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Bank isst Bank

Foto: Arne Dedert/dpa

»Je ein Kapitalist schlägt viele tot.« Die Zentralisation des Kapitals ist, solange kapitalistische Produktionsweise herrscht, ein unaufhörlicher Vorgang. Übernahmen und Fusionen von Unternehmen sind beinahe Alltagsgeschehen und verlangen doch Aufmerksamkeit: aus staatlich-strategischen Erwägungen, hinsichtlich dadurch entstehender Kapitalmacht und schließlich aus der Perspektive der Beschäftigten, die infolge solcher Zusammenschlüsse um ihre Jobs bangen müssen.

Die italienische Unicredit will die deutsche Commerzbank schlucken, und nach allem, was zu vernehmen ist, darf das Begehr als besonders feindlicher Übernahmeversuch gelten. Jetzt hat das Bankhaus mit Sitz in Mailand den Aktionären des Geldinstituts aus Frankfurt am Main ein Angebot vorgelegt. »Annehmen wird es wohl kaum jemand, denn es liegt unter dem aktuellen Commerzbank-Kurs«, weiß die Süddeutsche Zeitung, weshalb sie Zweifel am Genie des Unicredit-Vorstandschefs Andrea Orcel anmeldet. Entspräche das Angebot dem derzeitigen Kurswert, hätte er Schwierigkeiten, seine eigenen Aktionäre zu überzeugen. »Entweder ist Orcel tatsächlich ein so versierter Dealmaker, dass er bewusst verschlungene Wege geht und die Öffentlichkeit in die Irre führt (…). Oder er lenkt schlicht davon ab, dass er bei dem Versuch, den deutschen Konkurrenten zu übernehmen, selbst strategische Fehler gemacht hat.«

Ebenfalls skeptisch, aber verhaltener äußert sich das Handelsblatt: Es bleibe abzuwarten, »ob Orcels kompromissloser Übernahmekurs auf Dauer von den eigenen Aktionären goutiert wird«, denn deren Unterstützung könne »nicht darüber hinwegtäuschen, dass zumindest auf Jahressicht der Aktienkurs der Unicredit hinter dem Kurs der Commerzbank hinterherhinkt«.

Für die FAZ dagegen sind die Messen gelesen: »Die Schlinge um die Commerzbank zieht sich zu.« Zwar sei Unicredits Umtauschangebot »unattraktiv und daher gewiss nicht das letzte Wort«, doch »die Commerzbank ist in der Defensive und wird es schwer haben, sich gegen eine entschlossen wirkende Unicredit mit dem gewieften Investmentbanker Andrea Orcel (…) zu wehren«.

Hinsichtlich der drei eingangs genannten Hinsichten liest sich das alles sehr schlapp. Die FAZ immerhin nennt die Bundesregierung, die aufgrund der Staatsanteile an der Commerzbank ein Wörtchen mitzureden hat, »planlos«. Die italienische La Stampa befürwortete die Übernahme vor zwei Wochen mit dem Argument, »nur mit größeren, effizienteren Banken (…) kann die Wirtschaft unseres Kontinents genügend Kapital beschaffen, um im Wettbewerb mit den USA und China zu investieren«. Das mag stimmen oder auch nicht. Von den 7.000 Stellen, die nach erfolgreicher Übernahme zu vernichten Unicredit-Chef Orcel versprochen hat, schrieb mal wieder keiner. (brat)

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.05.2026, Seite 2, Ansichten

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