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Kant, Dylan

Foto: mptv/IMAGO
Ein ganz junger Bob Dylan

Der Krieg ließ die Gärtnerfamilie Kant 1940 von Hamburg nach Parchim in Mecklenburg ziehen. Der ältere Bruder Hermann ging hier in die Lehre, Uwe wurde eingeschult und empfindet die Gegend bis heute als seine Heimat. Hier, in Pinnow, erscheinen bis heute seine Bücher in der Edition digital. Uwe Kant studierte in Rostock und Berlin, ehe er in Lübbenau Lehrer wurde und schon in der Studentenzeitschrift Forum erste Texte veröffentlichte. Ab 1969 erschienen seine erfolgreichen Jugendromane »Der Klassenfest« (1971 verfilmt von Rainer Simon als »Männer ohne Bart«), »Die liebe lange Woche« und »Der kleine Zauberer und die große 5« (1977 von Erwin Stranka verfilmt). Sowohl dem Thema Heranwachsende als auch dem Film blieb Uwe Kant treu, als ihn Regisseur Winfried Junge 1974 bat, Texte für seinen Dokumentarfilm »Keine Pause für Löffler« über einen Lehrer zu schreiben. Auch an Junges Reihe der »Kinder von Golzow« arbeitete Kant mit. Über die Arbeit an »Anmut sparet nicht noch Mühe« sagte er 1980 der Jungen Welt: »Manches wünschte man sich besser gesagt zu haben, von Reue jedoch keine Spur, denn notwendig im Dienste des Zuschauers waren Gedanken und Erläuterungen schon.« In seinem 1999 erschienenen Roman »Mit Dank zurück« schilderte er seine Gefühle bei der Filmarbeit. Am 18. Mai ist er 90 Jahre alt geworden.

Die spitzzüngige Filmkritikerin und Satirikerin Renate Holland-Moritz berichtete, dass sie 1964 dabei sein durfte, als die Protestsängerin Joan Baez in der Berliner Distel auftrat. Im Presseklub traf sie mit ihr zusammen und bemerkte als ihren Begleiter einen dünnen rothaarigen Mann, »der augenscheinlich irischer Abstammung war«. Sie konnte ihre Neugierde nicht bremsen, fragte nach seinem Beruf und erhielt von der Baez die Antwort: »Mr. Bob Dylan is a composer.« Der Komponist ist auch vielgefragter Sänger und Nobelpreisträger für Literatur. Am Sonntag wird er 85 Jahre alt.

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Dylan kam als Robert Allen Zimmerman in Minnesota als Sohn einer liberalen jüdischen Familie zur Welt und wurde in Jugendjahren von Freunden »Zimmi« gerufen. Als leidenschaftlicher Radiohörer begeisterte Zimmi sich früh für Musik, spielte Klavier und Gitarre und schrieb Gedichte. Er spielte in kleinen Bands, besuchte das letzte Konzert von Buddy Holly, wurde durch die Lieder des Bürgerrechtlers Woody Guthrie politisiert und nannte sich fortan als Folksänger Bob Dylan.

Über die weiteren Lebensstationen sind viele Bücher geschrieben worden, und es gibt Filme. Zuletzt in »Like a Complete Unknown« (James Mangold, 2024) verkörpert ihn Timothée Chalamet. Aber eines darf nicht vergessen werden. Dylan besuchte die DDR nicht nur als Anhängsel von Joan Baez. Im total überlaufenen Treptower Park trat er vor 70.000 Besuchern im September 1987 bei einem Konzert mit Roger McGuinn und Tom Petty and the Heartbreakers auf. Im Publikum machte sich allerdings Enttäuschung breit, weil Dylan lediglich musizierte, jedoch keine Botschaft für seine Fans im Osten mitgebracht hatte.

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.05.2026, Seite 10, Feuilleton

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