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Inhalte überwinden

Foto: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

Es gibt ja hierzulande Leute, die sagen, der Blick nach Britannien sei ein Blick in die Zukunft. Vollendete Deindustrialisierung, Armut und Verwahrlosung ganzer Landstriche, ein kollabierender Sozialstaat, hohe Staatsverschuldung. Aber andererseits hat das Land eine Sozialdemokratie, die in Sachen Wählerzuspruch einigermaßen weit vom kümmerlichen Niveau der deutschen Filiale entfernt ist und seit neuestem einen Mann an ihrer Spitze hat, dem attestiert wird, er verstehe es, die Leute mitzunehmen. Aus Anlass des Labour-Parteitags schauten Medien dann genauer hin.

Der Kommentator im Handelsblatt ist von der »Burnham-Revolution« geflasht: Die Rede des britischen Premiers habe gewirkt »wie eine Botschaft aus einer anderen Zeit«: »ehrlich, mutig, weitblickend. In Großbritannien muss man bis zu Tony Blair zurückgehen, um ein ähnliches Talent zu finden.« Was nun auch wieder einiges aussagt über die Maßstäbe, die man in Düsseldorf an politisches Personal anlegt.

Zufriedenheit bei der Taz: »Linke Kritiker können nun mosern, dass Burnham Emotionen der Rechten übernimmt. Sie sollten sich eher fragen, warum Farage an alte linke Emotionen anknüpfen konnte: den Wunsch, gemeinsam ein besseres Land aufzubauen. (…) Konkretes hat der Labour-Premier zwar immer noch wenig zu bieten. Aber niemand lässt das Unkonkrete so schön aussehen wie Andy Burnham.«

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Okay, okay, aber kommt jetzt mal was Konkretes? Ein Inhalt von Politik? Vielleicht ja beim Falter aus Österreich: »Der Labour-Politiker ist nach zwei Monaten im Amt beliebter als alle anderen Parteichefs. (…) Burnham hat einen Trend umgekehrt, was kaum jemand für möglich gehalten hat. (…) In einer Zeit, in der gerne gegen abgehobene Eliten gewettert wird, kann Burnham auf seine regionale Verbundenheit mit seiner Wählerschaft verweisen.«

Wieder nichts. Dann eben ein Blick dorthin, wo nicht in deutscher Sprache kommentiert wird. »Zweifellos würde ein universelles Sozialfürsorgesystem eine enorme Verbesserung gegenüber dem derzeitigen chaotischen System (…) darstellen. Doch die Frage der Finanzierung zeigt, welche Probleme das schwache Wirtschaftswachstum des vergangenen Jahrzehnts und seine Folgen für die Staatsfinanzen mit sich bringen.« Solche Inhalte finden sich bei der Irish Times.

Und die namensähnliche Financial Times aus London moniert: »Seine Rede auf dem Labour-Parteitag, gespickt mit Witzen und Tränen, zeigte, dass er Visionen vermitteln und die Parteibasis begeistern kann. (…) Doch seine Rede war eher ein Programm für eine Wahl, die möglicherweise erst 2029 stattfinden wird, als ein dringender Aktionsplan für die Jahre bis dahin.«

Offenbar lässt sich hieraus lernen, dass Inhalte nicht überall so gleichgültig sind wie in der hiesigen Medienlandschaft. (brat)

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.10.2026, Seite 2, Ansichten

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