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Trumps Disruption

Folgen des Iran-Kriegs

Foto: Nathan Howard/Reuters

Ausgerechnet Donald Trump nannte es eine »gewagte Annahme«, der Iran könne sich an Abmachungen halten. Er schrieb das am Dienstag in demselben Text, in dem er die am Montag gestartete Aktion der US-Marine zur Öffnung der Straße von Hormus stoppte. Am Mittwoch verbreiteten die dem Weißen Haus angeschlossenen Medien, die Unterzeichnung eines Memorandums mit dem Iran stehe kurz bevor. Da hatte sich noch grotesker als Trump der deutsche Bundespräsident in Stockholm geäußert. Frank-Walter Steinmeier will weiterhin militärischen »Schutz« durch die USA, also ein Schlachtfeld für den Krieg mit Russland in Westeuropa, und verlangte: »Wir müssen uns darauf verlassen können.« Das Berliner Außenministerium wiederum überprüft weiterhin, ob der Angriffskrieg gegen den Iran und den Libanon den Regeln des Völkerrechts folgte.

Zum vollständigen »Verlässlichkeits«bild gehört: Kurz bevor Trump seinen Hin-und-Her-Post absetzte, hatte sein Außenminister Marco Rubio im Weißen Haus vor der Presse den gesamten Krieg gegen den Iran als erfolgreich und abgeschlossen erklärt. Gleichzeitig flogen noch Raketen.

Trump und seine Leute sind gefährliche Hasardeure, die sich beim achten Militärstreich in der zweiten Amtszeit gründlich verzockt haben. Auch militärisch. Die Waffen- und Munitionslager der USA sind offenbar leer und in der EU trotzige Stimmen zu hören: Wir brauchen keine teuren »Tomahawks«, wir machen das selbst billiger. Vom Angriff auf Moskau träumt nicht nur CDU-Kiesewetter. Die Außenpolitik der beiden imperialistischen Machtblöcke diesseits und jenseits des Atlantiks ist ein Sumpf, aus dem kaum noch Berechenbares kommt. Das Personal an der Spitze stammt aus einer Negativauslese. Und das 3. Minenjagdgeschwader der Bundesmarine – es ist deren einziges – kommt mit einer Schaluppe, die ins Kriegsgebiet geschickt werden soll, in alle Medien. Ginge es nicht um Menschenleben: Das ist fortgesetzte Großverhöhnung.

Wichtiger als das Kriegsgetänzel von Washington bis Berlin sind aber offensichtlich die Folgen insbesondere des Iran-Krieges. Die Staaten Südostsasiens versuchen, dem Treibstoffmangel durch Fahrverbote, Flugstreichungen und andere Einschränkungen zu begegnen. In Indien wird wieder mit Holz gekocht, weil Flüssigerdgas fehlt. Allen Auskünften nach auf Jahre, weil die wichtigsten Anlagen am Persischen Golf zerstört sind.

China, das den angeblich kommende Woche bevorstehenden Trump-Besuch noch nicht bestätigt hat, ist wirtschaftlich und politisch ein Gewinner des Chaos. Es lieferte in den vergangenen zwei Monaten so viele Solarpaneele wie noch nie in Nachbarländer. Am Mittwoch besuchte der iranische Außenminister seinen Amtskollegen in Beijing, der den Krieg mehrfach verurteilt und sich für einen Friedensschluss engagiert hat. Ein Kontrastprogramm.

Auf das Zickzack der USA und der EU trifft das Wort »Disruption« zu, mit dem Trumps Freunde aus der IT-Oligarchie »Revolution« ersetzen möchten. Gemeint ist: Es gibt keine sinnvolle Regelung gesellschaftlicher Angelegenheiten. Sie irren sich ständig.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.05.2026, Seite 3, Ansichten

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