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Seeungeheuer des Tages: Schwimmender Russe

Foto: Italian Defence Ministry/Handout via REUTERS
Jagd auf die »Schattenflotte«: Italienische Einsatzkräfte inspizieren den Tanker »Toa Payoh« (Pantelleria, 2.8.2026)

Nach Berichten verschiedener südeuropäischer Medien soll die CIA die Regierungen Frankreichs, Italiens und Spaniens vor möglichen russischen Drohnenangriffen vom Mittelmeer aus gewarnt haben. Rom, Paris und Madrid haben dies zurückgewiesen: teils, indem sie den Eingang der Warnungen bestritten, teils, indem sie deren Wahrheitsgehalt in Frage stellten.

In der Tat ist die Geschichte etwas zu phantastisch konstruiert, um plausibel zu sein: Russland musste sich im Sommer vorübergehend völlig aus dem Mittelmeer zurückziehen. Die im September gemeldete Rückkehr dorthin bestand aus einem Zerstörer, einem Tanker und einem Versorgungsschiff. Diese enorme Armada regt die USA offenbar zum Spinnen von Seemannsgarn an: Russland könnte ja von einem Handelsschiff aus Drohnen aus einem an Deck gestapelten Container etwa auf Marseille, Barcelona oder die Airbus-Fabriken in Toulouse abfeuern. Wie die Ukraine das bereits im Juni vergangenen Jahres im fernen Sibirien mit Hilfe eines präparierten Lkws vorgemacht hat.

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Nur: Warum sollte Russland das tun? Die südeuropäischen NATO-Staaten machen mit Ausnahme Frankreichs keinen Hehl daraus, dass sie der Ukraine-Krieg nur mäßig interessiert. Warum sollte Moskau dort, wo die mentale Kriegstüchtigkeit wenig ausgeprägt ist, schlafende Hunde wecken wollen?

Überhaupt hat der Quellenwert von CIA-Berichten gelitten: In Polen warnte Premierminister Donald Tusk vor ein paar Tagen öffentlich vor russischen Angriffsabsichten auf das Land. Er berief sich auf angebliche Informationen der CIA. Bald stellte sich heraus, dass es einen solchen Bericht in schriftlicher Form nicht gegeben hatte. Es sei eine mündliche Mitteilung gewesen, ruderte Tusk zurück. Also Kriegswarnungen vom Hörensagen. Der berühmte Fliegende Holländer bekommt als Schrecken der Weltmeere Konkurrenz durch den Schwimmenden Russen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 26.09.2026, Seite 3, Ansichten

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