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Gedenkveranstaltung für Naziopfer

Kein gemeinsames Erinnern

Trotz Absagen und verschlossenen Türen: Hochrangige Vertreter bei Gedenkveranstaltung für die Ermordeten von Maly Trostenez in Wien

Foto: ITAR-TASS/IMAGO
Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz und der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko (Minsk, 28.3.2019)

Anlässlich des 85. Jahrestags der Errichtung des faschistischen Vernichtungslagers Maly Trostenez bei Minsk wollten die diplomatischen Vertretungen der Republik Belarus und der Russischen Föderation in Österreich eine würdige Gedenkveranstaltung organisieren. Doch österreichische Historiker und Institutionen wollten – wieder einmal – nicht mit belarussischen und russischen Kollegen an die faschistischen Verbrechen in Osteuropa erinnern.

Maly Trostenez war eine der größten Vernichtungsstätten des Deutschen Reichs. 1942 wurden dort 60.000 Menschen unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet. Unter den Opfern waren knapp 10.000 jüdische Österreicher. Damit war es nach Auschwitz der Ort, an dem die meisten Österreicher ermordet wurden.

2018 besuchte Bundespräsident Alexander van der Bellen die Gedenkstätte. Ein Jahr später weihte der damalige Bundeskanzler Sebastian Kurz gemeinsam mit dem belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko das Mahnmal »Massiv der Namen« im ehemaligen Vernichtungslager zum Gedenken an die deportierten Österreicher ein.

»Maly Trostenez ist der Name eines Ortes, den wir nicht vergessen dürfen«, sagte Kurz damals. Er erinnerte daran, dass hier Menschen »in namenlosen Massengräbern bestattet wurden, um selbst die Erinnerung an sie auszulöschen«. Das Denkmal solle dazu dienen, zumindest die Erinnerung an die Getöteten lebendig zu halten. Das Projekt ziele darauf, die Erinnerung an die schrecklichen Verbrechen des faschistischen Deutschlands zu bewahren sowie den Austausch und die Verbreitung von Wissen über dieses tragische Kapitel der Vergangenheit zu fördern.

Sieben Jahre später ist davon in Österreich kaum noch etwas zu vernehmen. In der Vorbereitung des Gedenkens stießen die Organisatoren der belarussischen Botschaft und der Österreichisch-Weißrussischen Gesellschaft weitgehend auf verschlossene Türen und Absagen. So wurde jW berichtet, dass Räumlichkeiten und Vortragende etwa beim Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands, beim Simon-Wiesenthal-Institut und bei der Diplomatischen Akademie angefragt wurden. Überall sei die Antwort ablehnend gewesen.

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»Geopolitik und eine prowestliche Haltung in den militärischen Auseinandersetzungen unserer Zeit überschatten das gemeinsame Gedenken an den Holocaust«, sagte ein Redner, der anonym bleiben will, zu jW. Er sprach bei der Gedenkveranstaltung, die am vergangenen Dienstag aufgrund fehlender Alternativen im Sitzungssaal der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in der Wiener Hofburg abgehalten wurde.

Trotz dieser Schwierigkeiten war die Veranstaltung ein Erfolg und eine würdige Erinnerung. Der Saal war bis auf den letzten Platz mit Diplomaten aus überwiegend nichtwestlichen Ländern, Interessierten und Studenten gefüllt. Auch der Sohn eines aus Österreich in die Sowjetunion geflohenen Schutzbundkämpfers war aus Moskau angereist.

Die Veranstaltung bot die Gelegenheit, die Geschichte von Maly Trostenez als einen Ort zu betrachten, an dem unterschiedliche nationale Narrative aufeinandertreffen. Dies ermöglichte einen Dialog, der über fragmentierte Deutungen der Vergangenheit hinausgeht und auf historischen Fakten, gegenseitigem Respekt sowie dem gemeinsamen Anliegen beruht, das Gedenken an die Opfer des Faschismus zu bewahren.

Trotz vieler Absagen aus Österreich traten hochrangige Redner auf: Nach Grußworten der beiden stellvertretenden Außenminister von Belarus und Russland, Igor Sekreta und Dmitri Ljubinski, sprachen unter anderem der Direktor der belarussischen Nationalbibliothek, Wadim Gigin, der Vorsitzende der Russischen Historischen Gesellschaft, Ruslan Gagkujew, sowie der Geschichtsprofessor Kusma Kosak.

Aus Österreich sprachen Harald Grünn für den KZ-Verband Oberösterreich und der Historiker Thomas Lösch. Er erinnerte an die Geschichte zweier jüdischer Familien aus seiner Heimatstadt Sankt Pölten, die in Maly Trostenez ermordet wurden.

Der Schweizer General im Ruhestand Ralph Bossard spannte den Bogen zum Heute: »Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Erinnerungskultur an das Vernichtungslager Maly Trostenez von Verdrängung, politischer Instrumentalisierung sowie einer asymmetrischen Wahrnehmung zwischen Ost und West geprägt.« Obwohl es sich um die größte faschistische Vernichtungsstätte im besetzten Sowjetgebiet handelte, blieb der Ort im kollektiven Gedächtnis Westeuropas lange Zeit ein blinder Fleck, betonte er.

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.10.2026, Seite 15, Antifaschismus

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