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Kriegsvorbereitung

Rufe nach Eskalation

Merz will »in Kürze« den Schuldigen hinter den Leipziger Drohnen präsentieren. Für die Grünen steht längst fest: Das war eine »militärische Aktion« Russlands

Foto: Hendrik Schmidt/dpa
In Leipzig stationierte Antonow-Frachtmaschinen bringen regelmäßig Nachschub an die ukrainische Grenze (6.8.2026)

Die Bundesregierung macht es spannend. Seit Tagen lässt sie nun verlauten, »in Kürze« den Schuldigen hinter dem vermeintlichen »Anschlagsversuch« am Flughafen Halle/Leipzig zu präsentieren. Am 4. August und in den Folgetagen waren dort laut Behördenversion eine oder mehrere Drohnen – unbekannter Herkunft und angeblich mit Sprengstoff bestückt – in der Nähe von ukrainischen Transportflugzeugen gefunden worden. Seitdem bemühen sich drittrangige Politiker, NATO-»Sicherheitsexperten« und staatshörige Presseleute, Moskau für diese Drohnen verantwortlich zu machen – ganz ohne einen Beweis oder wenigstens ein Indiz für solche schweren Anschuldigungen vorweisen zu können. Nur Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hielt sich bisher zurück, erklärte am Sonntag lediglich, die Ermittlungen seien bald abgeschlossen, dann werde man an die Öffentlichkeit gehen. Es bestehe innerhalb der Regierung »eine weitgehende Einigung« darüber, »wie wir reagieren«. Offenbar wartet man im Kanzleramt noch auf den richtigen Zeitpunkt für die groß inszenierte Anklage, die wohl erst unmittelbar vor der am Wochenende anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erhoben werden soll. Regierungssprecher Stefan Kornelius erklärte am Montag, die Benennung der Verdächtigen und die Verkündung eventueller Maßnahmen werde »in aller Ruhe und in aller Überlegtheit geschehen«.

Für Siemtje Möller, stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, scheint längst klar, wen die Bundesregierung im Zusammenhang mit den Leipziger Drohnen beschuldigen wird. Es deute »alles darauf hin, dass es in Richtung Russland geht«, sagte sie am Montag im Deutschlandfunk. Möller gehe davon aus, dass die Regierung »ein ganzes Bündel an verschiedenen Maßnahmen« als Reaktion auf Leipzig beschließen werde. Eine Maßnahme, die sie selbst ins Spiel brachte, sind »schärfere Umweltauflagen« für russische Handelsschiffe. So könne man die russische »Schattenflotte« – sprich: Tanker, die russisches Öl verschiffen, ohne die russische Flagge zu führen, eine normale Praxis in der Handelsschiffahrt – an der Fahrt durch die Ostsee hindern, ohne die Passage komplett zu schließen.

Auch Roderich Kiesewetter (CDU) ging am Montag wieder ganz in seiner Rolle als »geistiger Brandstifter« auf. Per X lehnte er weitere Wirtschaftssanktionen gegen Russland als »Zeichen der Schwäche« ab. Die »einzig richtige« Antwort auf »russischen Staatsterrorismus« lautet für ihn, »Russland strategisch zu begegnen und der Ukraine endlich weitreichende Waffensysteme wie ›Taurus‹ zu liefern und die Schattenflotte zu stoppen«.

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Am deutlichsten versuchen allerdings wieder einmal die Grünen, sich als antirussische Kreuzritter zu profilieren. Ausgerechnet der »Ostbeauftragte« der olivgrünen Kriegstreiberpartei, Robin Wagener, forderte vergangene Woche die Schließung des Berliner Kulturinstituts »Russisches Haus«. Aber nur als ersten Schritt. Weiter rief er die Bundesregierung zu drei konkreten Maßnahmen auf: Kiew mit dem eingefrorenen russischen Staatsvermögen unterstützen, mit »Taurus«-Marschflugkörpern beliefern und die »Schattenflotte« bekämpfen.

Der eng mit den Geheimdiensten verbundene Grünen-Politiker Konstantin von Notz hat ebenfalls die »Schattenflotte« im Visier, aber nur am Rande. Vielmehr kritisierte er am Sonntag gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland die Zurückhaltung der Bundesregierung, die endlich aufhören müsse, »zögerlich, verdruckst und verzagt zu sein«. Statt dessen solle sie – ja, was eigentlich? Folgt man von Notz, müsste Merz morgen Russland den Krieg erklären. Anders lässt es sich kaum interpretieren, wenn er den Kanzler auffordert: »Die Dinge müssen beim Namen genannt und entschlossen reagiert werden. Leipzig war eine militärische Aktion.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 01.09.2026, Seite 4, Inland

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→ Leserbriefe
  • Fred D.Schlicke aus Dresden 1. Sept. 2026 um 10:48 Uhr
    Allerspätestens jetzt, da sich Karen Mioska (!) in erlesener Runde mit dem Fund am Flughafen Halle/Leipzig befasst, muss dem Letzten ein Lichtlein aufgehen: Solch ein Fund wurde schon lange gebraucht. Herbei gesehnt. Als man so ’ne Drohne fand, war der Jubel im Aufschrei nicht zu überhören. Und ich meinte zu meiner Nachbarin: »Wem kommt das wohl zu passe – gerade jetzt!? Nachtigall, ick hör dir trapsen….« Das ist doch gemacht! Die Folgediskussionen, sofort eingeleitete verschärfende (!) Maßnahmen, die Berichterstattung – alles war plötzlich auf diesen bedeutungslosen Flugplatz fokussiert! Man fürchtet wohl nachlassendes Interesse am Fall Ukraine. Es gibt nicht nur Sporttaucher, die Kriminelles vorbereiten, es gibt Wachmänner und Einbrecher in einer Person. Es dürfte doch kein Problem sein, irgendeinen Gegenstand stehen zu lassen, der irgendeinen Anlass liefern kann. Die Geschichte der letzten 100 Jahre ist voll von kriminell organisierten Anlässen zu kriegerischen Handlungen. Sie dienten stets demselben Zweck: Der andere ist der Aggressor. Andere hybridisieren Krieg, haben was vor? Wir müssen nachrüsten! Zuerst nach innen: Gleichschaltung. Journalisten habe ihre Aufgabe verstanden. Dann erst, aber verstärkt (!) nach außen.
    Warum am bedeutungslosen Platz Halle/Leipzig? Wirksamer, aber riskanter, wären Frankfurt, Berlin oder München. Die Frage sei erlaubt: Qui bono?
  • Wilfried Schubert aus 18273 Güstrow, Alte Gärtnerei 2 1. Sept. 2026 um 09:04 Uhr
    Mit 57,6 Milliarden Euro hat Deutschland bislang militärische Hilfe für die Ukraine zum Töten und Zerstören geleistet. Darüber hört man kein Wort von Wiedergutmachung oder Selbstkritik. Es geht ja gegen die Russen und das ist natürlich richtig. Auch kein Wort, darüber, dass auf einen zivilen Flugplatz wie Leipzig militärisches Gerät, inklusive Munition, verfrachtet wird. Das ist keine Gefährdung von Zivilisten im In-und Ausland. Von den ca. 415.000 zivilen oder der unbekannten Zahl Drohnen der Bundeswehr kann es natürlich keine gewesen sein. Merz und die Seinen sollten es nicht übertreiben, Deutschland versuchte es schon zweimal, mit schlimmen Folgen. Ein drittes Mal und Deutschland gäbe es nicht mehr. Wilfried Schubert
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