
Tel Aviv will mitten im Libanon langfristig eine »Pufferzone« kontrollieren. Diese soll sich fünf bis zehn Kilometer in den Süden des Zedernstaats erstrecken. Analog zum Gazastreifen wurde im Südlibanon eine »gelbe Linie« gezogen. Diese Zone, durch deren Errichtung unter anderem der direkte Zugang Beiruts zu den vor der Küste Libanons liegenden Gasfeldern blockiert wird, darf niemand betreten. Kritiker halten das Unterfangen, das als Teil der Großisrael-Pläne der Regierung Netanjahu verstanden wird, allerdings für hochriskant: Anfang der Woche sprach der ehemalige Vorsitzende des israelischen Auswärtigen Ausschusses und des Sicherheitsausschusses Ofer Shelah von einem »Rezept für eine Katastrophe«. Israels Armee werde letztlich genau wie im Jahr 2000 aus dem Zedernstaat flüchten, prognostizierte er – die aktuellen Bedingungen seien sogar noch »weitaus problematischer« als damals.
Israelische Medien zeigen sich seit Wochen alarmiert wegen der von der Hisbollah eingesetzten FPV-Drohnen, die per Glasfaserkabel auf Sicht gesteuert werden. Das Militär hat bislang keine technologischen oder elektronischen Mitteln gefunden, sie abzufangen – sie können damit jedes Ziel in Israel sowie israelische Soldaten und Militärfahrzeuge im Libanon treffen. Die Drohnen seien faktisch zu einer Form von Präzisionsraketensystem geworden, erklärte Avi Ashkenazi, Korrespondent der israelischen Tageszeitung Maariv. Das Blatt Jedioth Ahronoth bezeichnete sie als strategische Bedrohung.
Derweil löse die tagtägliche Zerstörung überlebensnotwendiger Infrastruktur durch die israelische Armee im Libanon eine schwere Krise aus, warnte am Dienstag die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Halbmondgesellschaften. Auch die Ernährungsunsicherheit im Zedernstaat wachse weiter an. Im Libanon sei jeder vierte zwischen April und August 2026 voraussichtlich mit akuter Ernährungsunsicherheit konfrontiert. Die Fortführung humanitärer Operationen sei durch schwere Finanzierungsengpässe bedroht.
Ursächliche Faktoren für die fatale humanitäre Situation seien die Fluchtbewegungen, der wirtschaftliche Zusammenbruch und in die Höhe schnellende Treibstoffpreise. Seit der Eskalation des Kriegs gegen den Libanon Anfang März ist der Preis für Diesel nach Angaben des Welternährungsprogramms um mehr als 65 Prozent gestiegen. Laut libanesischem Landwirtschaftsministerium sind etwa 22 Prozent der Agrarflächen im Krieg beschädigt worden.
Zudem nimmt Israels Militär weiter gezielt Mitarbeiter des Gesundheitswesens ins Visier. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind kürzlich innerhalb von nur vier Tagen neun Angriffe auf libanesische Gesundheitseinrichtungen registriert worden. Acht Fachkräfte seien dabei getötet und 45 weitere verletzt worden. Am selben Tag habe ein israelischer Luftangriff das Zivilschutzzentrum in Nabatija zerstört, einschließlich Feuerwehr- und Rettungsausrüstung sowie schwerer Maschinen. Seit Anfang März wurden mindestens 120 Sanitäter getötet.
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