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Der Schein der Einigkeit
G7-Gipfel in Evian
Wenn im Westen nichts mehr geht – eins ging bisher noch immer: auf China einzudreschen. So könnte es auch auf dem G7-Gipfel in Évian-les-Bains kommen, dem idyllisch gelegenen Ort an der französischen Südküste des Genfer Sees, der seit Montag nachmittag von den Staats- und Regierungschefs der sieben ökonomisch stärksten westlichen Industrienationen heimgesucht wird. Zerstritten wie vielleicht noch nie ist er derzeit, der Klub der Verhassten; Donald Trump wird im eigenen Land immerhin noch von 39 Prozent der Bevölkerung unterstützt, Keir Starmer von 21, Emmanuel Macron von 18, Friedrich Merz von ganzen 16 Prozent der Menschen, für die sie zu handeln vorgeben. Hauptanliegen während der Vorbereitung des Gipfels war es, einen Eklat mit Trump, vielleicht sogar seine vorzeitige Abreise zu verhindern, um bei allem Zwist doch wenigstens eins zu wahren: den Schein der Einigkeit.
Tatsächlich ist unklar, worauf sich die G7-Chefs überhaupt einigen können. Manche hoffen auf irgendeine US-Unterstützung im Ukraine-Krieg. Macron, Starmer und Merz werden Trump wohl ihre Pläne für einen Marineeinsatz in der Straße von Hormus anzudienen suchen. Von Gesprächen über die Sicherung der Rohstoffversorgung ist die Rede, außerdem von einer Vereinbarung über den Umgang mit KI. Dass Trump sich auf irgendwelche Zugeständnisse einlassen würde, davon geht kaum jemand aus; auf eine gemeinsame Abschlusserklärung verzichten die G7 daher von vornherein. Eine gewisse Übereinstimmung könnte es aber im Hinblick auf China geben, über dessen Handelsüberschüsse sich die G7 austauschen wollen. Neue Vorwürfe, vielleicht sogar die Drohung mit Maßnahmen gegen Beijing – das sollte selbst den G7 noch möglich sein.
Obwohl es auch diesbezüglich keine Gewissheit mehr gibt. Kanadas Premierminister Mark Carney hat am Wochenende in Irland wiederholt, was er bereits im Januar in Davos erklärte: dass »Mittelmächte« in der Ära der zerfallenden Weltordnung sich zusammentun müssten, um nicht unterzugehen – und dass sie sich ökonomisch durch Handel mit möglichst vielen Ländern eine gewisse Unabhängigkeit bewahren sollten. Dazu gehört, Kanada macht es vor, auch Handel mit China. Vor seinem Aufenthalt in Dublin hatte Carney sich in Paris mit Macron getroffen; Frankreich setzt seit jeher auf größere Eigenständigkeit gegenüber den USA. Ob sich da eine neue transatlantische Achse Paris–Ottawa auftut, zählt in Évian-les-Bains wohl zu den interessanteren Fragen.
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Istvan Hidy aus Stuttgart 16. Juni 2026 um 11:51 UhrDetails des Rahmenabkommens zur Beendigung des Krieges, das die USA und Iran am Freitag in Genf unterzeichnen wollen, bleiben bislang unter Verschluss. Beide Seiten zeichnen dabei bewusst ein jeweils eigenes, teils widersprüchliches Bild der Inhalte – ein Hinweis darauf, wie fragil die Grundlage der angeblichen Einigung tatsächlich ist. Der Krieg hat nicht nur die Grenzen amerikanischer Militärmacht sichtbar gemacht, sondern vor allem die strategische Unentschlossenheit Washingtons in seiner globalen Führungsrolle offengelegt. Die USA verfügen weiterhin über überwältigende militärische Kapazitäten, wirken politisch jedoch zunehmend reaktiv statt gestaltend. Auch für die Golfstaaten und Israel bietet die sich abzeichnende »Scheinlösung« kaum belastbare Sicherheit oder strategische Klarheit. Europa wiederum bestätigt einmal mehr seine marginale Rolle: Wo die Großmächte in der Region Machtpolitik betreiben, bleibt es allenfalls Zuschauer ohne Einfluss. Teheran verlangt nun, Washington solle Israel zu einem Stopp der Angriffe im Libanon bewegen – eine Forderung, die bewusst auf die Bruchlinien innerhalb des westlichen Bündnissystems zielt. Dass sich Israel dem verweigert, verschärft die ohnehin wachsenden Spannungen zwischen Präsident Donald Trump und Premierminister Benjamin Netanjahu zusätzlich. Der iranische Vorstoß wirkt dabei weniger wie ein konstruktiver diplomatischer Beitrag als vielmehr wie ein kalkulierter Versuch, bestehende Allianzen zu destabilisieren und strategische Gegensätze gezielt zu vertiefen.
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Joachim Seider aus Berlin 16. Juni 2026 um 08:27 UhrEs dürfte inzwischen in China ähnlich sein, wie damals in Europa, wenn im Fernen Osten ein Sack Reis umfiel. Längst klingt das Husten der G7 und der EU nicht mehr wie Donnerhall. Die Karawane zieht von Osten ruhig weiter westwärts. Ein wenig wird es wohl noch dauern, bis auch hier verstanden wird, dass sie hier auch ankommen wird. Die Kamele der Vorhut sind längst da. Unbemerkt haben sie hier bereits ausreichend Spitzenposten besetzt. Wir spüren das schließlich jeden Tag aufs neue.
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