Zum Inhalt der Seite

Star-Wars-General des Tages: Holger Neumann

Foto: Bernhard Herrmann/IMAGO
Luftmarschall Vorwärts: Holger Neumann

Schwer zu sagen, was schwerer zu ertragen ist: die neue Lust der Bundeswehr-Generalität, mit Meinungsbekundungen zum Zeitgeschehen in Erscheinung zu treten, oder der gierige Eifer der vorläufig noch verhinderten Propagandakompanie in den Redaktionen, das Zeug zu veröffentlichen. Immerhin weiß man nun, womit die Typen sich im Offizierskasino hochschaukeln: Da ist zum Beispiel die peinliche Floskel vom »fight tonight«, die signalisieren soll, dass Einsatzwille und Einsatzbereitschaft am Anschlag sind. Im November 2025 war etwa Heeresinspekteur Christian Freuding »bereit für den fight tonight«.

Nun hat der Chef der Luftwaffe, Holger Neumann, einem Reporter des kürzlich von Springer geschluckten britischen Telegraph versichert, dass natürlich auch die Luftwaffe bereit ist zum »fight ­tonight«. Gegen Russland natürlich. Zwar hat der für NATO-Höflinge unverdächtige finnische Präsident eben erst in einem Interview die Frage, ob er den kolportierten »Geheimdienstberichten« glaube, denen zufolge Russland NATO-Länder etwa im Baltikum »auf die Probe stellen« wolle, mit »Nein« beantwortet – doch für Luftwaffel Neumann ist die Sache weiter dringlich: Er steht laut Telegraph bereit für »verheerende Luftangriffe auf Russland«, falls NATO-Territorium angegriffen wird.

Anzeige

Bereitwillig plaudert Neumann auch über die Zielauswahl: Richtung Kola-Halbinsel, Sankt Petersburg, Kaliningrad und Schwarzes Meer will er seine Geschwader schicken. Da der Artikel sich an Idioten richtet, fehlt auch nicht die Information, dass Neumann die Fluggeräte in den Star-Wars-Filmen mag und ein Lego-Modell des Helms besitzt, »den Luke Skywalker trug«. Die Deutschen sind im Ernstfall bereit, es mit »Darth Putin« aufzunehmen, versichert Neumann. Eine Weltsicht, geschöpft aus Star Wars und Ostfrontsehnsucht – das reicht zumindest für einen verheerenden Luftangriff auf die Urteilsfähigkeit zwischen Oder und Rhein.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 16.06.2026, Seite 3, Ansichten

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!