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Antifaschismus in Italien

Renatos Geschichte

Italien: Vor 20 Jahren wurde der junge Antifaschist getötet. Das Sozialzentrum, in dem er aktiv war, gedenkt ihm und allen, die ihr Leben im Kampf gegen rechts ließen

Von Dario Morgante, Rom
Foto: Pacific Press Agency/IMAGO
Laut gegen die Faschisten der Casa Pound: Protest der »Mütter für ein offenes Rom« (18.5.2016)

Renato Biagetti war 26 Jahre alt, als er am 27. August 2006 in der Nähe von Focene an der römischen Küste von zwei jungen Neonazis im Alter von 17 und 19 Jahren erstochen wurde. Beide Männer wurden später wegen Mordes verurteilt – ein politischer Hintergrund wurde nicht geltend gemacht. Renato hatte gerade sein Studium der Tontechnik abgeschlossen, spielte unter dem Namen Renoize elektronische Musik und war Teil von Acrobax, einem traditionsreichen Sozialzentrum im Süden Roms.

An jenem Abend besuchte er mit seiner Freundin und einem Freund eine Dancehall-Reggae-Veranstaltung in der Strandbar Buena Onda – von Rechten als Treffpunkt »kommunistischer Hippies« markiert. Auf dem Heimweg am frühen Morgen werden sie in einer Seitenstraße von den beiden jungen Männern bedrängt und provoziert: »Scheißkerle, haut ab, hier ist kein Platz für euch!« Kurz darauf folgt der Angriff mit Messern: Acht Stiche treffen Renato, zwei davon sind tödlich. Der 19jährige Messerstecher ist der Sohn des Carabinieri-Kommandanten von Focene, und es beginnt ein unermüdlicher Kampf um die Wahrheit. Jahrelang wurde der Mord heruntergespielt und als einfache Schlägerei dargestellt, um den politischen Charakter des Angriffs und den Kontext der faschistischen Gewalt in Rom zu jener Zeit zu verschleiern.

»Sich weiterhin zu treffen hat den Wert, eine sehr komplexe Geschichte zusammenzuhalten«, sagt Cristiana, eine Acrobax-Aktivistin, gegenüber jW. In diesem Jahr wird das Sozialzentrum Gastgeber des 20jährigen Jubiläums von Renoize sein, dem Festival, das in Gedenken an Renato ins Leben gerufen wurde. Zwanzig Jahre, sagt sie, seien lang genug, um innezuhalten und Bilanz zu ziehen, um sich mit »Analyse, Kritik und Selbstkritik« auseinanderzusetzen, aber auch um zu verstehen, wie Renatos Geschichte weiterhin dazu beitragen kann, »eine andere Zukunft zu gestalten«.

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Der Vergleich mit der Gegenwart bedeutet zwangsläufig, den Wandel der Rechten zu betrachten. Im Jahr 2006 befand sich Italien noch in der Ära Berlusconi; heute ist Giorgia Meloni seit 2022 Premierministerin. Ihre Regierung ist auf dem besten Weg, die am längsten amtierende in der Geschichte der Italienischen Republik zu werden. Unterdessen ist eine neue Kraft in der neofaschistischen Rechten entstanden: »Futuro Nazionale«, die vom ehemaligen Armeegeneral Roberto Vannacci gegründete Partei. »Die heutige Rechte ist eine Rechte, die sich viel weiter nach rechts bewegt hat als noch vor zwanzig Jahren«, stellt Cristiana fest. Dabei spricht sie jedoch nicht nur von der institutionellen Politik. Sie beschreibt ein »Magma« der Rechten, das »in aller Welt« entsteht und von großen Wirtschaftsinteressen sowie den Eigentümern sozialer Onlineplattformen durch »äußerst gewalttätige und gefährliche« Kommunikationskampagnen unterstützt wird.

Dieser Wandel zeigt sich auch in der Beziehung zwischen dem Staat und den sozialen Räumen der Linken. In Turin wurde »Askatasuna«, ein historisches soziales Zentrum am Corso Regina Margherita, im Dezember 2025 nach jahrelangen Strafverfahren gegen seine Aktivisten gewaltsam geräumt. In Rom wurden allein in diesem Sommer zwei historische Räume geräumt, die sich zwar in ihrer Art unterschieden, aber beide mit der regierungskritischen Linken in Verbindung standen: im Juni »Bencivenga«, ein anarchistisches Sozialzentrum, und Ende Juli »Spin Time«, eine Hausbesetzung im Stadtteil Esquilino, die 2013 begonnen und sich seitdem auch zu einem Raum der Sozialarbeit und der gegenseitigen Hilfe entwickelt hatte.

Vor diesem Hintergrund feiert Renoize sein 20jähriges Jubiläum. Die erste Veranstaltung fand am 27. August in Focene statt, an dem Strand, an dem Renato ums Leben kam. Im Buena Onda standen Rugby und Musik auf dem Programm, eine Präsentation des Bilderbuchs »Sta nel fondo dei tuoi occhi«, mit dem Kindern die Geschichte der Kämpfe jener Zeit erzählt werden kann, und eine Vorführung des Dokumentarfilms »Venti di Renato«. Am 3. und 4. September zieht das Festival ins Acrobax um, wo Vorträge, Diskussionen, Ausstellungen, Workshops und Konzerte stattfinden. Am 5. September kehrt es in den öffentlichen Raum zurück: Ein antifaschistischer Marsch startet an der Porta San Paolo und führt zum Parco Schuster, dem historischen Veranstaltungsort des Festivals, wo das Abschlusskonzert stattfindet.

Der Wechsel des Veranstaltungsortes für die zentralen Festivaltage hängt auch mit der Umgestaltung des Parco Schuster zusammen. Nach Angaben der Organisatoren wird der Park in diesem Jahr einen Großteil des Sommers über von Veranstaltungen und groß angelegten Initiativen belegt, die bis November andauern – eine Situation, die »die Funktion dieses Ortes völlig verzerrt« und ihrer Ansicht nach die Verwandlung Roms in »ein Terrain des Profits« sowie die fortschreitende Privatisierung des öffentlichen Raums widerspiegelt. Für Cristiana bedeutet die Rückkehr jedoch auch, eine andere Art von Raum zu schaffen. »Es wird eine Erfahrung sein, in der wir mit einer anderen Art des Zusammenseins experimentieren«, sagt sie, »einer anderen Art, neben der Realität da draußen zu existieren, einer anderen Vorstellung von einer Welt – einer, in der der Faschismus einfach keinen Platz hat.« Dafür kämpft auch Renatos Mutters Stefania Zuccari. Gemeinsam mit anderen Betroffenen gründete sie 2007 die Initiative »Madri per Roma città aperta« (Mütter für ein offenes Rom), die an jene erinnert, die von Faschisten und Polizei getötet wurden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 31.08.2026, Seite 7, Ausland

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