Hohn, Skepsis, Triumph
Das Echo auf die Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran in westlichen Medien reichte am Montag von Hohn (Die Welt: »Donald Trump gewinnt zum 39. Mal Krieg gegen Iran.«) über Skepsis bis zu Wut in Israel. Die überwiegende Meinung lautet: Trump hat kapituliert. So argumentiert Der Spiegel, die USA hätten keines der am 28. Februar verkündeten Kriegsziele erreicht. Laut US-Geheimdiensten seien im Iran »rund 75 Prozent der mobilen Abschussrampen und etwa 70 Prozent der Raketenbestände aus der Vorkriegszeit weiterhin vorhanden.« Das Regime sei gestärkt und habe mit der Sperrung der Straße von Hormus gezeigt, »welche Macht der Iran über die globale Wirtschaft besitzt.«
Donald Trump sieht das völlig anders. Er fand am Sonntag Zeit, eine halbe Stunde mit der New York Times zu telefonieren, um mitzuteilen, sein Überfall auf den Iran habe »den Nahen Osten zugunsten Amerikas neu gestaltet«. Besonders pries er Xi Jinping und Wladimir Putin, mit dem er am selben Tag fast eine Stunde telefonierte, für Unterstützung. Xi sei ein »absoluter Gentleman«: »Er schickte keinen Tanker – flankiert von jeweils 20 Zerstörern –, um zu versuchen, die Blockade zu durchbrechen.«
Die Zeit analysiert, das Rahmenabkommen sei »für Benjamin Netanjahu ein Problem«: »Keinen der Kriege, die Israel seit der Terrorkatastrophe vom 7. Oktober 2023 geführt hat, konnte der Regierungschef siegreich zum Abschluss bringen – nicht gegen die Hamas, nicht gegen die Hisbollah, nicht gegen den Iran. Israel hat an allen Fronten Erfolge erzielt, aber alle Fronten existieren noch.«
Faz.net lenkt die Aufmerksamkeit auf die wirtschaftlichen Folgen der Vereinbarung und titelt: »Das Rezessionsrisiko ist gebannt.« Die These beruht auf einer Umfrage unter deutschen Ökonomen, die aber zumeist abwartend reagieren. Lediglich der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, sagte gegenüber der FAZ-Internetplattform: »Der Schaden durch die höheren Energiepreise sei schon eingetreten, aber mit dem Rahmenabkommen sei eine Rezession jetzt ausgeschlossen.« Wesentlich vorsichtiger äußerte sich Bundesbankpräsident Joachim Nagel auf einer Konferenz in Frankfurt am Main: »Selbst wenn die Meerenge von Hormus demnächst wieder befahrbar sein sollte, wird es Monate dauern, bis sich das Ölangebot wieder normalisiert.« Der Preisdruck in der Wirtschaft könne zudem nochmals steigen, wenn fiskalpolitische Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise ausliefen. Das Auslaufen des »Tankrabatts« werden sich offenbar nach seiner Meinung die Erdölkonzerne nicht entgehen lassen, um erneut richtig hinzulangen. Trump beendet Kriege eben zugunsten der USA. (as)
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