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Zinsanstieg ohne Notenbank

Foto: jW

Der sonst so kommentarstarke Donald Trump hat die Entscheidung der US-Notenbank vom Mittwoch abend, ihre Zinsen unverändert zwischen 3,5 und 3,75 Prozent zu lassen, nicht kommentiert. Kein Wort des Tadels oder Lobes für Kevin Warsh, den von Trump ins Amt gehievten Präsidenten der Fed. Es war erst Warshs zweite Sitzung, nachdem er im Mai das Amt von seinem Vorgänger Jerome Powell übernommen hatte. Nur zur Erinnerung: Trump hatte Powell nach praktisch jeder Sitzung des Zinsentscheidungsgremiums beschimpft, weil er es versäumt hatte, den Leitzins der Fed kräftig zu senken.

Die Zeiten haben sich offenbar geändert. Eine Zinssenkung stand seit Trumps Angriffskrieg auf den Iran nicht mehr zur Debatte. Im zwölfköpfigen Entscheidungsgremium der Fed stimmten am Mittwoch drei Mitglieder sogar für eine Zinserhöhung, während neun für stabil bleibende Notenbankzinsen votierten. Unveränderte Leitzinsen regen meist niemanden auf und sind deshalb keines Kommentars wert. Zumal in diesem Fall alle 104 von der Nachrichtenagentur Reuters regelmäßig befragten Analysten vorher auf unveränderte Zinsen getippt hatten.

Aber diesmal war es ein bisschen anders: Am Bondmarkt sprangen die Renditen der langfristigen Staatsanleihen nach oben. Im Fall der 30jährigen wurde mit Schrecken ein neues Renditehoch seit 2007 festgestellt. Die Schlagzeilen bestimmte, dass auch der US-Aktienmarkt Abschläge verzeichnete. Der breitgestreute Index S&P 500 gab noch am Mittwoch um 1,5 Prozent und der mit Techwerten gespickte Nasdaq um 1,7 Prozent nach.

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In den Marktkommentaren der Banken und Broker wurde die Aufregung eindeutig dem neuen Notenbankpräsidenten Warsh angelastet. Beklagt wurden seine entspannten Kommentare zur Fed-Entscheidung. Man beschwerte sich darüber, dass die Nichterhöhung der Zinsen nicht begründet worden sei. Warsh hatte in der Pressekonferenz trocken festgestellt, dass die Zinsen in den USA ohnehin auf breiter Front kräftig gestiegen seien. Er habe damit den Eindruck vermittelt, wurde ihm vorgeworfen, er wolle dem Markt den Job überlassen, die Inflation zu bändigen.

Während der Aktienmarkt der USA die Verluste am Folgetag Donnerstag locker wieder wettmachte, blieben die Renditen am Bondmarkt erhöht. Mehr noch, die Renditen der europäischen Staatsanleihen stiegen im Gefolge des US-Marktes mit. Sieht man sich die Entwicklung der letzten Monate an, so ist eindeutig erkennbar, dass der Anstieg der Staatsanleiherenditen am 2. März nach dem Wochenende einsetzt, als die USA den Krieg gegen Iran vom Zaun gebrochen haben. Mit der erwarteten wieder anziehenden Inflation stiegen auf breiter Front und in allen Ländern die Zinsen. Die USA sind dabei keine Ausnahme.

Man muss dem neuen Notenbankchef Warsh also recht geben, wenn er feststellt, dass die Bondmärkte keine Steuerung durch die Notenbank brauchen. Vielmehr folgt die Notenbank, auch die besonders bedeutende der USA, der Markttendenz. Die wiederum folgt mit einigen Schwankungen der Inflationsrate und deren Taktgeber, dem Ölpreis. Und für dessen Auf und Ab ist in erster Linie der Kriegsherr der größten Militärmacht des Globus zuständig, nicht aber der arme Präsident der Notenbank.

→ Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er lebt in Aachen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 01.08.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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