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Irankrieg

Der Druck auf Drittstaaten steigt

Sowohl Iran als auch die USA nehmen alle ins Visier, die sich beim Ringen um iranisches Öl gegen ihre Interessen stellen

Foto: IMAGO/Anadolu Agency
Ein Zentrum des Iran-Kriegs: Der Golf von Oman (Muscat, 21.6.2023)

Europa bereitet sich offenbar darauf vor, seine Energieversorgung über die Straße von Hormus militärisch abzusichern. Frankreich und Großbritannien arbeiten am Aufbau einer Koalition von rund einem Dutzend Staaten, die die Schiffahrt durch die Meerenge sichern soll. Politisch besonders brisant ist, dass dafür bereits NATO-Strukturen genutzt werden: Das Bündnis koordiniert mögliche Beiträge interessierter Mitgliedstaaten, obwohl ausdrücklich keine förmliche NATO-Mission vorgesehen ist. Damit verschwimmt die Grenze zwischen einer von Paris und London geführten Staatengruppe und einer faktisch von der NATO unterstützten Militärmission. Gerade weil eine solche Operation in den Konflikt um die Kontrolle der Straße von Hormus eingreifen würde, wächst das Risiko, dass europäische Staaten schrittweise von Washington in den Krieg hineingezogen werden.

Parallel suchen Europa und die Golfstaaten nach Ausweichrouten für ihre Ölimporte. Der saudische Regierungschef Mohammed bin Salman ist am Sonntag zu einem zweitägigen Besuch in Paris eingetroffen. Mit Präsident Emmanuel Macron will er unter anderem über Alternativen zur Straße von Hormus beraten. Eine französisch-saudische Arbeitsgruppe soll diesen Montag zusammenkommen.

Die Umgehung hat längst begonnen: Tanker bringen saudisches Öl von Janbu nach Ain Suchna, von dort geht es per Pipeline ans Mittelmeer und weiter zu europäischen und asiatischen Abnehmern. Laut der Plattform Kpler stiegen die saudischen Exporte über diese Route seit Beginn der Blockade durch die Ansarollah (»Huthis«) auf 1,1 Millionen Barrel täglich.

Teheran droht inzwischen, Alternativrouten anzugreifen. Der oberste Sicherheitsberater Mohsen Rezai erklärte, Staaten, die sich am US-Wirtschaftskrieg gegen Iran beteiligten, würden als Feinde behandelt. Damit geraten immer mehr Energieachsen ins Visier.

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Iran handhabt die Kontrolle über Hormus zunehmend über Einzelgenehmigungen. So erlaubte Teheran am Sonnabend nach wiederholten Bitten Bagdads eine Passage von irakischen Öltankern. Zugleich verhandelt Iran mit Oman über die Verwaltung der Meerenge und stellt Gebühren in Aussicht. Aus der Blockade entsteht damit schrittweise eine eigene Zugangsordnung: Wer passieren will, muss mit Teheran verhandeln.

Während Teheran versucht, diese Ordnung zu institutionalisieren, beanspruchen die USA, darüber zu bestimmen, welche Schiffe und Waren Hormus passieren können. Mit zunehmender Dauer zeigt sich eine tiefgreifendere Funktion der US-Blockade: Washington unterbindet nicht nur iranische Exporte, sondern setzt zugleich einen wichtigen Energiekanal nach China unter Druck. Beijings Importe von iranischem Rohöl fielen laut Kpler von durchschnittlich 1,4 Millionen Barrel täglich im Vorjahr auf zuletzt täglich 534.000 Barrel im August.

Die USA wollen diesen Druck nun durch neue Sanktionen ergänzen. Finanzminister Scott Bessent kündigte für Montag die »härtesten Sanktionen der Geschichte« gegen Iran an. Präsident Donald Trump drohte zugleich jedem Staat mit wirtschaftlichen Konsequenzen, der Teheran weiterhin eine »Lebensader« offenhalte. Bessent nahm dabei ausdrücklich China ins Visier und forderte Beijing zur Kooperation auf.

Die Stoßrichtung ist klar: Nicht nur iranische Unternehmen und Banken sollen getroffen werden, sondern zunehmend auch Firmen, Raffinerien, Händler und Finanzkanäle in Drittstaaten, über die weiterhin iranisches Öl abgesetzt wird. Washington hat diesen Ansatz gegenüber China bereits erprobt: In früheren Sanktionsrunden wurden chinesische »Teapot«-Raffinerien wegen des Kaufs iranischen Öls sanktioniert.

Damit wird Chinas Energieversorgung innerhalb weniger Monate zum zweiten Mal Ziel US-amerikanischer Aggressionspolitik. Mit der faktischen Annexion Venezuelas haben die USA China bereits von einem wichtigen Öllieferanten abgeschnitten: 2025 gingen noch rund drei Viertel der Exporte dorthin, inzwischen sind die Lieferungen weitgehend versiegt. Nun trifft dieselbe Logik Iran, dessen verschifftes Öl zu mehr als 80 Prozent nach China geht. Doch anders als in Venezuela trifft die US-Aggression in Hormus zugleich Verbündete, Rivalen und die globale Energieversorgung. Die Kombination aus Blockade und Sekundärsanktionen verschiebt den Konflikt damit über Iran hinaus. Die USA versuchen nicht nur, Teherans Staatseinnahmen auszutrocknen, sondern zugleich auch, die Kosten für jeden Akteur zu erhöhen, der den iranischen Ölhandel weiter ermöglicht.

Für China läuft die Entwicklung damit zunehmend auf eine strategische Frage hinaus: Beschwichtigung – oder Widerstand gegen die wachsende US-amerikanische Bedrohung für seine Energieversorgung.

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.08.2026, Seite 7, Ausland

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