Freibrief zum endlosen Krieg
25 Jahre nach »9/11«
Als Terroristen vor 25 Jahren vier entführte Passagierflugzeuge in fliegende Bomben verwandelten und das World Trade Center und das Pentagon trafen, kosteten die Anschläge 3.000 Menschenleben. Die Angreifer von Al-Qaida waren selbst ein Produkt der US-Außenpolitik des Kalten Krieges: Die CIA rekrutierte, bewaffnete und unterstützte die dschihadistischen Gotteskrieger gegen die sowjetische Armee in Afghanistan. Doch nun bissen diese Kräfte die Hand, die sie gefüttert hatte – und die sich ihrer ein Jahrzehnt später bei Regime-Change-Kriegen in Libyen und Syrien wieder bedienen sollte.
Ob es im US-Staatsapparat Mitwisser der geplanten Anschläge gab, wie Ungereimtheiten der offiziellen Version nahelegen, gehört in den Bereich der Spekulation. Entscheidend ist: Für den US-Imperialismus waren die Anschläge ein Freibrief für weltweite, von Regeln entgrenzte endlose Kriege, Besatzung und Unterdrückung – einschließlich verschärfter Repression im eigenen Land und des Abbaus demokratischer Rechte im Westen.
Zu erwarten seien »militärische Vernichtungsaktionen gegen Urheber plus unbeteiligte Zivilisten«, prophezeite Chefredakteur Arnold Schölzel in einem Kommentar in der jungen Welt vom 12. September 2001. Er warnte vor einem »Nord-Süd-Krieg«, der dem Terror folgen werde »mit jener Konsequenz, mit der die Nazis den Reichstagsbrand nutzten«.
So sollte es kommen. Die NATO erklärte erstmals in ihrer Geschichte den Bündnisfall nach Artikel 5. Bush rief am 20. September den »globalen Krieg gegen den Terror« aus. Am 7. Oktober griffen USA und Großbritannien Afghanistan an. 2003 folgte der mit der Lüge von irakischen Massenvernichtungswaffen begründete Einmarsch in den Irak. Weitere US-Interventionen fanden in Nordafrika, der Transsahara, am Horn von Afrika und am Roten Meer, in Pakistan, Jemen, Syrien und auf den Philippinen statt. Laut dem Costs of War Project haben die US-Kriege seit 2001 durch direkte und indirekte Kriegsfolgen etwa 4,6 Millionen Menschen das Leben gekostet; mindestens 38 Millionen wurden vertrieben.
Statt die US-Hegemonie zu festigen, haben die ökonomischen, politischen, sozialen und moralischen Kosten dieser Kriege den strategischen Niedergang des US-Imperialismus weiter beschleunigt. Die zentrale Lehre aus 25 Jahren »War on Terror« lautet: Die größten Terroristen sitzen in Washington.
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