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Syrien

Eskalation in Rojava

Tote bei Gefängnisbrand in Kobani

Foto: Amjad Kurdo/Middle East Images/imago
Beisetzung des ermordeten Sîpan Hiznî am Sonnabend in Hasaka

Bei einem Brand in einem Gefängnis der syrischen Stadt Kobani sind in der Nacht zum Sonnabend neun Gefangene ums Leben gekommen, 17 weitere wurden verletzt. Kurdische Gefangene hatten selbst Feuer gelegt, um ihre Verlegung in ein für Folter berüchtigtes Gefängnis in Aleppo durch Kräfte der islamistischen Regierung zu verhindern. Vorangegangen waren in mehrheitlich von Kurden bewohnten Städten im Norden Syriens Massenproteste und Straßenblockaden nach der Ermordung eines kurdischen Soldaten durch Angehörige eines arabischen Stammes. In Kobani hatten daraufhin islamistische Polizeikräfte das Feuer auf Demonstranten eröffnet, die ihrerseits mit Steinwürfen das Eindringen der ortsfremden Truppen des Innenministeriums in die Stadt zu verhindern suchten. Zahlreiche Demonstranten wurden dabei festgenommen und ins Gefängnis gebracht, wo es anschließend zu dem Brand kam.

Der 26jährige Soldat Sîpan Hiznî, der einer kürzlich in die syrische Armee eingegliederten Brigade von Kämpfern der aufgelösten Syrischen Demokratischen Kräfte angehörte, war vergangene Woche bei Hasaka verschleppt worden. Seine Mörder verbreiteten ein Video, das zeigte, wie sie ihm im Stile der Dschihadistentruppe »Islamischer Staat« die Kehle durchschnitten – verbunden mit rassistischen Drohungen gegen Kurden. Um die Festnahme von Hiznîs Mördern zu verhindern, mobilisierte der Al‑Baggara-Stamm am Freitag bewaffnete Männer und errichtete ein »Kriegszelt«.

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Die kurdische Partei der Demokratischen Einheit (PYD) machte die Regierung in Damaskus für die jüngste Eskalation verantwortlich. Durch das Verbreiten von Angst und Chaos solle die weitere demokratische Mobilisierung der Bevölkerung verhindert werden, die in den letzten Wochen gegen die von Damaskus vorgenommenen Einschränkungen von kurdischsprachigem Unterricht protestiert hatte, so die PYD. Die jüngsten Ereignisse erscheinen als erste Bewährungsprobe nach der im vergangenen Monat vollzogenen Integration von Verwaltungsstrukturen und Truppen der früheren Selbstverwaltungsregion Rojava in den syrischen Staat.

Am Sonnabend gab die Initiative »Freiheit für Eva und Ahmet« bekannt, dass der im Januar zusammen mit der deutschen Journalistin Eva Maria Michelmann von syrischen Regierungstruppen verschleppte kurdische sozialistische Journalist Ahmet Polad – ein türkischer Staatsbürger – von Damaskus an die Türkei ausgeliefert worden ist. Seinem Vater, den er vor der Überstellung in die Haftanstalt Silivri bei Istanbul am Freitag kurz sprechen konnte, teilte Polad mit, dass er während seiner Haft Folter ausgesetzt war und sich in den vergangenen fünf Monaten im Hungerstreik befand. Michelmann war im Juni frei- und zurück nach Deutschland gekommen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.09.2026, Seite 6, Ausland

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