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13.05.2026
- → Kapital & Arbeit
Bayer erkauft sich Wohlwollen
Geschäftsbilanz des Pharmakonzerns ist auch eine hinsichtlich Glyphosat. Bei Präsentation der Zahlen fürs erste Quartal 2026 war das nicht anders
Schon seit Jahr und Tag interessieren sich die Finanzmärkte bei den vierteljährlichen Vorstellungen der Bayer-Bilanz weniger für die mal besseren und mal schlechteren Geschäftszahlen als vielmehr für den Stand der Dinge in Sachen »Glyphosat«. Den Gerichten liegen nämlich noch rund 65.000 Entschädigungsklagen vor, die zu milliardenschweren finanziellen Belastungen führen können.
»In den vergangenen vier Monaten ist viel passiert, und auch in den kommenden Wochen stehen wichtige Entscheidungen an«, sagte Bayer-Chef William Anderson zu diesem Komplex. Mit einem Einsatz von 9,2 Millionen Dollar allein für Lobbyarbeit auf Bundesebene griff der Leverkusener Multi 2025 in das Geschehen ein, und von Januar bis März dieses Jahres investierte er bereits zwei Millionen Dollar in die Pflege der politischen Landschaft. Bei Donald Trump, dessen Amtseinführung der Konzern mit einer Million Dollar gesponsert hatte, verfing das bereits. Er erklärte sowohl Glyphosat als auch dessen Vorprodukt Phosphor in einem Dekret vom 18. Februar als systemrelevant, nicht zuletzt wegen deren Kriegstüchtigkeit. »Eine zukünftige Verringerung oder die Einstellung der inländischen Produktion von elementarem Phosphor und glyphosat-basierten Herbiziden würde die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten ernsthaft gefährden«, heißt es in der »Executive Order«.
Zur Akzeptanz des Vergleichs, den der Agroriese den Geschädigten angeboten hat, hielt sich Anderson dagegen bedeckt. Ob es dafür genug Zustimmung gibt, entscheidet sich am 4. Juni. Mit dem Verlauf der ersten Anhörung des Obersten Gerichtshofs der USA zum Fall »Glyphosat« zeigte sich der US-Amerikaner aber zufrieden. »Wir hatten den Eindruck, dass unsere Argumente überzeugend dargelegt wurden«, erklärte er. Die Nachrichtenagentur Reuters vernahm hingegen »Mixed reactions«, und Finanzexperten der »Bank of America« resümierten nach der Anhörung: »weniger klar zu Bayers Gunsten als erwartet«.
Daneben hatte sich das Unternehmen auch legislative Macht erkauft. Ihm war es zunächst gelungenes, in die »Farm bill« einen Passus zu schmuggeln, der den Anwendern von Glyphosat und anderen Pestiziden Strafreiheit gewährt. Wenn die Umweltbehörde die Mittel zugelassen hat, können sie auch keinen Schaden anrichten, so die bestechend einfache Argumentation. Im Senat mochten die Abgeordneten ihr jedoch nicht folgen, sie strichen den Abschnitt wieder. Ein »Rückschlag«, so Anderson. Deshalb gab es für ihn bisher lediglich »Punktsiege in der Politik«.
Mit den Geschäftszahlen zeigte er sich jedoch sehr zufrieden. Der Konzernumsatz stieg um vier Prozent auf 13,4 Milliarden Euro. Besondere Genugtuung bereitet den Managern die Lage in der Agrosparte. Hier hatte Bayer parallel zum konzernübergreifenden Rationalisierungsprogramm noch einmal ein spezielles aufgelegt. Der Global Player schloss Standorte und strich rund 200 Pestizide aus dem Angebot. Nun freut er sich, von einem »kräftigen Ergebnisplus« durch »operative Effizienzsteigerungen« sprechen zu können. Insgesamt vernichtete die Aktiengesellschaft gegenüber dem Vorjahreszeitraum noch einmal 3.128 Arbeitsplätze und kommt jetzt nur noch auf 87.757 Beschäftigte.
Im Pharmabereich fällt die Bilanz hingegen schlechter aus. Bei konstanten Umsatzzahlen ging das Ergebnis zurück. Und im kleinsten Segment – Consumer Health mit Aspirin und anderen nicht rezeptpflichtigen Präparaten – reduzierte sich der Gewinn ebenfalls.
Für Bayer selbst stellen sich durch die in den nächsten Wochen zu erwartenden Entscheidungen in den Verfahren zu Glyphosat wichtige Weichen. Die Zukunft sieht der Konzern vor allem durch den Krieg im Nahen Osten verdunkelt. Er rechnet dadurch nur noch mit einem globalen Wachstum »im niedrigen einstelligen Prozentbereich« und mit einer höheren Inflationsrate vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern. Speziell das Agrargeschäft sieht der Leverkusener Multi durch größere Kosten für Treibstoff, Transport und Energie belastet. Trotzdem nimmt er keine Abstriche bei seiner Prognose vor: »Wir bestätigen unseren Jahresausblick auf Basis konstanter Wechselkurse, werden die geopolitischen Entwicklungen aber weiter im Blick behalten.«
→ Der Autor ist Vorstandsmitglied der Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG)
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