Robotaxis übernehmen in Zagreb
Von Slavko Novljan
Während in Zagreb in diesem Jahr der erste kommerzielle Robotaxidienst Europas starten soll, mehren sich anderswo die Sicherheitsvorfälle mit autonomen Fahrzeugen. Und die rasche Expansion der autonomen Taxis könnte die Existenzgrundlage für Taxifahrer weiter gefährden, deren Branche – nicht nur in Kroatien – ohnehin unter Druck steht.
In Kooperation des US-Konzerns Uber, dem chinesischen Unternehmen Pony.ai und dem Kroaten Mate Rimac, der mit »Verne« (benannt nach Jules Verne) ein Robotaxi für Reiche plant, sollen Zagrebs Straßen die erste europäische Teststrecke für fahrerlose Autos sein. Traditionelle Firmen können mit den Dumpingpreisen der Plattformen schon lange nicht mehr mithalten. »Unabhängige«, also vertragslose Plattformfahrer (bspw. für Uber) waren die Vorhut. Sie arbeiten häufig über sogenannte Aggregatoren, die ihnen Verträge mit geringer Basisstundenzahl anbieten, während sie faktisch bis zu zehn Stunden täglich hinterm Steuer sitzen und hohe Provisionen abgeben müssen. So wurde aus einem ehemals stabilen Job im Tourismussektor häufig ein befristeter Kompromiss ohne soziale Absicherung. Und nun stehen selbst die Fahrer zur Disposition.
Im Juni 2024 hatte Rimac Automobili, an dem Porsche 20 Prozent der Anteile hält, seine Pläne für einen eigenen Robotaxidienst vorgestellt. Der neue Service und sein Ökosystem sollen auf drei Schlüsselelementen basieren. Darunter ist auch das selbstfahrende Fahrzeug, das von Verne selbst hergestellt und rein elektrisch angetrieben werden soll. Das neu entwickelte Elektroauto ist als Zweisitzer konzipiert, soll komplett autonom unterwegs sein und schon von Anfang an ohne Sicherheitsfahrer auskommen. Wie beim »Cybercab«, dem ersten solchen Serienfahrzeug von Tesla, sind daher weder Lenkrad noch Pedale vorgesehen.
In Kroatien gilt Mate Rimac als Günstling der Regierung, der bei der Vergabe von Fördergeldern und politischer Unterstützung regelmäßig Vorteile in Anspruch nimmt. Er steht in der Öffentlichkeit vor allem wegen des Umgangs mit staatlichen und EU-Fördermitteln in der Kritik: Sein Unternehmen erhielt 179,5 Millionen Euro für die Entwicklung autonomer Taxis (davon 89,7 Mio. Euro aus dem EU-Wiederaufbaufonds). Die Frist dafür endet am 31. März, doch Rimac hat eine Verlängerung bis August 2026 beantragt, über die noch nicht entschieden ist. In diesem Projekt war das israelische Unternehmen Mobileye der zentrale Technologiepartner, den Rimac 2024 öffentlich als Kern des Systems vorgestellt hatte. In der neuen Mitteilung wird Mobileye nicht mehr erwähnt, statt dessen das chinesische Pony.ai.
Verne-CEO Marko Pejković betont, dass diese Kooperation nichts mit der EU-Förderung zu tun habe, private Investoren hätten bereits Geld eingebracht. Ursprünglich hatte der Dienst bereits 2024 in Zagreb starten sollen. Nach mehrfachen Verzögerungen galt dieses Ziel als gescheitert, was zu deutlicher Kritik führte, doch nun scheinen Nägel mit Köpfen gemacht zu werden.
Die in der Branche tätigen Unternehmen rühmen sich wegen ihrer Konkurrenzfähigkeit und der Zukunftstechnologie. Aber wie sieht diese Zukunft aus? Laut einem Bericht von CBS News waren Teslas Robotaxis seit dem Marktstart im Juni 2025 in Austin, Texas, an 14 Unfällen beteiligt, darunter zwei mit leichten Verletzungen. Die Daten wurden vom Hersteller der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA gemeldet, die zuvor bereits wegen die Verkehrssicherheit gefährdenden Fahrverhaltens, z. B. Fahren auf der Gegenfahrbahn und plötzlichem Bremsen, ermittelt hatte. Die fünf jüngsten Vorfälle im Dezember und Januar führten zwar zu Sachschäden, aber nicht zu Verletzungen. Trotz der Vorfälle plant auch Tesla die Ausweitung des Robotaxidienstes: Analysten erwarten einen Start in sieben US-Städten im ersten Halbjahr 2026.
Der Bericht weist zudem darauf hin, dass auch andere Anbieter mit sicherheitsrelevanten Problemen zu kämpfen haben. Erst am Mittwoch war ein Taxi von Waymo (Tochtergesellschaft von Alphabet, dem Mutterkonzern von Google) in Los Angeles in einen Unfall verwickelt, bei dem es mit einer Limousine kollidierte und beide Fahrzeuge erhebliche Frontschäden davontrugen. Im Januar erfasste ein Fahrzeug in Santa Monica ein Kind, nachdem es hinter einem falsch geparkten SUV auf die Straße gelaufen war. Waymo erklärte danach, die Fahrzeugtechnologie habe die Person erkannt und die Geschwindigkeit von etwa 27 Kilometern pro Stunde auf unter zehn reduziert. Zum Zusammenstoß kam es trotzdem.
Während die Stadt Zagreb mit politischem Rückhalt und EU-Steuergeld als europäische Avantgarde im autonomen Fahren gelten will, zeigen die jüngsten Vorfälle in den USA, wie unausgereift der Weg in die vollautomatische Mobilität ist. Verlierer dieser beschleunigten Entwicklung stehen mit den Taxifahrern schon fest: Ihre Existenzgrundlage gerät zwischen Dumpingpreisen und technologischer Disruption zunehmend unter Druck, während die Politik den Hightechunternehmern den roten Teppich ausrollt.
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