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Polens Kryptosumpf wird tiefer
Nächstes Kapitel im Fall der insolventen Börse Zondacrypto: Chef des Olympiakomitees in Haft. Rechte Medien fokussieren auf Verbindung mit Tusk-Regierung
Ein erstes prominentes Opfer hat die Affäre um die polnische Kryptobörse Zondacrypto schon gefordert: Der Präsident des Polnischen Olympischen Komitees, Radosław Piesiewicz, sitzt seit einigen Tagen in Untersuchungshaft. Ihm werden unter anderem Bestechlichkeit und Geldwäsche vorgeworfen. Denn er hatte sich von dem Geschäftsführer der Kryptobörse, Przemysław Kral, eine Luxusarmbanduhr im Wert von 40.000 Euro schenken lassen – nach eigenen Worten will er die Hälfte davon in Raten mit Bargeld zurückgezahlt haben, also ohne Belege. Und Kral, der als Großsponsor des Olympischen Komitees auftrat, hatte offenbar in Vorahnung der drohenden Zahlungsunfähigkeit von Zondacrypto dafür gesorgt, dass der Sportfunktionär seine Investition in die Kryptobörse bevorzugt und in voller Höhe zurückbekam, während Tausende von Privatkunden auf Verlusten sitzengelassen wurden, die von der polnischen Staatsanwaltschaft auf umgerechnet 600 Millionen Euro geschätzt werden.
Möglich wurde die Festnahme des Oberolympioniken dadurch, dass Zondacrypto-Chef Kral vor kurzem die Seiten gewechselt hat und nun mit den Ermittlern zusammenarbeitet. Eigentlich hätte er das nicht nötig gehabt, denn er hatte sich rechtzeitig vor der Pleite seines Unternehmens nach Israel abgesetzt und die dortige Staatsbürgerschaft angenommen. Damit wäre er ohnehin vor Auslieferung geschützt gewesen. Welches Druckmittel also die polnischen Behörden gegen ihn in der Hand hatten, ist bis heute nicht klar. Vielleicht war es das Versprechen, ihn aus der Ermittlung gegen Unbekannt wegen des spurlosen Verschwindens von Sylwester Suszek, dem Gründer des Vorgängerunternehmens von Zondacrypto, im Jahre 2022 herauszuhalten. Immerhin steht der Verdacht im Raum, Suszek sei von Geschäftspartnern ermordet worden, und Kral war damals der Justiziar dieses Vorgängerunternehmens, das er nach dem Untertauchen – oder dem Tod – von Suszek übernahm, umfirmierte und fortführte.
Politische Brisanz verleiht diesem Fall von Wirtschaftskriminalität die Tatsache, dass Kral, als ihm das Geld noch locker saß, verschiedene rechte Politiker und Institutionen mit großzügigen Spenden unterstützt hat: hier umgerechnet 400.000 Euro für die Privatstiftung von Exjustizminister Zbigniew Ziobro, dort 100.000 für die eines Politikers der »Konföderation«, dort diskrete Verhandlungen mit einem engen Mitarbeiter von PiS-Chef Jarosław Kaczyński auf Ibiza, und schließlich Gespräche mit der Leitung des notorisch klammen rechten Fernsehkanals TV Republika über einen Einstieg als Investor.
Die Insolvenz von Zondacrypto im Frühjahr hat diese Projekte zunichte gemacht. Aber die polnische Rechte tut alles, um den Eindruck von sich abzulenken, sie habe sich von einem notorischen Finanzbetrüger sponsern lassen. Seitdem tobt in den polnischen Medien ein Streit im üblichen Bewältigungsmodus, wer wann wovon gewusst habe. Die Rechte weist darauf hin, dass sich Zondacrypto zu seinen guten Zeiten auch des Wohlwollens der bürgerlich-liberalen Tusk-Regierung erfreut habe – als »Finanzinnovation«, die Polen eine Führungsposition auf dem Markt der Kryptovaluten hätte einbringen sollen. TV Republika grub ein Foto von Premier Donald Tusk aus, auf dem dieser ein Fußball-T-Shirt seines Heimatvereins Lechia Gdańsk mit dem Logo von Zondacrypto in die Kameras hielt; und verdächtigt inzwischen Kral, ein Agent Tusks gewesen zu sein, um dem Sender zu schaden. Dagegen wies der liberale Fernsehsender TVN24 dieser Tage darauf hin, dass die PiS über ihre ganzen acht Regierungsjahre hinweg Warnungen selbst der offiziellen Finanzaufsicht vor Investitionen bei Zondacrypto in den Wind schlug und den Schwindel damit politisch deckte.
Hauptbegünstigter des Politsponsorings von Kral aber ist nach heutigem Erkenntnisstand kein Geringerer als Staatspräsident Karol Nawrocki. Der bekam ein paar Wochen vor der Präsidentenwahl im Sommer 2025 von Kral ein Propagandaevent spendiert, auf dem Angehörige der US-Regierung vor polnischem Publikum zu seiner Wahl aufriefen – eine klare Einmischung in einen ausländischen Wahlkampf, die im Falle einer Verwicklung deutschen oder gar russischen Geldes jeden Politiker in Polen sofort unmöglich gemacht hätte. Heute behauptet Nawrocki, er habe gar nicht gewusst, wer oder was Zondacrypto gewesen sei – man kann das glauben oder nicht. Denn der Präsident hat durch sein Veto inzwischen viermal Versuche der Tusk-Regierung zu Fall gebracht, den Kryptomarkt wenigstens nachträglich EU-konform zu regulieren. Abzahlung einer Dankesschuld? Ausgeschlossen ist das nicht.
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