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Brauer, Nestler

DDR
Foto: Capital Pictures/IMAGO
»Denk bloß nicht, ich heule« (1965) – Drehbuch: Jochen Nestler

»Singen macht Laune, das liebe ich so«, beginnt es, dann folgt zweimal »Schubidubidubidu«. Lautmalerische Liedtexte gibt es auch heute noch, aber Texter Dieter Schneider und Komponist Arndt Bause kannten das richtige Rezept: 1967 hatte Helga Brauer damit einen ihrer größten Erfolge. Die Leipziger Zahntechnikerin war 18, als sie im Urlaub auf Rügen an einem Gesangswettbewerb teilnahm und gleich Platz eins belegte. Orchesterleiter Helmut Opel verpflichtete sie sofort, brachte sie 1956 beim Leipziger Rundfunk unter. Schnell wurde sie eine der beliebtesten Schlagersängerinnen der DDR. Sie galt ab 1958 als die Frau »von heute« mit Titeln wie »Heute spielt der Konstantin Klavier« und »Heute tanzen alle jungen Leute«, der den neuen Modetanz »Lipsi« bekannt machte. Auf Tourneen wurde Helga Brauer nicht nur in den meisten sozialistischen Ländern gefeiert, auch in der Schweiz, Österreich, Finnland, Schweden und Ägypten. Seit den siebziger Jahren trat sie in allen großen Unterhaltungsshows des DDR-Fernsehens auf und war bis zu ihrem Tode mit dem Orchesterleiter Walter Eichenberg verheiratet. Kurz nach ihrem 55. Geburtstag erlag sie 1991 ihrer Krebserkrankung. Am Sonnabend wäre sie 90 geworden.

Am Sonntag jährt sich der Geburtstag von Jochen (eigentlich Joachim) Nestler zum 90. Mal. Auch er ein Sachse, aber aus einem Chemnitzer Vorort. Mit 20 begann er ein Filmstudium in Babelsberg, lernte hier in der Klasse des schreibenden Ehepaars Wera und Claus Küchenmeister den Oberlausitzer Manfred Freitag kennen und bildete mit ihm ein Autorenduo. Als erstes schrieben die beiden 1962 das Szenario für den Defa-Kinderfilm »Daniel und der Weltmeister« mit Täve Schur nach einer Vorlage der Küchenmeisters. Schon ihr zweiter Film »Denk bloß nicht, ich heule« (1965) über einen Oberschüler (Peter Reusse), der mit provokanten Scherzen gegen Heuchelei kein Verständnis erntet, brachte Nestler und Freitag harte Vorwürfe aus der Kulturpolitik ein. Hier würden Anarchismus und Nihilismus propagiert und ein Generationenkonflikt heraufbeschworen, den es in der DDR nicht gebe. Der Film von Frank Vogel, der mehrfach umgearbeitet werden musste, landete schließlich für ein Vierteljahrhundert im Giftschrank. Die zur gleichen Zeit entstandene Buchadaption »Der verlorene Engel«, die Nestler und Freitag nach einer Vorlage von Franz Fühmann geschrieben hatten, hatte Glück. Sie durfte nach nur fünf Jahren mit Kürzungen aufgeführt werden.

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In der Folge entstanden »Nebenarbeiten« der beiden: ein kurzer Dokumentarfilm und das erfolgreiche Theaterstück »Seemannsliebe«. Rainer Simons Märchenfilm »Sechse kommen durch die Welt« wurde 1972 ein Neuanfang. Es folgten bis 1989 noch ein Dutzend Stoffe, historisch aufklärende für Kinder und Literaturadaptionen nach Goethe, Fallada und Friedrich Wolf. Nachdem Freitag gesundheitliche Probleme bekommen hatte und 1995 gestorben war, hat Jochen Nestler noch fürs Fernsehen geschrieben, darunter auch einen »Polizeiruf 110« mit Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler. Er starb 2002 in Potsdam.

Themen:
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Erschienen in der Ausgabe vom 29.04.2026, Seite 10, Feuilleton

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