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Warnschuss

Israelischer Angriff auf Flughafen in Syrien

Foto: Omar Albam/AP
Von der syrischen Luftwaffe ist wenig geblieben, und das wurde von Israel zerstört (Idlib, 7.12.2024)

Die israelische Luftwaffe hat am Dienstag die syrische Luftwaffenbasis Abu Al-Duhur in der nordwestlichen Provinz Idlib bombardiert. Mindestens acht Bomben trafen die erst kürzlich instand gesetzten Start- und Landebahnen sowie mehrere Hangars auf dem etwa 70 Kilometer von der türkischen Grenze entfernten Flughafen in Syrien.

Mit der Behauptung, Syrien habe »kurz davor gestanden«, ein Abkommen mit Israel zur Aufrechterhaltung des Sicherheitsstatus quo zu brechen, »indem es türkischen Truppen die Stationierung auf einem Luftwaffenstützpunkt in der Nähe von Aleppo erlaubte«, übernahm das Büro des israelischen Ministerpräsidenten die Verantwortung. Gegenüber der im Vorfeld informierten US-Regierung erklärten die Israelis, der Angriff sollte die Türkei von der Lieferung hochentwickelter Waffensysteme abhalten. Israels Schlag gegen Abu Al-Duhur habe eine direkte Konfrontation mit der nicht vorgewarnten Türkei riskiert, beklagte der US-Botschafter in Ankara und US-Syrien-Gesandte Tom Barrack.

Die Deutung des jüngsten Angriffs als bloße Fortsetzung der Bombardierungen syrischer Militäranlagen nach dem Sturz Baschar Assads, um die islamistischen Machthaber in Damaskus militärisch handlungsunfähig angesichts der israelischen Besatzung im Süden Syriens zu halten, greift zu kurz. Vielmehr erinnert der Angriff an die israelische Zerstörung der T4-Airbase im zentralsyrischen Homs im April 2025, nachdem türkische Militärinspektoren mehrere syrische Flugplätze für eine mögliche Nutzung geprüft hatten.

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Hintergrund ist das Ringen um regionale Hegemonie zwischen den beiden engen US-Verbündeten Israel und Türkei. In den vergangenen Wochen hat sich die Waagschale hier zugunsten Ankaras verschoben. Durch den am 7. August mit dem ölreichen Saudi-Arabien und der Atommacht Pakistan geschlossenen »Mekka-Pakt« zur gegenseitigen Verteidigung im Falle eines bewaffneten Angriffs wurde Ankara der Rücken gestärkt.

Gleichzeitig zeichnet sich für die Türkei eine Befriedung an der kurdischen Front ab. Mit dem am 10. August vom türkischen Parlament verabschiedeten Rahmengesetz für eine bedingte Amnestie von PKK-Mitgliedern im Gegenzug für die Waffenniederlegung der Guerilla hat der Friedensprozess eine entscheidende Hürde genommen. Eine Triebkraft für diesen Prozess war die Befürchtung türkischer Staatsvertreter, Teile der kurdischen Bewegung könnten unter israelischen Einfluss geraten.

In Nordsyrien wird mit der baldigen Auflösung der kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) und ihrer Eingliederung in die syrische Armee gerechnet. Damit würde eine von Ankara als Bedrohung empfundene eigenständige kurdische Militärstruktur an der Südgrenze entfallen, während Damaskus als enger Verbündeter einer Zentralisierung der inneren Machtstrukturen näherkäme.

Die türkische Führung ist also gerade dabei, ihre innen- wie außenpolitische Handlungsfähigkeit deutlich zu erweitern. In diesem Kontext erscheint der israelische Luftangriff auf die Airbase bei Idlib vor allem als Warnschuss in Richtung Ankara: bis hierher und nicht weiter.

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.08.2026, Seite 3, Ansichten

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