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Nahostkonflikt

Mossad-Plan vereitelt

Medienberichte sollen Einmarsch kurdischer Truppen aus dem Irak in den Iran verhindert haben. Türkei drohte mit Intervention

Foto: Thaier Al-Sudani/REUTERS
Lassen sich als Schergen für imperialistische Interessen einspannen: Iranisch-kurdische Kämpfer bei Erbil (12.2.2026)

Hat ein Leak an die Presse Tausende kurdische Leben im Iran-Krieg gerettet? Mit dieser Frage titelte am Montag die Jerusalem Post und bezog sich damit auf einen Bericht des israelischen Kanals 12 und der Infoseite Ynet. Am Sonntag hatten die beiden Medien berichtet, Trump habe eine geplante kurdische Operation im Iran gestoppt, weil das Risiko und der Druck zu groß gewesen seien, nachdem Informationen an die Medien durchgestochen worden waren.

Anfang März, zu Beginn des israelisch-US-amerikanischen Angriffskriegs gegen Iran, stand laut israelischen und internationalen Medien eine Bodenoffensive aus der irakischen Autonomen Region Kurdistan unmittelbar bevor. Ziel sei gewesen, eine Rebellion anzustoßen, um die Regierung der Islamischen Republik zu stürzen. Kanal 12 und Ynet zufolge sollten sich an der Offensive Kämpfer aller sechs relevanten iranisch-kurdischen bewaffneten Gruppen beteiligen. Der Chef des israelischen Auslandsgeheimdiensts Mossad habe seit Jahren an einem entsprechenden Plan gearbeitet, die kurdischen Gruppen seien ebenfalls seit Jahren von der CIA und dem Mossad selbst bewaffnet worden.

Die englischsprachige türkische Zeitung Daily Sabah schreibt die Vereitelung der Pläne, im Irak ansässige kurdische Gruppen als Bodentruppen gegen den Iran einzusetzen, Ankara zu. Israel habe kurz vor Bekanntwerden der Pläne iranische Militärposten an der Grenze zum Irak bombardiert, um etwa 10.000 Kämpfern den Weg freizumachen. Die türkische Regierung habe daraufhin Gespräche mit hochrangigen Beamten der kurdischen Regionalregierung im Irak geführt und parallel die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gewarnt, dass sie im Falle eines Eingreifens in den Iran-Krieg wie in Syrien eine türkische Intervention riskiere. Auch PKK-Anführer Abdullah Öcalan habe mit seiner Partei in Verbindung stehende Kämpfer aufgefordert, den »Anweisungen« Israels keinesfalls zu folgen.

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Die Aussichten bewaffneter kurdischer Gruppen, eine erfolgreiche Bodenoffensive durchzuführen, werden als gering eingeschätzt. Aller Wahrscheinlichkeit nach hätten sie höchstens einige wenige Ortschaften erobern können. Washington und Tel Aviv hätten die Kämpfer also vor allem als Kanonenfutter eingesetzt und sie wohl genauso fallengelassen wie im Januar die bewaffneten kurdischen Kräfte in Syrien. Dort hatten diese jahrelang mit US-Besatzungssoldaten, die syrisches Öl und syrischen Weizen stahlen und zu ihren Militärbasen im Irak verbrachten, kooperiert. Als die Truppen des Übergangspräsidenten und Ex-Al-Qaida-Chefs Abu Mohammed Al-Dscholani (Ahmed Al-Scharaa) in einem brutalen Krieg mit vielen zivilen Opfern den Nordosten Syriens überrannten, konnten die kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) allerdings mit keinerlei Unterstützung der US-Truppen rechnen, die im Gegenteil zurückgezogen wurden.

Die USA und Israel haben in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder kurdische Gruppen zur Umsetzung eigener Interessen missbraucht und sie dafür bewaffnet – so zum Beispiel in den 1960er und 70er Jahren im Irak und im Iran, wo es insbesondere um die Zurückdrängung sowjetischen Einflusses ging. In entscheidenden Momenten hat man die kurdischen »Verbündeten« regelmäßig fallengelassen. So zum Beispiel während des Iran-Irak-Kriegs, als man Saddam Hussein freie Hand ließ, aus dem Westen gelieferte Chemiewaffen sowohl gegen den Iran als auch gegen die irakischen Kurden einzusetzen, oder im Zweiten Golfkrieg 1991, als die Kurden aufgefordert wurden, sich gegen den irakischen Machthaber zu erheben, bevor sie dann im Angesicht brutaler Massaker sich selbst überlassen wurden.

Hätte eine Offensive von in Irakisch-Kurdistan ansässigen bewaffneten Gruppen im Iran Anfang März tatsächlich stattgefunden, wäre der Irak noch tiefer in den Krieg hineingezogen worden, als es ohnehin passiert ist. Vom ersten Tag des Iran-Kriegs an haben die USA und Israel die irakischen Volksmobilisierungskräfte bombardiert, die maßgeblich am Kampf gegen die Dschihadisten des »Islamischen Staats« (IS) beteiligt waren und inzwischen in die regulären irakischen Streitkräfte integriert sind. Die Volksmobilisierungskräfte reagieren mit Angriffen auf Israel und auf US-Militärbasen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 01.04.2026, Seite 7, Ausland

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