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Kuba-Solidarität

Gefahr des guten Beispiels

Warum greift der Imperialismus unentwegt Kuba an? Die Solidaritätskonferenz am Sonnabend in Berlin gab Antworten.

Foto: Junge Welt
Volles Haus: Rund 600 Besucher im Kino Babylon und Tausende im Livestream verfolgten die Solidaritätskonferenz mit Kuba und anschließende Preisverleihung

Donald Trump hat das von Israel in Gaza praktizierte Verbrechen, ein Volk auszuhungern, auf Kuba ausgedehnt. Die westeuropäischen Staaten helfen hier wie dort. Der Schweizer Krebsforscher und Präsident der medizinischen Hilfsorganisation Medicuba-Europa Franco Cavalli erklärte am Sonnabend in Berlin, diese Politik trage »genozidale Züge«. Er sagte das während der von jW und Melodie & Rhythmus vor der Verleihung des Rosa-Luxemburg-Preises an Aleida Guevara im Kino »Babylon« organisierten Solidaritätskonferenz zur Lage in Kuba.

Deren drei Vorträge und die von jW-Chefredakteur Nick Brauns geleitete Podiumsdiskussion standen letztlich unter dessen Frage: »Wovor haben die USA Angst?« Die Antworten waren unterschiedlich, hatten aber einen gemeinsamen Nenner: Kubas Bevölkerung lebt nicht nur in einer solidarischen Gesellschaft, das Land hat immer wieder medizinische, pädagogische und militärische Solidarität geleistet – von der Unterstützung des algerischen Befreiungskampfes unmittelbar nach der Revolution von 1959 bis zur Hilfe in der Coronapandemie für Italien zu Beginn dieses Jahrzehnts.

Ausgangspunkt für die drei Referenten der Konferenz – die kubanische Journalistin Liz Oliva Fernández, die jW-Korrespondentin Julieta Daza aus Venezuela sowie der spanische Publizist und Medienwissenschaftler Ignacio Ramonet – war die gegenwärtige Lage Kubas: Sie sei die dramatischste und gefährlichste seit der Revolution 1959. Fernández stellte das 2020 gegründete und privat finanzierte kubanische Medienkollektiv Belly of the Beast (Bauch der Bestie) vor, das dem täglichen Trommelfeuer konterrevolutionärer Sender »unerzählte Geschichten aus Kuba« visuell entgegenhält, etwa die konkreten Folgen der Sanktionen: Für den Jungen, der durch Krankheit beide Beine verlor, aber nun keine flexiblen Prothesen erhalten kann. Sie sind zwar aus deutscher Produktion, enthalten aber einen Anteil von mehr als zehn Prozent aus US-Produktion. Deutschland unterwirft sich der US-Bestimmung, das falle unters Embargo. Oder der Fahrradtaxifahrer, der in der Energieblockade, die schon seit 2020 andauert, keine Kunden mehr hat, weil sie entweder zu Hause bleiben müssen oder in ihren Arbeitsstätten übernachten. Die Ausweitung der Sanktionsdrohungen, so Fernández, gegen alle Staaten, die mit Kuba Handel treiben wollen, sei »ein Todesurteil für die internationalen Beziehungen«.

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Daza stellte ihr per Video aus Caracas übertragenes Referat unter den Satz des kubanischen Revolutionärs José Martí (1853–1895): »Patría es humanidad« (Vaterland oder Heimat ist Menschheit). Sie lebe seit 18 Jahren in Venezuela und wisse, dass die sozialen Errungenschaften der Bolivarischen Revolution ohne Kuba nicht möglich gewesen seien. Kubanische Ärzte hätten die medizinischen Zentren in den ärmsten Stadtvierteln von Caracas aufgebaut und demonstriert, was es bedeutet, wenn Gesundheit ein Recht und nicht ein Geschäft ist. Venezuela habe die Coronapandemie nur mit Hilfe Kubas überstanden, der Analphabetismus sei nach dem Vorbild der kubanischen Aktion »Yo si puedo« (Ja, ich kann es!) schon 2005 überwunden worden. Nie vergessen werde sie, wie viele Haushalte Venezuelas erstmals durch die kubanische Familienbibliothek »Unser Amerika« Bücher erhielten. Für den US-Imperialismus seien solche »bösen Vorbilder« nie hinnehmbar gewesen. Seit dem 3. Januar, der US-Militäraktion und der Entführung von Präsident Nicolás Maduro und seiner Frau Cilia Flores, drohten die USA mit einer neuen Intervention und setzten eine neokoloniale Politik durch. Sie entspringe dem kapitalistischen Weltsystem, das mit seiner irrationalen Gier die Menschheit bedrohe.

