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Aus: Ausgabe vom 01.04.2026, Seite 10 / Feuilleton

Bois, Domröse

Von Jegor Jublimov
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Curt Bois (sitzend) in der Serie »Mensch Bachmann« (1984)

Filmstars gibt es zwar noch, aber sie werden heute oft von Serienstars überflügelt. Ein Pionier auf diesem Gebiet war Curt Bois, der bereits 1908 als Kind ein Theater- und Filmliebling war. Noch während des Ersten Weltkriegs spielte Curt mit seiner Schwester Ilse Bois in einer Schwankserie mit dem Titel »Max und Moritz von heute«. Er machte in der Weimarer Republik Karriere, musste aber 1933 aus Nazideutschland fliehen, weil er sowohl Antifaschist als auch Jude war. Ihm gelang es, über Umwege nach Hollywood zu entkommen und kleine Rollen in berühmten Filmen wie »Der Glöckner von Notre Dame« (1939) oder »­Casablanca« (1942) zu spielen. Hier trat er 1950 auch in »Fireside Theatre« auf, einer der ersten US-amerikanischen TV-Serien, bevor er in seine Heimatstadt Berlin zurückkehrte. Weil die Defa wenig Platz für ihn hatte, ging er mit Otto Grotewohls Erlaubnis in den Westen, wo er nach einer Durststrecke in Filmen wie »Das Spukschloß im Spessart« (1960), »Das Boot ist voll« (1981) und »Der Himmel über Berlin« (1987) große Rollen übernahm. Viel häufiger spielte er jedoch im Fernsehen, seriös beginnend mit der SFB-Reihe »Auf der Lesebühne der Literarischen Illustrierten«, wo er Brecht vor dem McCarthy-Ausschuss verkörperte. »Im Fernsehen will ich ein bisschen naschen«, meinte er, und so folgten Gastauftritte unter anderem in Krimis der Reihen »Der Kommissar«, »Der Alte« und gar eine Doppelrolle in der Serie »Kleine Stadt, ich liebe dich« (1985). Damals hatte er die 80 schon überschritten und meinte lapidar: »Früher war ich ein Wunderkind, und heute bin ich ein Wundergreis!« Im 91. Lebensjahr starb er, am Ostersonntag jährt sich sein Geburtstag zum 125. Mal.

In TV-Produktionen hatte er den einen oder anderen namhaften Regisseur, wie Wolfgang Staudte oder ­Helmut Dietl, in dessen Pressesatireserie »Kir Royal« Bois 1986 eine Episodenhauptrolle übernahm. In einer anderen Folge trat Angelica Domröse auf. Auch sie hatte viele Jahre in der DDR gearbeitet, wurde mit Filmen wie »Effi Briest« (1968) und »Die Legende von Paul und Paula« (1972/73) ein absoluter Liebling. Blutjung war sie 1958 für den Defa-Film »Verwirrung der Liebe« von Slatan Dudow entdeckt worden. Dann folgten ein Schauspielstudium in Babelsberg, intensive Theaterarbeit am Berliner Ensemble, der Volksbühne und bald auch Film auf Film. Serien waren selten, wenn man mal von Mehrteilern, die heute »Miniserien« genannt werden, absieht. Das begann schon 1960 mit »Papas neue Freundin«, setzte sich mit »Wege übers Land« (1968), »Krupp und Krause« (1969), »Artur Becker« (1971) und »Daniel ­Druskat« (1976) fort. Die Titelrolle in der Verfilmung von Dinah Nelkens Roman »Fleur Lafontaine« war 1978 der vorläufige Höhepunkt. Im Westen war sie zweimal bei »Der Alte« dabei, als Rolf Schimpf bereits übernommen hatte, und dreimal spielte sie in den 90er Jahren beim »Polizeiruf 110« mit, für den sie zuvor keine Zeit gehabt hatte. Mit 70 hat sie sich, wenn nicht alles täuscht, mit Bernd Böhlichs Komödie »Bis zum Horizont, dann links!« (2012) aus dem Beruf verabschiedet. Vielleicht gibt es noch mal ein Umdenken, wenn sie am Sonnabend 85 wird?

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