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Minetti, Preusche

Foto: GrevenStiftung/Kölnische Rundschau/Brigitte Stachowski/United Archives/IMAGO
Unendlicher Ehrgeiz: Hans-Peter Minetti

Mein Minister hat gesagt, ich soll nicht mehr synchronisieren«, informierte Hans-Peter Minetti Mitte der 70er Jahre seine erstaunten Kollegen, die bei Defa-­Synchron einen ansehnlichen Nebenerwerb hatten. Der Schauspieler war inzwischen zum Multifunktionär geworden: Kandidat des ZK der SED, Rektor der Berliner Schauspielschule, deren Weg zur heutigen Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« er einleitete, und vieles mehr. Seine Frau Irma Münch, die »nur« gewerkschaftlich engagiert war, fragte schon mal im Kollegenkreis, ob Männer generell einen unendlichen Ehrgeiz entwickeln müssen. Da Minetti auch noch auf Bühne und Bildschirm unentbehrlich schien, entschuldigte er sich schon mal bei Sitzungen mit Proben oder Auftritten und handelte sich damit sogar mindestens einmal ein Parteiverfahren ein.

Minetti wurde am 21. April vor 100 Jahren in Berlin als Sohn des sozialdemokratisch gesinnten Schauspielers Bernhard Minetti geboren, der allerdings vor Mitläufertum bei den Nazis nicht gefeit war. Sohn Hans-Peter trat 1946 kurz vorm Vereinigungsparteitag in die KPD ein, wurde somit SED-Mitglied und 1948 an die Parteihochschule delegiert. Nach Schauspielunterricht in Weimar spielte er ab 1952 in Berlin und wurde schnell bekannt, als ihn Defa-Regisseur Kurt Maetzig als Arbeiter Fiete Jansen zur Identifikationsfigur für junge Zuschauer in seinem zweiteiligen »Ernst Thälmann«-Film (1954/55) machte. Schnell wurde er Mitglied des Zentralrats der FDJ. Er hatte eine große Bandbreite als Schauspieler, wovon man sich heute am Bildschirm nur noch mit wenigen Beispielen überzeugen kann, etwa in den Märchenfilmen »Der Teufel vom Mühlenberg« (1955) als jugendlicher Held oder »Schneeweißchen und Rosenrot« (1979) als böser Berggeist. Im lange verbotenen Film »Spur der Steine« (1966) war er ein Funktionär mit dem sprechenden Namen Bleibtreu. Als Ablasshändler Tetzel, ein Mann, »der das Falsche reinen Gewissens verkündet und von dem, was er für Wahrheit hält, tief durchdrungen ist«, wie eine Kritikerin damals schrieb, brillierte er in dem Fünfteiler »Martin Luther« (1983). Seine letzte Filmrolle spielte er 1995 neben Katarina Witt in »Die Eisprinzessin«; seinen Bühnenabschied nahm er 2005 am Deutschen Nationaltheater Weimar kurz vor seinem Tod.

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In dem DFF-Zweiteiler »Ernst Thälmann« war 1986 Gerd Preusche dabei, der am 26. April vor 25 Jahren nur 60jährig starb und doch in vielen Nebenrollen seine Spuren hinterlassen hat. Dabei hätte er 1984 mit der Hauptrolle in Maxim Dessaus kritischem Defa­-Gegenwartsfilm »Schnauzer« großen Eindruck hinterlassen können, doch das Werk durfte nicht fertiggestellt werden. Vielleicht um ihn zu rehabilitieren, haben ihn viele Babelsberger Regieabsolventen ab 1990 in ihren Filmen herausgestellt, etwa Jan Růžička oder Bodo Fürneisen. Die diffizile Rolle von Bundesminister Hans-Jürgen Wischnewski verkörperte Preusche 1997 in Heinrich Breloers Zweiteiler »Todesspiel«. Heute steht Sohn Carsten Knödler als Schauspieldirektor in Chemnitz in der Tradition seines Vaters.

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.04.2026, Seite 10, Feuilleton

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