Hildebrand, Choynski, Nickel
In einem Spartensender, der nur ZDF-Krimis wiederholt, sah man sie kürzlich in einer Folge von »Der Kommissar«, eine ihrer letzten Arbeiten von 1971. Fünf Jahre später, am 27. Mai, starb Hilde Hildebrand im 79. Lebensjahr. Der Beginn ihrer Karriere: Debüt in der Stummfilmzeit, beliebter »Star der zweiten Reihe« in den Tonfilmjahren, gefragte Diseuse des Schellackzeitalters. Die Hannoveranerin, die ihren Vornamen passend zum Familiennamen erfand, prägte das literarische Kabarett der Weimarer Republik mit ihrem lasziv schleifenden Tonfall, immer geistreich nuanciert. Ab 1933 konnte sie ab und an den deutschtümelnden Wahn etwas konterkarieren, so 1934 in »Die englische Heirat« als selbstbewusst-komische Künstlerin. Satiren wie »Das Tagebuch der Baronin W.« (1935) mit vorsichtigen Anspielungen auf gleichgeschlechtliche Liebe und »Allotria« (1936), in dem Partnertausch geübt wird, konnten sich mit französischen Komödien messen. Bei Helmut Käutner spielte Hildebrand in einer Komödie des verfemten Erich Kästner (»Frau nach Maß«, 1940), ehe der Regisseur sie 1944 als Partnerin von Hans Albers in »Große Freiheit Nr. 7« mit dem Lied »Beim ersten Mal, da tut’s noch weh« zu einer ihrer besten Leistungen führte.
Die Hildebrand hatte jüdische Freunde, sprach spöttisch über die Herrschenden und bekam zeitweiliges Auftrittsverbot. Nach dem Krieg spielte sie im In- und Ausland Theater, war eine wichtige Dürrenmatt-Interpretin, konnte in Wolfgang Staudtes »Dreigroschenoper« 1963 neben Curd Jürgens und Gert Froebe auch noch einen internationalen Filmerfolg feiern.
Zum 85. Geburtstag gab Carl Heinz Choynski an Otto Waalkes Seite in der Science-Fiction-Komödie »Catweazle« den skurrilen Herrn Koslowski. Gibt es zum 90. am Sonntag etwas ähnliches? Der beliebte Nebenrollenstar ist nach wie vor aktiv. In seinem launigen Buch »Det is nich allet Kunst!« (2011) erzählt er von seiner mehr oder minder zufälligen Geburt in Brooklyn, seinem ersten Berufsleben bei der Deutschen Reichsbahn, dem Schauspielstudium in Berlin und schließlich der mehr als ein Vierteljahrhundert dauernden Mitgliedschaft im Berliner Ensemble. Der Defa-Regisseur Siegfried Kühn sah in Choynski einen neuen Rühmann und gab ihm 1977 in der Satire »Unterwegs nach Atlantis« die Hauptrolle eines wilhelminischen Archäologen. Später folgten andere große Rollen, sowohl mit Dreharbeiten in Vietnam (»Dschungelzeit«, 1988) als auch in der Brandenburger Provinz. Jörg Foths Film »Biologie!« (1989/90) mit Choynski als Lehrer war ein deutliches Plädoyer für mehr ökologisches Bewusstsein in der DDR.
Zu den großen Themen, denen sich die 2023 verstorbene Defa-Dokumentaristin Gitta Nickel widmete, die am kommenden Donnerstag 90 geworden wäre, gehörte auch der Umgang mit der Umwelt, etwa 1987 in »Wie ein Fisch im Wasser« über die Anliegen der Fischer. Immer wieder widmete sie sich den Alltagssorgen der »kleinen Leute« und zeichnete damit ein realistisches Bild des Lebens in der DDR.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 3,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
