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Selenskij pustet sich auf

Drohungen gegen Russland

Foto: Michael Kappeler/dpa
Neues Spielzeug: Drohnen aus deutsch-ukrainischer Produktion kommen an der Front zum Einsatz (Berlin, 14.4.2026)

Erinnern wir uns kurz: Im Sommer 2014, der Bürgerkrieg im Donbass war in vollem Gange, war eine malaysische Verkehrsmaschine auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur zur falschen Zeit am falschen Ort. Eine Flugabwehrrakete der Aufständischen traf das Flugzeug mit 298 Menschen an Bord. Abgehörte Funksprüche, die die Ukraine veröffentlichte, zeigten zweierlei: erstens, dass tatsächlich die Rebellen die Maschine abgeschossen hatten, und zweitens, dass sie das selbst als tragischen Fehler einstuften. Wie hatte er geschehen können? Die Ukraine hatte es unterlassen, die internationale Luftfahrt davor zu warnen, den Luftraum über dem Kampfgebiet für Überflüge zu nutzen – und dies, obwohl schon vorher ukrainische Militärmaschinen dort abgeschossen worden waren. Zwei mögliche Gründe gibt es für das ukrainische Verhalten: den Hunger nach Überfluggebühren oder den Wunsch, auf Kosten einer Katastrophe den Konflikt im Donbass zu internationalisieren.

Heute will die Ukraine nicht mehr im Stillen kassieren, sondern Macht demonstrieren. Wolodimir Selenskij impliziert mit seiner Warnung vor Zwischenfällen im russischen Luftraum, dass die ukrainischen Drohnenstreitkräfte diesen beherrschten und er deshalb für nichts garantieren könne. Das erste ist eine ehrgeizige Behauptung, das letztere stimmt auf jeden Fall nicht. Er könnte, wenn er wollte. Anders als ballistische Raketen sind Drohnen steuerbar; es sitzen Menschen am Joystick, die die Drohne jederzeit umleiten können, wenn sie wollen oder dazu angewiesen sind. Mit dem Verweis auf Pech oder Zufall kann sich Selenskij im Falle eines tatsächlichen Zwischenfalls über Russland also nicht herausreden.

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Was also bezweckt der ukrainische Präsident mit seiner »Warnung« tatsächlich? Will er Russland der Einnahmen aus den Überfluggebühren internationaler Fluggesellschaften berauben? Vielleicht auch, aber wohl nicht in erster Linie. Europäische und US-Fluglinien meiden den russischen Luftraum im Zuge der Sanktionen schon seit langem, und sie ärgern sich über Wettbewerbsnachteile gegenüber Airlines aus Drittstaaten, die auf dem Weg nach Asien den kürzeren Weg über Russland nehmen und damit Zeit und Kosten sparen. Will er die Russen im eigenen Land einsperren? Sie kommen wegen der westlichen Visasperren ja sowieso nur noch schwierig heraus.

Dass russische Fluggesellschaften ihre Maschinen am Boden halten, dürfte politisch ausgeschlossen sein. Und wenn, dann verlängern sich eben die Reisen durch wegfallende Inlandsflüge. Noch funktioniert die russische Eisenbahn, und viele Besprechungen lassen sich auch in Russland online durchführen. Verbindungen nach Kamtschatka oder in den hohen Norden sind Sonderfälle und verlaufen im übrigen von der Ukraine weit genug entfernt, um solche Drohungen leer aussehen zu lassen. Der berühmte »Spinnweb«-Anschlag auf einen russischen Militärflughafen bei Irkutsk 2025 wurde durch eingeschmuggelte Drohnen auf Sichtweite verübt. Selenskij bläst die Backen auf; irgendwann wird er die Luft auch wieder ablassen müssen. Hoffentlich passiert nicht mehr.

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.09.2026, Seite 3, Ansichten

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→ Leserbriefe
  • S. Pauligk aus Berlin 7. Sept. 2026 um 11:42 Uhr
    Heute habe ich bei einer kurzen Busfahrt das Gespräch zweier Fahrgäste zwangsläufig verfolgen können, was mich nachdenklich gestimmt hat. Es ging um den "Drohnenvorfall" auf dem Leipziger Flughafen. Der eine Fahrgast: "Ich glaube nicht, dass Russland damit etwas zu tun hat". Der andere: "Warum nicht?" Und nun hin und her: "Welches Interesse sollte Russland an so einer laienhaften Aktion haben?" "Na, um den Deutschen Angst zu machen." "Das machen die deutschen Experten schon selbst." "Und wer könnte deiner Meinung nach dahinter stecken?" "Die Ukraine selbst. Sie wollte natürlich ihre eigenen Flugzeuge nicht beschädigen. Aber sie wollte Druck auf Deutschland und die EU ausüben. Selenskij fordert ja immer wieder mehr Waffen, mehr Unterstützung, mehr Sanktionen gegen Russland. Und wie man sieht, hat er damit Erfolg." "Hm. Muss ich drüber nachdenken." – Dann stiegen sie aus. Eine gewisse Logik ist dem Gespräch nicht ganz abzusprechen, oder?
  • Frank B. aus G 4. Sept. 2026 um 17:25 Uhr
    Hört, Hört, mitten in den Schuldzuweisungen nach dem Abschuss war in dieser Zeitung, welche stets die Ukraine verantwortlich gemacht hat, unter anderem ein Artikel, in welchem ein ukrainischer Pilot traumatisiert berichtete, versehentlich ein Passagierflugzeug abgeschossen zu haben. Auch waren lt. Medium alle Beweise von westlicher und ukrainischer Seite gefälscht. Eine Revision seitens Junge Welt erfolgte nie. Und jetzt nebenbei, okay, die Ukrainer waren's zwar nicht, aber indirekt tragen sie eben doch die Schuld.
  • Frank Lukaszewski aus Oberhausen 4. Sept. 2026 um 10:18 Uhr
    Ich wollte ja mal nix sagen. Einigen ist bekannt, es fällt mir schwer. Selenskij kann sich den ganzen Unsinn, den Krieg, sein Privatvermögen weshalb leisten? Richtig geraten!
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