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Alle Wege führen nach Mekka
Bangladesch interessiert: Von Erweiterung des in Saudi-Arabien geschlossenen Militärpakts würde auch Washington profitieren
Der »Mekka-Pakt« zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan bekommt einen vierten Interessenten: Bangladesch erwägt einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters vom Dienstag zufolge einen Beitritt zu dem Verteidigungsbündnis. Eine entsprechende saudische Einladung bewerte der stellvertretende Außenminister Bangladeschs, Humayun Kabir, positiv.
Das Abkommen selbst wurde am 7. August in der saudischen Stadt Mekka unterzeichnet, die der wichtigste Pilgerort im Islam ist und somit einen symbolischen Wert für die überwiegend muslimischen Mitgliedstaaten hat. Öffentlich zugänglich ist bislang jedoch nur eine knappe gemeinsame Erklärung, nicht der eigentliche Vertragstext. Bekannt ist lediglich eine Beistandsklausel: Ein bewaffneter Angriff auf einen der drei Staaten soll als Angriff auf alle gelten. Der türkische Außenminister Hakan Fidan verglich die Klausel mit Artikel 5 des NATO‑Vertrags. Reichweite der Beistandspflicht sowie institutionelle und operative Ausgestaltung bleiben offen.
Mit Bangladesch würde sich die Geometrie des Abkommens grundlegend verschieben. Aus einem Bündnis dreier Staaten am Golf und in Anatolien könnte eine Sicherheitsarchitektur werden, die Indien von zwei Seiten umschließt: mit Pakistan im Westen, Bangladesch im Osten. Diese Konstellation könnte eine bedeutsame geostrategische Verschiebung zugunsten Washingtons ankündigen: Iran bliebe in einer von den USA bewusst instabil gehaltenen Golfregion eingehegt, während sich das strategische Hauptziel zunehmend auf die Einhegung Indiens verlagert.
Die scheinbar wachsende Eigenständigkeit Saudi-Arabiens, der Türkei und Pakistans muss keinen US-amerikanischen Machtverlust bedeuten. Sie kann im Gegenteil Teil einer Modernisierung von US-Herrschaft sein. Das Zentrum muss nicht mehr jeden Akteur unmittelbar steuern, wenn regionale Machtblöcke sich weitgehend selbständig regulieren, Konflikte austragen und zentrale Funktionen übernehmen. Entscheidend ist, wer die Architektur vorgibt und die entscheidenden Schnittstellen kontrolliert: Hochtechnologie, Rüstung, Aufklärung, Finanzsystem, Logistik und diplomatische Kanäle.
Der »Mekka-Pakt« ließe sich aus dieser Perspektive als indirekte Kontrolle durch Stellvertreterschaft lesen. Die regionalen Subsysteme gewinnen operative Eigenständigkeit, bleiben aber in ein übergeordnetes Machtgefüge eingebettet, dessen entscheidende Verbindungen weiterhin nach Washington führen. US-Macht würde damit nicht verschwinden, sondern auf eine höhere Ebene verlagert: weg von permanenter direkter Lenkung hin zur Steuerung der Bedingungen, unter denen sich die regionalen Akteure selbst steuern. Trumps Zustimmung ist nur folgerichtig: Je stärker sich die Subsysteme selbst organisieren, desto weniger muss das Zentrum intervenieren.
Die mögliche Einbindung Irans bleibt unklar. Teheran dementiert eine formelle Einladung, bestätigt aber Gespräche über kollektive regionale Sicherheit und bewertet den Pakt bislang auffallend gelassen. Gerade darin könnte für Iran die Falle liegen: Die vermeintliche Einbindung könnte seinen Handlungsspielraum verengen und Teheran institutionell einhegen. Nach den Erfahrungen der jüngsten Verhandlungen mit Washington stellt sich die Frage, ob erneut die Aussicht auf eine politische Verständigung genutzt wird, um Teheran in einem Hinhalteprozess zu binden, Entscheidungen hinauszuschieben und Zeit zu gewinnen – diesmal nicht unmittelbar durch die USA, sondern vermittelt über regionale Partner. Ein solches hypothetisches Vorgehen wäre mit einer Ordnung vereinbar, in der Washington nicht selbst durchgreifen muss, sondern über verbundene, weitgehend selbstregulierende regionale Subsysteme wirkt.
Doch der eigentliche Lackmustest für die behauptete Unabhängigkeit des »Mekka-Pakts« wäre ein hypothetischer israelischer Angriff auf einen Bündnispartner. Erst dann würde sich zeigen, ob die Beistandsklausel tatsächlich universal gilt. Bereits jetzt versucht Washington, mit Saudi-Arabien eines der wichtigsten Machtzentren des »Mekka-Pakts« gegenüber Israel strategisch einzuhegen: Trump knüpft das im Juli mit der Monarchie vereinbarte zivile Nuklearabkommen an eine politische Annäherung Riads an Israel und den Beitritt zu den von Washington vorangetriebenen »Abraham-Verträgen«, die auf eine Neuordnung der Region zugunsten Israels zielen. Damit würde ausgerechnet gegenüber Israel ein möglicher Kern der eigenständigen Sicherheitsarchitektur politisch neutralisiert.
Der eigentliche geopolitische Stoß des »Mekka-Pakts« läge damit nicht westwärts gegen Israel oder Iran, sondern ostwärts – gegen ein immer mächtigeres, militärisch starkes und bevölkerungsreiches Indien, das sich kaum der US-amerikanischen Blockdisziplin unterordnen lässt und Washingtons Anspruch auf globale Dominanz zwangsläufig herausfordert.
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Siehe auch: valdaiclub.com/a/highlights/the-makkah-agreement-a-new-experiment-in-regional-?utm Zitat: »This creates what may be described as an alliance without a formally designated enemy. The absence of an explicitly named adversary does not necessarily weaken deterrence. On the contrary, it introduces strategic uncertainty for any potential attacker: military action against one member may now create the possibility of confrontation with two additional states possessing different and complementary capabilities. Saudi Arabia contributes financial resources, political influence and strategic geography; Turkey possesses substantial conventional military capabilities and an increasingly sophisticated defence industry; Pakistan contributes extensive military experience and nuclear deterrence. Their combination therefore creates a form of complementary deterrence that none of the three could reproduce independently.«