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Von defensiv zu offensiv
Technische Einigung zwischen Iran und Oman zu Fahrverlauf in Meerenge. Warnung an Washington
Iran und Oman haben sich auf eine neue, befristete Route für die Handelsschiffahrt durch die Straße von Hormus verständigt. Die Einfahrt des Korridors soll durch iranische Hoheitsgewässer führen, ein Teil der Ausfahrt ebenfalls, wie der Vizeaußenminister für Rechts- und internationale Angelegenheiten, Kassem Gharibabadi, am Dienstag im Staatsfernsehen erklärte. Die Fahrrinne sei rund elf Kilometer breit. Trotz der Einigung gelte die Meerenge aus iranischer Sicht weiterhin als geschlossen, betonte Gharibabadi. Eine tatsächliche Öffnung knüpfte er an die Erfüllung der US-amerikanischen Zusagen aus dem im Juni unterzeichneten Interimsabkommen – insbesondere an Erleichterungen bei den Sanktionen und an die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte. Auch der Behauptung von US-Präsident Donald Trump, sämtliche Minen seien aus den internationalen Gewässern der Straße entfernt worden, widersprach der Vizeaußenminister. Die Ankündigung diene aus seiner Sicht vor allem der Beruhigung der Märkte.
Damit bleibt die neue Route zunächst das, was sie ihrem Wesen nach ist: eine technische Übereinkunft zweier Anrainerstaaten über den Verlauf einer Fahrrinne. Der politische Status der Meerenge bleibt davon unberührt. Iran begleitet die technische Einigung mit einer Drohung gegen US-Militärgerät. Minenräumschiffe würden zu »sehr guten Zielen«, sollten sie in das Gebiet der Straße von Hormus einfahren, warnte Gharibabadi in derselben Fernsehansprache. Die Warnung richtet sich damit unmittelbar gegen US-Einheiten – nicht gegen Stellvertreterziele oder zivile Handelsschiffe. Welche Reichweite iranisch gestützte Antischiffsraketen inzwischen haben, hatte kurz zuvor ein Angriff im Roten Meer gezeigt.
Rund 1.000 Kilometer von ihrem Kerngebiet im Norden Jemens entfernt, haben die mit Teheran verbündeten Ansarollah (»Huthis«) vor der saudischen Hafenstadt Yanbu den Öltanker »Amzan« der saudischen Reederei Bahri getroffen. Die britische Marineschutzbehörde UKMTO hatte zuvor lediglich von einem »unbekannten Projektil« gesprochen, das den Tanker rund 63 Seemeilen westlich von Yanbu getroffen habe. Die Einordnung als ballistische Rakete stammt damit allein von den Ansarollah selbst – eine unabhängige Bestätigung liegt nicht vor.
Sollte sich diese Angabe bestätigen, wäre der Treffer zugleich ein Hinweis auf das technologische Potential der Islamischen Republik. Die weitreichenden Raketen- und Drohnensysteme der Ansarollah basieren maßgeblich auf iranischer Technologie; gegen die deutlich näher gelegenen Einheiten der US-Marine im Golf wären die Anforderungen an Reichweite und Zielerfassung geringer.
Dass ein iranischer Angriff auf US-Marineeinheiten während des gesamten bisherigen Kriegsverlaufs ausgeblieben ist, deutet die brasilianische Militäranalystin Patricia Marins als bewusste Zurückhaltung. Der strategische Wert der bislang nicht ausgespielten Option liegt damit in ihrer Funktion als Eskalationsreserve. Solange Iran direkte Angriffe auf US-Kriegsschiffe vermeidet, hält Teheran eine weitere Eskalationsstufe bewusst offen. Insbesondere angesichts hoher materieller Belastungen und knapper Abfangsysteme erhöht das den Druck: Washington muss zusätzliche Kräfte schützen und mit weiteren Verlusten rechnen.
Die US-Kriegführung im Golf ist auch ohne Angriffe auf die Flotte unter erheblichen Druck geraten. Iranische Raketen- und Drohnenangriffe beschädigten nach Angaben von NBC News US-Geheimdienstposten und Überwachungseinrichtungen. Das American Enterprise Institute schätzt allein die Reparaturkosten auf mehr als fünf Milliarden US-Dollar – beschädigte Ausrüstung und Waffensysteme nicht eingerechnet. Ende Juli beantragte das Pentagon zusätzliche 67 Milliarden Dollar an Notfallmitteln, davon 18,2 Milliarden für den Ersatz verbrauchter Waffensysteme. Laut dem Thinktank CSIS dürfte es allerdings drei Jahre dauern, die Bestände wieder auf Vorkriegsniveau zu bringen. Auch Generalstabschef Dan Caine soll intern vor einem kritischen Abbau der Abfangraketenbestände bei erneuten Kämpfen gewarnt haben.
Teheran zeichnet dagegen das Bild einer bereits regenerierten Kampfkraft. Nach Angaben von Armeesprecher Mohammed Akraminia vom Mittwoch seien alle im Krieg beschädigten Waffensysteme wiederhergestellt worden; zusätzlich seien neue Systeme aus heimischer Produktion und aus dem Ausland hinzugekommen. Iran habe seine Militärdoktrin inzwischen von defensiv auf offensiv umgestellt.
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