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06.05.2026
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Linke Selbstdemontage
Rechtstrend bei Regionalwahlen in Indien
Die Linke Demokratische Front (LDF) im indischen Kerala hat bei den Regionalwahlen im April eine herbe Niederlage hinnehmen müssen. Nach zehn Jahren muss Chefminister Pinarayi Vijayan von der Kommunistischen Partei Indiens – Marxistisch (CPI-M) den Hut nehmen. Die Abstimmung gewonnen hat statt dessen die Vereinigte Demokratische Front (NDF) um die Kongresspartei. Für die Tageszeitung Deccan Herald stand am Dienstag fest: »Die LDF hat Kerala nicht eingebüßt, weil die UDF einen brillanten Wahlkampf geführt hätte. Sie hat verloren, weil sie längst aufgehört hat, links zu sein.«
Der Deccan Herald führt sieben Gründe an, die zum Wahlverlust der Linksfront geführt hätten. Dazu zählen nicht allein »Verachtung für Arbeiter« und »Betrug an den Bauern« durch verweigerte Lohnerhöhungen und nicht ausgezahlte Hilfen. Zum krönenden Abschluss nennt das Blatt auch den »Kompromiss mit dem Faschismus« als Sündenfall der CPI-M. Sie habe von den in Neu-Delhi regierenden Hindunationalisten von Narendra Modis Indischer Volkspartei (BJP) eine »Hindutva light« kopiert, eine rechte Kulturkampfpolitik gegen nationale Minderheiten, insbesondere Muslime und Christen. Die machen aber in Kerala fast die Hälfte der Bevölkerung aus.
Auch The Hindu sieht die Schuld bei der Linksfront selbst. Aus Sicht der liberalen Tageszeitung habe der »Wahlkampf der LDF, wie ihre Regierung, in auffälligem Widerspruch zur linken Tradition« gestanden und sich vor allem um den jetzt abgewählten Vijayan gedreht. Allerdings hätten die Einwohner Keralas Verstand genug, um einen »Überführer abzulehnen, der sich über seine eigene Partei erhebt«. Dem pflichtet unter anderem auch der New Indian Express bei: »Der Wahlausgang ist eine Reaktion auf die Arroganz der CPI-M und ihrer Führungskräfte.«
Kommt einem das alles nicht bekannt vor? Auch aus Indien selbst? Schließlich ist das heutige Kerala nicht die erste »rote Bastion«, die dort jemals verlorenging. Beispiel Westbengalen: 2011 hatte die damalige kommunistische Regierung in Kolkata ihre Wende zum Neoliberalismus so weit getrieben, dass sie sogar die Vertreibung von Bauern für industrielle Großprojekte gewaltsam durchzog und dafür einen veritablen Krieg gegen die Maoisten auf dem Land führte. Also wandte sich die Wählerbasis von der CPI-M ab und gab statt dessen dem konservativen Trinamool Congress ihre Stimme. Dieser wiederum büßte bei den jüngsten Regionalwahlen seine Mehrheit zugunsten von Modis BJP ein – eine Premiere. Wer nun als Ursache einen »Aufstieg von Rechtskräften« beklagt wie CPI-M-Generalsekretär M. A. Baby am Montag in der Zeitschrift Outlook, sollte sich erst mal an die eigene Nase fassen. (jt)
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