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Hinter verschlossenen Türen
USA und Israel loben Trump-Netanjahu-Treffen, schweigen aber über dessen Inhalt
Sein Treffen mit Donald Trump verlief »hervorragend« und war »eines der besten, das wir je hatten«, sagte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu am Dienstag nach dem rund anderthalb Stunden langen Gespräch im Weißen Haus. Karoline Leavitt, Pressesprecherin des US-Präsidenten, bezeichnete die Begegnung, ebenso wie die am selben Tag vorausgegangene mit Trumps ukrainischem Amtskollegen Wolodimir Selenskij, in einem außergewöhnlich kurzen und nichtssagenden Posting als »positiv und produktiv«. Auch Selenskij war nach Washington gereist, um dort an der Trauerfeier des verstorbenen rechten US-Senators Lindsey Graham teilzunehmen.
Es war Netanjahus achtes persönliches Treffen mit Trump seit Beginn von dessen zweiter Amtszeit im Januar 2025. Kein anderer ausländischer Politiker kann da mithalten. Die in der Rangliste Folgenden, die Italienerin Giorgia Meloni und der Brite Keir Starmer, brachten es in dieser Zeit nur auf jeweils drei und vier Begegnungen.
Um so stärker war offenbar auf beiden Seiten das Bedürfnis, dem naheliegenden Eindruck entgegenzutreten, der US-Präsident und der israelische Premierminister wollten den anderen beeinflussen oder gar zu bestimmten Handlungen oder Unterlassungen drängen. Trump polterte wenige Stunden vor dem Treffen gegenüber seinem rechten Lieblingssender Fox News, er brauche von Netanjahu keine Belehrungen über die ins Gerede gekommene Anlage unter dem »Pickaxe Mountain«. Iran arbeitet dort völlig unbewiesenen Unterstellungen zufolge heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen. Man überwache das Gebiet »mit den größten Kameras der Welt«, die Anlage sei »kein großes Problem«, sagte Trump dem Sender. Er werde sie »ausschalten« lassen, falls Iran nicht zu einem »Deal« bereit sei. Das würde »ganz leicht« gehen. Gerade das wird allerdings von denen angezweifelt, die die dramatische Gefährlichkeit des angeblich 100 Meter unter einem Bergmassiv aus Granit liegenden Objekts beschwören.
Über »Pickaxe Mountain« sei bei dem Treffen im Weißen Haus aber gar nicht gesprochen worden, versicherte anschließend Netanjahus Abteilungsleiterin für »Public Diplomacy«, also Auslandspropaganda, Tzipi Hotovely, gegenüber israelischen Journalisten. Behauptungen im Vorfeld der Begegnung, der Premierminister wolle dem US-Präsidenten nachrichtendienstliche Erkenntnisse über die unterirdische Anlage mitteilen, seien »Fake News«. »Wir verstehen es, durch unsere Kanäle eng mit der US-amerikanischen Aufklärung zusammenzuarbeiten.« Dazu bedürfe es solch hochrangiger Treffen nicht. Netanjahus Ziel sei es, die Zusammenarbeit zu vertiefen, aber nicht, den US-Präsidenten zu irgend etwas zu drängen.
Das ist zwar nicht wahr, musste aber endlich mal gesagt werden. Der Iran-Krieg ist in den USA unpopulär, außerdem wird Israel von einer wachsenden Mehrheit der Bevölkerung negativ gesehen. Also muss Trump, nur noch drei Monate von der Zwischenwahl am 3. November entfernt, von dem Image wegkommen, er lasse sich von Netanjahu lenken. Dessen Verteidigungsminister Israel Katz klagte vor dem Abflug des Premierministers nach Washington, die USA hielten die israelische Regierung davon ab, die Energieinfrastruktur Irans anzugreifen, weil sie als Folge eine Ausweitung des Krieges zum Regionalkonflikt und eine weltweite Ölkrise befürchteten. Israel hingegen würde gern wieder militärisch aktiv werden, um Iran »40 Jahre zurückzuwerfen«.
Katz hatte für diese Bekenntnisse den Privatsender Kanal 14 gewählt, der als Sprachrohr Netanjahus und der extremen Rechten gilt. Was bei dem Treffen am Dienstag wirklich besprochen wurde, ist nicht bekannt. Es gab keine anschließende Pressekonferenz, weder gemeinsam noch getrennt. Vom Büro des Premierministers freigegebene Fotos zeigen immerhin, dass von US-Seite auch Vizepräsident J. D. Vance, Außenminister Marco Rubio, Kriegsminister Pete Hegseth und Trumps Chefbeauftragter für die Verhandlungen mit Iran, Steve Witkoff, beteiligt waren.
Über die von ihm immer wieder angedrohte Eskalation des Krieges wollte Trump anscheinend erst nach Netanjahus Besuch entscheiden. Der US-Präsident hatte in den vergangenen Tagen mehrfach behauptet, die Verhandlungen mit Iran verliefen »sehr freundlich«, und es gebe »eine gute Chance« für die Beendigung der Kämpfe. Zugleich hatte er aber mit einer massiven Verschärfung der Kriegführung gedroht, falls Iran dem von Trump verlangten »Deal« nicht zustimmen sollte. Die Islamische Republik leugnet das Stattfinden von Verhandlungen, nicht aber den kontinuierlichen Austausch von Botschaften durch Vermittler wie Pakistan und Katar.
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