Ramonet prangerte an, dass viele Staaten der Welt zu den Drohungen Trumps gegen Kuba schwiegen. Die Solidaritätsbewegung für Kuba müsse die Regierungen dazu bringen, das Land zu unterstützen. Der Redner erinnerte daran, dass die militärische Solidarität der Revolution nie abgerissen sei – von Algerien über Vietnam bis zur Befreiung Angolas, Namibias und der Beendigung des Apartheidregimes in Südafrika. Kein anderes Land sei nach Afrika gegangen, um zu befreien. Zudem habe Kuba ganze Länder alphabetisiert und mehr als einer Milliarde Menschen medizinische Hilfe geleistet. Kein anderes Land habe so vielen Freiheit, Unabhängigkeit, Wissen und Gesundheit gebracht. Er fasste zusammen: »Ein kleines Land, aber eine Weltsupermacht der Solidarität.«

Das Beispiel sei für die USA und ihre Verbündeten eine »Gefahr«, hieß es in der folgenden Podiumsdiskussion. Sie wird demnächst in jW dokumentiert.

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.04.2026, Seite 9, Schwerpunkt

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→ Leserbriefe
  • Onlineabonnent*in Gion H. aus Z. 14. Apr. 2026 um 12:36 Uhr
    Guten Tag, ich Bin Gion Honegger aus Zürich. Ich war bei der »Es reicht«-Solidarität-Veranstaltung in Berlin anwesend. Es war eine gute Veranstaltung, nur, leider, stellte fast niemand die Frage: Ja, es reicht! Aber wie weiter mit der vielgelobten Solidarität? Leider war das Treffen nicht so konzipiert worden, dass es für die Beantwortung dieser äußerst wichtigen Frage Raum gegeben hätte. Obwohl viele Organisationen/Menschen teilweise von weither angereist waren, wurde keine weitere (der reichlich vorhandenen) Zeit genutzt, mögliche Aktivitäten – wie z. B. die Lancierung eines Hilfsconvoys »Europa solidaria« – zu initiieren resp. zu koordinieren. Es wäre eine sehr wichtige – und praktische! – Gelegenheit gewesen, dies gemeinsam zu debattieren und ev. zu Resultaten zu kommen. Die Solidarität zu feiern, ist das (manchmal wichtige) eine, sie mit konkreten praktischen Aktivitäten zu realisieren, ist das (oft schwierigere!) andere. Im Falle Cubas im Moment überlebenswichtig! Wieso das so leichtfertig übersehen wurde, resp. nicht stärker eingefordert wurde, muss man selbstkritisch beantworten.
  • Cecilia Yesenia Castillo aus Berlin / Murcia (Spanien) 14. Apr. 2026 um 09:11 Uhr
    Die Tageszeitung junge Welt sollte als Ausdruck praktisch täglich gelebter Solidarität im Kopf der Zeitung das legendäre Zitat von Che Guevara enthalten: »Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker«.
  • Monika Kauf aus Berlin 13. Apr. 2026 um 14:16 Uhr
    Die gut besuchte und gut organisierte Kuba-Konferenz am 11.04.26 im Kino Babylon (Berlin) mit anschließender Verleihung des Rosa-Luxemburg-Preises an Aleida Guevara war spannend, klassenkämpferisch, ans Herz gehend und vor allem Mut machend – und hoffentlich kraftgebend, mehr Solidarität zu leisten und mehr Menschen dafür zu motivieren!
    Leider verließ ein Teil der Konferenzteilnehmer nach der Auszeichnung Aleidas, vor Beendigung der Veranstaltung, den Saal. Ich stimme dem jungen cubanischen Sänger und Gitarristen zu, wenn er sagt, das sei respektlos! Aber so viel steht fest und wurde mit allen Beiträgen noch einmal bestätigt: Wenn Cuba fällt, ist es eine weitere große Niederlage für uns alle! Sorgen wir mit all unseren Kräften dafür, daß dies nicht passiert!
    • Onlineabonnent*in Gion H. aus Z. 14. Apr. 2026 um 21:22 Uhr
      Ich stimme Dir in Allem zu. Vor allem auch mit Deinem letzten Satz resp. Aufruf! Der nächste Convoy - Convoy Europa solidaria, muss von hier aus kommen, muss von uns allen organisiert werden! Und auch ich habe noch mit dem cubanischen Musiker gesprochen. Er war ziemlich konsterniert und enttäuscht, dass die Mehrheit der Anwesenden den Saal verliess. Gedankenlos oder sogar respektlos.
  • Onlineabonnent*in Martin M. aus D. 12. Apr. 2026 um 21:02 Uhr
    Alleine in Frankreich gab es dieses Wochenende um die 40 Veranstaltungen gegen die kriminelle Blockade. In Paris nahm der kubanische Botschafter Otto Vaillant Frías an der Veranstaltung am Samstag teil. Aber auch in mehreren europäischen Ländern gab es Solidaritätsveranstaltungen und Demos. Ein detaillierter Überblick ist auf der Seite von Europa por Cuba https://europaporcuba.com/videos ersichtlich.
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

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