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11.04.20261 Leserbrief
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Wessen Niederlage?
Die deutschen Kommentatoren haben Donald Trump als Verlierer des Iran-Krieges ausgemacht. So meint FAZ-Mitherausgeber Berthold Kohler am Donnerstag: »Die Mullahs dürfen sich als Sieger fühlen«. Sein Argument: »Trump und Netanjahu konnten das iranische Regime dezimieren, aber nicht von der Macht vertreiben.« In der Welt schreibt Thore Barfuss, der leitende Redakteur des Springer-Dienstes Business Insider, der US-Präsident sei »zum wiederholten Mal«, einen Deal eingegangen, »der für ihn und die USA nachteilig wirkt – aus Angst vor den wirtschaftlichen Folgen«. Heute diktierten Finanzmärkte und Makrodaten Trumps Politik. Das größte Problem seien dabei nicht die nächsten Wochen und nicht mal die Midterm-Elections im Herbst, sondern: »Auf dem Spiel steht nicht weniger als das endgültige Ende der US-Hegemonie. War das Bruttoinlandsprodukt der USA 2010 noch fast dreimal so groß wie das chinesische, so ist der Vorsprung zuletzt auf nicht mal das Doppelte zusammengeschrumpft. Schon vor der jüngsten Einigung ließ der Iran einzelne Schiffe die Straße von Hormus passieren und dafür Gebühren in Yuan bezahlen. Ein klarer Angriff auf die globale Referenzwährung US-Dollar, geschickt über Bande gespielt.«
Auch in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) lautet eine Schlagzeile am Donnerstag: »Diese Waffenruhe ist kein Sieg für die USA.« NZZ-Auslandsredakteur Jonas Roth resümiert: »Faktisch musste Iran für die Waffenruhe kaum Kompromisse eingehen – und scheint das auch künftig nicht tun zu wollen«. Grundsätzlich sei es eine gute Nachricht, dass nun der Diplomatie eine Chance gegeben werde, aber der Schweizer Redaktor will mehr Krieg sehen: »Doch Trump darf die Mullahs jetzt nicht einfach mit einem blauen Auge davonkommen lassen.« Wahrscheinlich sei aber, dass »sich die zweiwöchige Waffenruhe in einen fragilen Dauerzustand ohne feste Vereinbarungen entwickelt.«
Am Freitagmorgen hält aber NZZ-Chefredakteur Eric Gujer im NZZ-Newsletter »Der andere Blick« der Erzählung von Trumps Scheitern entgegen: »Ein Verlierer des Waffengangs im Nahen Osten steht fest.« Es sei »Europa«. Gujer folgt wieder einmal seiner fixen Idee, die Westeuropäer müssten endlich marschieren – Richtung Moskau oder Naher Osten –, und zürnt, dass die sie mal wieder nicht mitgemacht haben. Der Schweizer nimmt sich Boris »Kriegstüchtigkeit« Pistorius von rechts außen her vor: »›Es ist nicht unser Krieg‹, behauptete Verteidigungsminister Pistorius, Deutschlands am meisten überschätzter Politiker, zum Iran-Krieg. Jede Zeit kennt ihre dummen Sätze. Dieser Ausspruch gehört dazu. Pistorius brachte damit aber die Stimmung auf dem alten Kontinent auf den Punkt und verriet, was Europa nicht ist: eine global denkende Macht.«
Und wenn Gujer in Fahrt ist, geht’s zu wie beim Alpenzerbröseln: ist nicht mehr aufzuhalten. »Indem die europäischen Verbündeten Washingtons Hilfeersuchen brüsk abschlugen, zeigten sie nur, dass sie im Nahen Osten weder eine Rolle spielen wollen noch können. Zwar handelten London, Paris und Berlin vor mehr als einer Dekade das Atomabkommen mit Teheran aus, doch war das Schönwetterdiplomatie. Während die USA die Fäden zogen, machten die Europäer ›bella figura‹.« Starmer, Macron und Merz hätten jetzt die Gelegenheit verstreichen lassen, aber der Zürcher sieht in die Glaskugel und kündigt an: »Sie werden noch lernen, dass man große Kriege nicht ignorieren kann.« Da ließe sich sagen: Dann ist doch alles in Gujer-Ordnung und die »Europäer« nehmen künftig an jedem Trump-Krieg teil, auch wenn sie von dem angeblich vorher nichts wissen. In der Schurkenstaatsatmosphäre der Schweiz hat Trump die Fans, die es ihnen prophezeien.
Dann ist doch alles in Gujer-Ordnung und die »Europäer« nehmen künftig an jedem Trump-Krieg teil, auch wenn sie von dem angeblich vorher nichts wissen. In der Schurkenstaatsatmosphäre der Schweiz hat Trump die Fans, die es ihnen prophezeien
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Istvan Hidy aus Stuttgart 14. Apr. 2026 um 11:00 UhrDie Frage »Wessen Niederlage?« greift zu kurz, wenn sie ausschließlich aus der Perspektive staatlicher Akteure beantwortet wird. Die eigentlichen Verlierer militärischer Eskalationen sind in erster Linie die Zivilbevölkerungen – im Iran ebenso wie in anderen betroffenen Regionen. Auch die Darstellung Donald Trumps als politisch Getriebenem überzeugt nur bedingt. Entscheidungen über militärische Einsätze gehören zum Kern exekutiver Verantwortung. Verweise auf wirtschaftlichen Druck oder innenpolitische Zwänge erklären politische Handlungen, entheben jedoch nicht von der Verantwortung für deren Folgen. Auffällig ist zudem die Diskrepanz zwischen Trumps wiederholter Selbstinszenierung als friedenspolitischer Akteur und einer Politik, die militärische Eskalationen zumindest in Kauf nimmt. Die These, Europa sei der eigentliche Verlierer, beruht auf einem engen Verständnis internationaler Politik, das militärisches Engagement mit politischer Handlungsfähigkeit gleichsetzt. Tatsächlich ist Europa sicherheits- und wirtschaftspolitisch eng an die USA gebunden, was den außenpolitischen Spielraum begrenzt. Daraus folgt jedoch nicht zwangsläufig eine Verpflichtung zur Beteiligung an militärischen Interventionen. Die aktuelle Debatte verweist vielmehr auf ein strukturelles Spannungsfeld zwischen Abhängigkeit und dem Anspruch auf strategische Autonomie. Eine differenzierte Auseinandersetzung darüber erscheint notwendiger als die vorschnelle Einordnung komplexer Entwicklungen in Kategorien von Sieg und Niederlage.
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