»Die Freude meines Volkes verblasst nie«
Von Arnold Schölzel
Hier sei behauptet: Diese Veranstaltung am 11. April 2026 im Berliner Kino »Babylon« werden alle, die dabei waren, und vielleicht auch jene, die sie am Bildschirm verfolgten, nicht vergessen. Die kubanische Kinderärztin und Internationalistin Aleida Guevara nahm den von junge Welt und dem Kulturmagazin Melodie & Rhythmus gestifteten Rosa-Luxemburg-Preis entgegen – stellvertretend für die Revolution und ihr standhaftes Volk. Der Publikumsandrang war enorm, öfter erscholl im Verlauf der fünf Stunden »Hoch die internationale Solidarität!«, mehrfach applaudierten die Zuschauer stehend. Dieser Nachmittag war ein Lichtblick in der Schwärze, die der Imperialismus erneut über die Welt legt.
Donald Trump hatte zu Beginn jener Woche die real existierende Barbarei in faschistischer Rhetorik artikuliert, als er nach sechs Wochen Angriffskrieg gegen den Iran »die Auslöschung einer ganzen Zivilisation« ankündigte. Für Kuba hatte er schon Ende Januar Verhungern nach dem Entwurf Israels in Gaza befohlen. Die Vorbereitung der militärischen Invasion ist im Gang. Die deutsche Regierung und die EU schweigen, stimmen zu. Sie dienen sich seit Jahren beim Erwürgen Kubas an. Diese Politik trage »fast genozidale Züge« sagte der Schweizer Krebsforscher und Präsident von Medicuba-Europa Franco Cavalli während der Podiumsdiskussion, die der Preisverleihung vorausging.
Den Totschlägern und Mördern begegnet Kuba mit Würde, Menschlichkeit und der nötigen Härte. Im ND-Interview sagte Aleida Guevara: »Ich kann nicht mehr besonders gut laufen, aber schießen kann ich noch.« Sie war in den 1980er Jahren als Ärztin in Nicaragua, als die von den USA finanzierten Contras die Sandinisten mit einer blutigen Konterrevolution überzogen, und ging mit den kubanischen Truppen der »Operation Carlota« nach Angola. Dort hatte das Apartheidregime Südafrikas, das mit Israel beim Bau von Atombomben kooperierte, in den Bürgerkrieg eingegriffen. Die Niederlage gegen die kubanisch-angolanischen Streitkräfte brach ihm das Genick. Als Nelson Mandela 26 Jahre nach seiner Verhaftung 1988 auf der Gefängnisinsel Robben Island von deren Sieg in der Schlacht von Cuito Canavale, dem »Stalingrad Südafrikas«, hörte, sprach er vom »Wendepunkt in der Geschichte Afrikas«. Der Mythos von der Unbesiegbarkeit des weißen Unterdrückers sei zerstört.
Von Weltgeschichte und Befreiung ahnen die Allmachtsphantasten Trump, Merz, Starmer, Macron, von der Leyen usw. nichts, aber an ihre Unbesiegbarkeit glauben dank Kuba immer weniger Menschen auf der Welt. Also endete die Preisverleihung folgerichtig mit dem Lied »Gracias a la vida« (Danke an das Leben) der Chilenin Violeta Parra, das Aleida Guevara mit wunderbarer Stimme a cappella vortrug. Es beginnt mit den Zeilen: »Danke an das Leben, / das mir soviel gab: / Es gab mir zwei Augen, / öffne ich sie, / unterscheide ich perfekt / das Schwarze vom Weißen.« Danach erhoben sich alle im »Babylon«. Und auch nach den folgenden Sätzen Aleida Guevaras: »Wir haben einen sehr dummen Feind. Das kubanische Volk hat gelernt, Widerstand zu leisten. Gelernt, in Würde zu leben. Die Freude meines Volkes verblasst nie. Klar, ist es derzeit sehr schwierig. Aber was ist die Alternative? Aufgeben ist es nicht.« Ein Licht in der Schwärze.
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