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02.05.2026
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Heuchelei ohne Grenzen
Die israelische Marine überfällt die Global Sumud Flotilla im Mittelmeer – in internationalen Gewässern, mehr als 1.000 Kilometer von der palästinensischen Küste entfernt. Ein klarer Fall von Piraterie, der international auch als solcher verurteilt wird. Nicht so in deutschen »Leitmedien«. Hatte der letzte Versuch, die Blockade des Gazastreifens auf dem Seeweg zu durchbrechen, im Oktober noch für einiges Aufsehen in der bürgerlichen Presse gesorgt, war die Berichterstattung diesmal sehr dürftig. Offenbar versucht man es nun wieder mit der bewährten Methode des Totschweigens.
Wird überhaupt berichtet, beschränkt man sich meist auf die Wiedergabe der dpa-Meldungen, inklusive der unkritischen Übernahme von solchen netten Sätzen: »Das israelische Außenministerium teilte mit, aufgrund der großen Anzahl an Schiffen sowie des Risikos einer Eskalation sei ›ein frühzeitiges Eingreifen im Einklang mit dem Völkerrecht erforderlich‹ gewesen. Die Operation sei ›in internationalen Gewässern friedlich und ohne Verletzte durchgeführt‹ worden«. Dann ist ja alles gut.
Für die Jüdische Allgemeine ist die Sache ohnehin klar: »Die israelische Marine hat damit begonnen, eine israelfeindliche Aktivistenflotte auf dem Weg in Richtung Gazastreifen abzufangen.« Und: »Nach israelischen Angaben wird die Initiative von der palästinensischen Terrororganisation Hamas gesteuert, aber als humanitäres Projekt dargestellt.«
Die Denunzierung in der Süddeutschen Zeitung wirkt da etwas subtiler: Es sei »eine, freundlich gesagt, ziemlich bunte Truppe aus verschiedensten Ländern«, die da »wieder einmal« Nothilfe nach Gaza bringen will. Doch »das Ergebnis war absehbar, noch bevor die Aktivisten die Segel gesetzt hatten«. Weil also die Israelis internationales Recht ungestraft mit Füßen treten dürfen, soll man gar nicht mehr versuchen, sich gegen die Verbrechen der zionistischen Kolonie zur Wehr zu setzten? Ganz so will Tomas Avenarius das nicht gemeint haben. Es sei doch »wichtig«, auf das »erbarmungswürdige Schicksal« der Menschen in Gaza »aufmerksam« zu machen. Die Frage sei nur, »warum die Gaza-Aktivisten sich nicht an handfester Politik versuchen statt an sinnlosen Aktionen wie der Gaza-Flottille«. Das diene »nur dem Nachschub an Social-Media-Videos. Und der Selbstvergewisserung derer, die sich für Gaza engagieren. Das hilft den Menschen dort leider nicht.«
Von solcher Heuchelei ist im Bericht des Neuen Deutschland nichts zu lesen. Hier findet man deutliche Worte – »staatliche Piraterie direkt vor europäischen Küsten« – und gibt der internationalen Solidarität auch weiterhin eine Chance. Denn die »kennt keine Gewässergrenzen«. (pt)
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