Staatlicher Kampf gegen Onlinebetrug
Myanmar und Kambodscha wollen das Treiben krimineller Netzwerke in der Grenzregion unterbinden
Die Länder Südostasiens wollen verstärkt gemeinsam gegen Cyberkriminalität vorgehen. Bisher gibt es keinen übergreifenden Ansatz des ASEAN-Staatenbundes. Einige der elf Mitgliedsländer preschen aber mit bilateralen Vereinbarungen vor. Der wirtschaftliche wie Imageschaden durch die in Myanmar und Kambodscha konzentrierten Netzwerke ist beträchtlich. In Myanmar begünstigen Bürgerkrieg und in Auflösung befindliche staatliche Grundstrukturen deren Ausbreitung. Insbesondere um die Stadt Myawaddy, etwa im Mittelteil der langen Grenze zu Thailand, haben sich die Cyberkriminellen in Shwe Koko und anderen Vororten ein ganzes Gebiet gesichert. Die lose mit dem Regime von Putschführer Min Aung Hlaing verbündete Karen-Miliz kontrolliert die Gegend. Einige ihrer Kommandeure sollen direkt verstrickt sein.
Der Exgeneral, der sich zu Jahresbeginn zum Präsidenten küren ließ, weilte Anfang August zum Staatsbesuch in Bangkok. Dabei gab es eine Absichtserklärung, stärker gegen Cyberkriminelle vorzugehen. In Myanmar wie auch in Kambodscha geht es um Datendiebstahl sowie Onlinebetrug, indem Opfern aus zahlreichen Ländern Liebesbeziehungen oder Investmentmöglichkeiten vorgegaukelt werden. Dabei werden sie um beträchtliche Geldsummen erleichtert, ein summierter Schaden in Milliardenhöhe.
Bisher war dieses Agieren in Kambodscha kein eigener Straftatbestand. Seit April gibt es ein Gesetz, das bis zu fünf Jahre Haft und bis zu 125.000 US-Dollar Geldstrafe vorsieht – das Doppelte bei bandenmäßigem Vorgehen. Der Regierung in Phnom Penh wurde lange Ignoranz vorgehalten, jetzt will man in der ASEAN sogar Vorreiter sein: Am 24. Juni rief Innenminister Abhisantibindit Sar Sokha bei einer Sicherheitskonferenz in Siem Reap das Bündnis zum gemeinsamen Handeln auf. Ende Juli traf sich Indonesiens Vizeaußenminister Arif Havas Oegroseno mit Sar Sokha und dessen Kollegen Chhay Sinarith, welcher der Kommission gegen Cyberkriminalität (CCOS) vorsteht. Anliegen war laut der Agentur Antara, die Bildung einer gemeinsamen Taskforce. Laut Voice of Indonesia soll als erster Schritt ein »indonesischer Tisch« im Hauptquartier der kambodschanischen Polizei eingerichtet werden. Es gehe »um Informationsaustausch, Unterstützung bei Ermittlungen und die Stärkung von Maßnahmen in Fällen von Onlinebetrug, die indonesische Staatsbürger betreffen«.
Seit Ende 2025 gehen die kambodschanischen Behörden verstärkt gegen die Netzwerke vor. Zahlreiche zur Arbeit in den Betrugszentren gezwungene Ausländer wurden dabei befreit, viele sitzen nun im Land fest. Der bislang größte Schlag gelang gegen die Prince Group, deren Chef Chen Zhi festgenommen und Anfang Januar an sein Herkunftsland China überstellt wurde. Dem 38jährigen werden Delikte von Wirtschaftsverbrechen bis zu Misshandlungen der in den Camps Festgehaltenen vorgeworfen. Nun drohe die Todesstrafe, verlautete es im Juli. Chen Zhi hatte in Kambodscha sogar die Staatsbürgerschaft erhalten und war eine Weile Berater von Langzeitpremier Hun Sen. Dieser steht jetzt dem Senat vor, während sein Sohn Hun Manet die Regierung führt.
Prince Group und andere tarnen sich als seriöse Firmen mit Geschäftsfeldern von Immobilien bis zum Bankenwesen. Die Bangkok Post meldete am vergangenen Donnerstag, dass Thailands Antigeldwäschebehörde AMLO weitere Vermögenswerte Chen Zhis sichergestellt habe. Der Gesamtwert der konfiszierten Immobilien, dazu Bargeld, Gold und andere Güter, soll sich inzwischen auf 460 Millionen Baht (12 Millionen Euro) belaufen. Allein der Immobilienbesitz der Prince Group erstreckt sich mutmaßlich über mehr als 30 Länder. Auch die chinesische Sonderwirtschaftsmetropole Hongkong hatte schon Vermögenswerte im Wert von neun Milliarden Hongkong-Dollar (990 Millionen Euro) sichergestellt. Kambodscha stellte diverse Immobilien unter Staatskontrolle.
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