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Trump in China

High Noon im Handelskrieg

Autos, KI, Zölle: US-Präsident Trump reist nach Beijing. Ob Entspannung oder Eskalation in Wirtschaftsfragen kommt, ist offen

Foto: Tingshu Wang/REUTERS
Vorbotin des Trump: Eine »Globemaster« der US Air Force landet in Beijing (11.5.2026)

Diesmal scheint er wirklich zustande zu kommen: der Besuch von US-Präsident Donald Trump in Beijing. Ursprünglich für Ende März geplant, hatte Trump ihn damals wegen des Iran-Kriegs verschieben müssen. Jetzt sorgt der Waffenstillstand dafür, dass ihm nichts mehr im Wege zu stehen scheint. Das chinesische Außenministerium jedenfalls hat die Gespräche, die Trump mit seinem Amtskollegen Xi Jinping am Donnerstag und am Freitag führen will, am Wochenende offiziell bestätigt. In der öffentlichen Wahrnehmung stehen politische Themen im Vordergrund. Trump will die Volksrepublik nötigen, Druck auf Teheran auszuüben, während Xi darauf dringt, dass die USA sich vom taiwanischen Separatismus distanzieren und die Waffenlieferungen auf die Insel zumindest reduzieren. Letzteres könnte ohnehin bevorstehen, da Washington die im Iran-Krieg verfeuerten Raketen und weiteres Kriegsgerät erst mal für die eigenen Streitkräfte nachproduzieren muss.

Langfristig wohl höhere Bedeutung kommt den Wirtschaftsthemen zu, über die Trump und Xi verhandeln werden. Da ist zunächst der Handelskrieg, den die Trump-Administration mit ihren Zollorgien losgetreten hat, der aber im Oktober 2025 mit einer Art Waffenstillstand zumindest auf Eis gelegt werden konnte. Unklar ist, wie es auf seiten der USA weitergeht. Der Supreme Court hatte schon im Februar einen Großteil der Trumpschen Zölle für illegal erklärt. In der vergangenen Woche urteilte ein US-Handelsgericht, auch die Ersatzzölle in Höhe von zehn Prozent, die Trump nach dem Spruch des Supreme Court verhängte, brächen US-Recht. Man darf vermuten, dass der Ballsaalkönig einen nächsten Versuch starten wird. Ob das zu einer neuen Eskalation des Handelskriegs mit China führt, ist ungewiss. Beijing gibt sich entschlossen, sich zur Wehr zu setzen. Es hat mit den Exportkontrollen auf seltene Erden Daumenschrauben in der Hand, die noch ein Weilchen wirksam sein werden, bis Washington über eine eigene Technologie zur Aufbereitung und zur Weiterverarbeitung der Rohstoffe verfügt. Die USA hätten gern dauerhafte Liefergarantien; die wird es aber ohne Gegenleistungen kaum geben.

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Eine Rolle bei der Stabilisierung des Waffenstillstands im Handelskrieg könnten ein Handels- und ein Investitionsrat (Board of Trade, Board of Investment) spielen, über deren Einrichtung beide Seiten in Beijing sprechen wollen. Hintergrund ist, dass Beobachter erwarten, China werde einmal mehr den Kauf von Boeing-Flugzeugen sowie vor allem von US-Soja zusagen, um das US-Handelsdefizit ein wenig auszugleichen. Die US-Seite verbindet mit dem Board of Trade die Hoffnung, die Einhaltung chinesischer Zusagen kontrollieren und im Falle ausbleibender chinesischer Käufe – der Fall trat in der Vergangenheit recht häufig ein – sofort nachhaken zu können. Ob das hilft, ist ungewiss. Klar ist aber: Mit dem Board of Trade gehen beide Seiten zu direkter politischer Kontrolle ihrer Handelsströme über. Sie stellen sich »dezidiert auf weniger Handel und politisch ausgehandelte Warenflüsse ein«, konstatierte Mikko Huotari vom Mercator Institute for China Studies (Merics) aus Berlin am Montag in der FAZ. Das ist nicht ein Zeichen der Entspannung, sondern das eines weiter eskalierenden Konflikts.

Zentralen Stellenwert misst ­Washington zudem Verhandlungen über künstliche Intelligenz (KI) bei. Die USA werfen China vor, erfolgreiche KI-Modelle von US-Unternehmen einfach nachzuahmen. Es gibt Spekulationen, der neue restriktive Umgang der Trump-Regierung mit besonders sensibler KI habe auch damit zu tun. Beijing wiederum dürfte erneut auf eine Aufhebung oder wenigstens die Einschränkung des US-Exportverbots für KI-Halbleiter nach China dringen. Demgegenüber nachrangig erscheint, dass Kfz-Konzerne aus den USA mit aller Macht verlangen, die Handelsschranken gegenüber chinesischen Autos nicht zu senken. Der simple Hintergrund: Das billigste Tesla-Modell kostet in den USA mehr als 38.600 US-Dollar. Für ein Elektroauto von Geely etwa muss man in Mexiko zwar doppelt so viel zahlen wie in China, doch sein Preis liegt mit 22.700 US-Dollar immer noch weit unter dem von Tesla. Die bedrohte US-Branche verlangt nun eine Datenschutzregelung, die chinesische Autos faktisch ganz vom US-Markt ausschließt. Sie seien »rollende Datenerfassungsgeräte«, heißt es. Und das leuchtet, ob es nun wahr ist oder nicht, nach langen Jahren wildester antichinesischer Hetze wohl so gut wie jedem US-Amerikaner ein.

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Erschienen in der Ausgabe vom 12.05.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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