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Vom Baum herunter

Treffen Wadephuls und Lawrows

Foto: Dominik Butzmann/IMAGO
Zwanzig Minuten Gespräch, die man sich aus russischer Sicht auch hätte ersparen können (New York, 26.9.2026)

Die Meldung über das Treffen zwischen Sergej Lawrow und Johann Wadephul auf der Internetseite des russischen Außenministeriums war mehr als lakonisch: Wadephul habe die schon verschiedentlich geäußerten Positionen der deutschen Regierung wiederholt. Man hätte sich die Zeit für die 20minütige Begegnung auch schenken können, sagte Lawrow im Anschluss mündlich. Es war eine Geste großer Geringschätzung.

Dagegen musste sich Wadephul gegenüber deutschen Leitmedien förmlich winden, um schon die Tatsache zu rechtfertigen, sich mit Lawrow an einen Tisch gesetzt zu haben: Es sei von seiten »anderer Kollegen« an ihn die Bitte herangetragen worden, das Gespräch mit Lawrow zu suchen, so Wadephul etwa gegenüber den »Tagesthemen«. So, als hätte die BRD kein eigenes Interesse, mit Russland irgendwie wieder ins Gespräch zu kommen. Wadephul deutete den Zusammenhang indirekt an: Wenn »wir« nicht mit Russland redeten, dann übernähmen die USA das ganze ukrainische Dossier, und für EU-Europa bleibe die Zuschauerrolle. Und das, stand unausgesprochen dahinter, ist ja wohl nicht das, wofür »wir« »die Ukraine unterstützen«. Nämlich um dort selbst Einfluss auszuüben. Dumm, wenn man sich zuvor durch Sanktionen und Einmischung in einen Konflikt, den die Ukraine nicht gewinnen kann, selbst ausgemischt hat.

Daher suchte Wadephul an zwei Stellen den Rückwärtsgang: erstens bei den Getreideexporten über das Schwarze Meer. Die Ausfuhr von Weizen aus der Ukraine »und auch Russland« müsse wieder möglich werden, sonst drohten im globalen Süden Hungersnöte. Nun unterliegt der Getreideexport aus Russland formal keinen Sanktionen; gleichwohl ist der Witz an Wadephuls Mahnung, dass er sie eigentlich an die Adresse der Ukraine hätte richten müssen. Denn die greift im Schwarzen Meer, soweit sie es noch kann, Handelsschiffe mit russischen Exportgütern an. Die USA und die Türkei haben sich darüber bereits auf diplomatischem Wege beschwert.

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Der zweite Punkt, an dem Wadephul leise zurückruderte, war die Behandlung des Leipziger Drohnenvorfalls, den die Bundesregierung Russland anlastet: Deutschland erwarte, dass dieser Vorfall ein Einzelfall bleibe, zitierte sich Wadephul gegenüber der ARD. Eigentlich interessant war wieder das, was Wadephul nicht offen sagte: dass im Falle, dass ein Vorfall wie der Leipziger ein Einzelfall bleibe, man darüber auch irgendwann wieder zur Tagesordnung übergehen könne. Nur: Wer hat den Vorfall denn so aufgeblasen? Moskau oder Berlin?

Wenn eine Katze sich in einer Baumkrone verklettert hat und nicht mehr herunterkommt, erscheint irgendwann die Feuerwehr mit der Drehleiter und holt sie herunter. Das Problem deutscher Außenpolitik und von Merz und Wadephul ist, dass es erstens keine Feuerwehr gibt, die die BRD aus ihrer Baumkrone herunterholen könnte – und dass der Imageverlust der Möchtegerngroßmacht Deutschland genauso groß wäre, wenn sich die BRD beim Herabsteigen von Dritten helfen lassen müsste. Selbst eingebrockt. Für Mitgefühl besteht kein Anlass.

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.09.2026, Seite 3, Ansichten

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