UNO: In Gaza Mehrheit der Getöteten weiblich
Von Osa UdushesheriEin von der Organisation UN Women vergangenen Freitag veröffentlichter Bericht zur Lage von Frauen und Kindern in Gaza zeichnet ein düsteres Bild. Von insgesamt 71.000 durch Israel im Gazastreifen Getöteten sind 38.000 weiblich, davon 22.000 Frauen und 16.000 Mädchen. Ein höherer Anteil als bei den letzten größeren israelischen Angriffen auf Gaza 2008 und 2014, so der Bericht. Er zeigt, dass die Zahl getöteter Frauen und Mädchen bei Flächenbombardements am höchsten war. Bei der Zerstörung ziviler Infrastruktur (Schulen, Häuser und ausgewiesene Notunterkünfte) seien die Todeszahlen ebenfalls höher. Da sich viele Leichname noch unter den Trümmern befänden und die Zerstörung des Gesundheitssystems die Dokumentation von Todeszahlen erschwere, könne man von höheren Zahlen ausgehen. Schätzungen der UNO zufolge seien etwa 11.000 Frauen und Mädchen von lebenslangen Verletzungen betroffen.
Die Zahl der vertriebenen Frauen und Mädchen liegt dem Bericht zufolge bei etwa einer Million, wobei viele mehrmals von Israel vertrieben wurden. Vulnerable Gruppen, also schwangere Frauen, Frauen mit Behinderungen und Frauen, die einen Haushalt führen, seien demnach überproportional betroffen und hätten dabei kaum Unterstützung. Unter den gegebenen Bedingungen seien sie häufig gezwungen, ihre Menstruationshygiene aufzugeben, was ein erhöhtes auch reproduktives Gesundheitsrisiko zur Folge habe. Bis Mitte 2025 sei nur ein Bruchteil des Bedarfs an Menstruationsartikeln gedeckt worden, was dazu führte, dass Frauen und Mädchen keine ausreichende hygienische Versorgung hatten.
Der Zugang zu sexuellen und reproduktiven Gesundheitsdiensten sei für Frauen und Mädchen systematisch erschwert. Im September 2025 seien nur noch 37 Prozent der entsprechenden Gesundheitsdienste funktionsfähig gewesen. Da viele Mütter unterernährt seien, gebe es ein erhöhtes Risiko für ein zu niedriges Geburtsgewicht, Totgeburten und Müttersterblichkeit. Massenvertreibung und überfüllte Notunterkünfte hätten das Risiko für Infektionen erhöht. Dem Bericht zufolge würden in Gaza auch nach der Waffenruhe jede Woche 15 Geburten außerhalb von Krankenhäusern stattfinden, oft ohne Fachmediziner und sichere Geburtsbedingungen.
Der Bericht zeigt auf, dass Frauen und Kinder überproportional von Unterernährung betroffen sind. Die Zahl der Kinder, die eine Behandlung aufgrund von Unterernährung bekommen hätten, sei bis Oktober 2025 auf rund 50.000 gestiegen. Im Juli 2025 waren 40 Prozent aller Schwangeren und stillenden Mütter in Gaza unterernährt. In dieser Periode waren schätzungsweise 500.000 Frauen und Mädchen vom Hungertod bedroht.
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