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Aus: Ausgabe vom 14.04.2026, Seite 3 / Ansichten

Frontlücke geschlossen

Ergebnis der Wahlen in Ungarn
Von Arnold Schölzel
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Die Geschichte des angeblichen ungarischen Autokraten Viktor Orbán, der sich ohne Gegenwehr abwählen ließ, lässt sich so zusammenfassen: Als er begann, den Krieg von NATO- und EU-Europäern gegen Russland etwas zu behindern, war es um seine politische Karriere geschehen.

Ja, Orbán war ein Vorbild für die AfD. Alice »Hitler war ein Kommunist« Weidel verklärte ihn noch jüngst dazu und fühlte sich geschmeichelt, als Orbán sie im Herbst wie einen Staatsgast empfing. Geholfen hat das nichts, so wenig wie das Einfliegen des US-Vizepräsidenten zur Wahlunterstützung. Donald Trump meinte jedenfalls, Orbán sei eine Stütze. Trump hält sich aber auch für Jesus, wie er am Montag dem Papst bildlich mitteilte. Elon Musk gab auf X wahrscheinlich auch Trumps Meinung zum Wahlausgang wieder: Gewonnen hätten in Ungarn George Soros und dessen Milliarden.

Ja, Orbán war ein Genie der Korruption, dessen mafiöse Mitesser die Bevölkerung Ungarns so belästigten, dass die nun genug hatte. Die einheimische Linkspartei, auf deren antisoziale Politik der Aufstieg Orbáns zurückgeht, verzichtete vor dem Aussterben auf eigene Kandidaten, erfand sich als »Arbeiterpartei« neu und rief zur Wahl von Orbáns Gegner auf. Die wenigen verbliebenen Kommunisten im Land warnten vor dem. Dem Inhalt nach mit der Losung: Wer Tisza wählt, wählt den EU-Krieg.

Mit Recht. Tisza schließt die kleine Frontlücke, die Orbán gerissen hatte. Da der fast alle EU-Sanktionen gegen Russland in der Vergangenheit mitgetragen hatte oder bei Abstimmung auf der Toilette verschwand, stufte Moskau schon vor längerer Zeit Ungarn als »unfreundliches Land« ein. Es gibt Hauptstädte, in denen sich die Regierenden an Tatsachen halten. An den neokolonialen Zuständen in Ungarn will Tisza auf keinen Fall etwas ändern. 150.000 Menschen arbeiten zum Beispiel im Zehn-Millionen-Einwohner-Land für die ausländische, vor allem die deutsche Autoindustrie und deren Zulieferer. Die Gründe sind einfach: Niedrige Lohnkosten – der Mindestlohn liegt umgerechnet unter 900 Euro bei einem Durchschnittseinkommen von gut 1.500 Euro. Die Energie ist billig – wegen der nicht unterbrochenen Lieferungen von Öl, Gas und Uran aus Russland. Lohnerhöhungen gab es zuletzt kaum. Das nimmt jeder Manager gern in Kauf, die deutsche Presse schmähte nie Orbáns Einsatz für die deutsche Werkbank in Pannonien.

Dem Wahlsieger Péter Magyar droht nun ein Geldsegen aus Brüssel – wenn er spurt. Letzteres bedeutet: Es wird für seine Wähler noch teurer als bisher. In den 16 Jahren Orbán stiegen zum Beispiel die Preise für die im Land üblichen Eigentumswohnungen laut Linkspartei um 350 Prozent. Für junge Leute und Durchschnittsverdiener sind sie längst unerschwinglich. Magyar erbt vor allem den sozialen Niedergang einer deutschen Halbkolonie. Übrigens auch ein AfD-Vorbild, siehe deren Programme.

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