Naziultras ziehen durch Split
Vor Anpfiff des Fußballspiels zwischen Hajduk Split und Ajax Amsterdam am Donnerstag zogen mehrere hundert Hajduk-Anhänger durch die Straßen. Mitglieder der Hadjuk-Fangruppe namens »Torcida Split« skandierten dabei unter anderem »Adolf Hitler«, »Zertrample die Juden« und den Namen des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Ajax gilt traditionell als ein Verein mit jüdischer Identität. Die »Torcida« ist in der Vergangenheit bereits durch derlei Aktionen aufgefallen. Auch in der Nacht zum Freitag eskalierte die Gewalt: Auf der Promenade lieferten sich rund 500 vermummte Anhänger beider Lager eine Massenschlägerei. Die Polizei schritt mit einem eigenen Großaufgebot ein und nahm mehr als 50 Personen vorübergehend fest. Während des Derbys auf dem Rasen kam es zu Unterbrechungen, als Hajduk-Anhänger Feuerwerkskörper auf das Spielfeld warfen.
Der Bürgermeister von Split, Tomislav Šuta von der christdemokratischen Hrvatska demokratska zajednica (HDZ), entschuldigte sich öffentlich. Ivana Kekin, eine Parlamentsabgeordnete der grünen »Možemo!«, machte die Regierung mitverantwortlich. Die Rufe nach Hitler und Auschwitz seien »keine isolierten Vorfälle, sondern die Folge einer jahrelangen Normalisierung von Hassrede und Gewalt in der Gesellschaft, die die HDZ-Regierung toleriert und ermutigt«. Noch deutlicher wurde die ehemalige HDZ-Premierministerin Jadranka Kosor auf der Plattform X. Sie warf der HDZ vor, durch die Koalition mit der rechten »Heimatbewegung« und die Verharmlosung des faschistischen Grußes selbst den Boden für die Hitler-Verherrlichung bereitet zu haben. Der Fußballverband Kroatiens erklärte, das Verhalten der Fans stünde »im völligen Gegensatz zu den Grundwerten des Sports«.
Hajduk Split war 1911 gegründet worden. Der Verein hatte sich 1941 geweigert, unter der italienischen Besatzung am faschistischen Spielbetrieb teilzunehmen. Die Spieler lösten den Verein auf und schlossen sich dem Widerstand an. 1944 wurde Hajduk auf der Insel Vis als offizielle Mannschaft der jugoslawischen Volksbefreiungsarmee (NOVJ) wiedergegründet und bestritt bis Kriegsende 65 Spiele in sieben Ländern als eine Art Nationalmannschaft des neuen Jugoslawiens. Marschall Tito zeichnete das Team 1945 mit dem Orden für Verdienste um das Volk aus.
Die UEFA prüft jetzt ein Disziplinarverfahren, zeichnete den Verein aber am Tag nach dem Vorfall für die sportliche Leistung aus und stufte den 2:1-Sieg gegen Ajax als »beste Mannschaftsleistung der Woche« in der Conference League ein. Wegen der Gesänge und der zwölfminütigen Spielunterbrechung durch Pyrotechnik drohen aber empfindliche Strafen. Der Fall des polnischen Klubs Legia Warschau, der 2023 nach Ausschreitungen vor dem Stadion mit 100.000 Euro und einer fünfjährigen Sperre für Auswärtsfans belegt wurde, gilt dabei als warnendes Beispiel.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
