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Östliches Wirtschaftsforum

Russlands Blick nach Asien

Auf dem Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok verkündet Präsident Putin Milliardensummen und Rekordzahlen

Von Stefano di Lorenzo
Foto: Vyacheslav Prokofyev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Der russische Präsident Wladimir Putin in einem Gespräch auf dem Östlichen Wirtschaftsforum (Wladiwostok, 3.9.2026)

Seit Dienstag und noch bis Freitag findet in der russischen Stadt Wladiwostok die elfte Ausgabe des Östlichen Wirtschaftsforums (EEF) statt. Stand es früher im Schatten des älteren Wirtschaftsforums von Sankt Petersburg, so unterstreicht das Wachstum des EEF im Laufe der Jahre Russlands zunehmende Hinwendung zu Asien. Während bis 2022 ein Großteil des Handels mit anderen europäischen Staaten abgewickelt wurde, haben sich Russland und EU-Europa inzwischen faktisch voneinander abgekoppelt. Das Handelsvolumen zwischen Russland und der Europäischen Union sank von 413 Milliarden US-Dollar (etwa 356 Milliarden Euro) im Jahr 2013 auf rund 60 Milliarden US-Dollar (etwa 52 Milliarden Euro) im Jahr 2025, berichtet die russische Wirtschaftsnachrichtenagentur Praim. Russlands wichtigste Handelspartner seien nun in Asien zu finden, allen voran China und Indien. Das Handelsvolumen mit China erreichte nach Angaben von Präsident Wladimir Putin ein Niveau von etwa 240 Milliarden US-Dollar (etwa 206 Milliarden Euro) und gleicht damit einen Großteil der Handelsverluste mit der EU aus. Vertreter aus 80 Ländern nahmen am Östlichen Wirtschaftsforum teil, wobei laut russischen Medien die größten Delegationen aus China, Indien, der Mongolei, Japan und Südkorea kamen. Zu den prominentesten Gästen zählten der chinesische Vizepremierminister Ding Xuexiang, der indonesische Präsident Prabowo Subianto und der junge mongolische Premierminister Njam-Osoryn Utschral. Das Hauptziel des Östlichen Wirtschaftsforums sind aber nicht die Prominenzen, sondern die Geschäfte. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur TASS werden seit 2018 auf dem Forum jährlich Verträge im Wert von durchschnittlich etwa 35 Milliarden US-Dollar (etwa 30 Milliarden Euro) unterzeichnet. Mit 358 Verträgen und einem Gesamtwert von gut sechs Billionen Rubel (etwa 60 Milliarden Euro) wurde im Jahr 2025 ein neuer Rekord aufgestellt.

Der russische Präsident Wladimir Putin traf am Mittwoch in Wladiwostok ein, unmittelbar nach seinem Besuch in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek, wo zuletzt der Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit stattfand. Putin erklärte in seiner Rede auf dem EEF, dass die Regionen des russischen Fernen Ostens in den vergangenen elf Jahren Investitionen in Höhe von rund 25 Billionen Rubel (etwa 248 Milliarden Euro) angezogen hätten. Infolgedessen habe sich das regionale Bruttoinlandsprodukt im Fernen Osten im selben Zeitraum mehr als verdreifacht. Die Entwicklung des russischen Fernen Ostens ist seit langem eine Priorität für Russland. In seiner historischen Identitätssuche bewegte sich Russland lange zwischen zwei Polen: dem Drang, den anderen europäischen Mächten nachzueifern, und der slawophilen Vision eines eigenständigen eurasischen Zivilisationskerns. Der russische Ferne Osten, vom Baikalsee bis zur Pazifikküste, ist fast so groß wie Europa ohne den europäischen Teil Russlands, hat aber nur acht Millionen Einwohner, was 5,6 Prozent der gesamten russischen Bevölkerung entspricht. Jahrzehntelang, insbesondere nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, fühlten sich die Bewohner des Fernen Ostens ihrem Schicksal überlassen und hatten das Gefühl, dass die »Moskauer« keine Zeit für sie und ihre Probleme hätten. Viele betrachteten die »Moskauer« als Ausbeuter. Der Ferne Osten war eine der Regionen Russlands mit dem stärksten Bevölkerungsrückgang. Heute ist der russische Ferne Osten einer der größten Empfänger von Transferzahlungen. Russen, die in den Fernen Osten umziehen wollen, erhalten Anreize, etwa finanzielle Unterstützung.

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Mittlerweile zieht es chinesische Touristen in Scharen nach Wladiwostok; der Tourismus zwischen Russland und China wuchs seit Ende 2025 um 43 Prozent. Seit dem vergangenen Jahr benötigen Russen und Chinesen, die das andere Land als Touristen besuchen möchten, keine Visagenehmigung mehr. Bei einem Treffen mit dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping in Kirgistan schlug Putin vor, die Visumbefreiung dauerhaft zu machen.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion glaubten viele Russen, dass eine Übernahme des Fernen Ostens und vielleicht sogar Sibiriens durch China nur eine Frage der Zeit sei. Auch einige westliche Thinktanks schürten revanchistische Tendenzen und verbreiteten die These, China wolle alte Territorialstreitigkeiten mit Russland wieder aufgreifen. Heute scheinen diese Ängste der Vergangenheit anzugehören: Die Beziehungen zwischen Russland und China sind besser als je zuvor.

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.09.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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