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Golfstaaten unter Druck

Auf Hormus folgt Bab Al-Mandab

Jemens Ansarollah greifen saudische Ölraffinerie an. Nach dem Persischen Golf soll nun auch die Passage durch das Rote Meer für Riad blockiert werden

Foto: Social Media/via REUTERS
Raffinerie in Flammen (Dschisan, 25.7.2026)

Aramco brennt: Nach einem Angriff der jemenitischen Ansarollah (»Huthis«) ist am Sonnabend auf dem Gelände des saudischen Ölkonzerns in Dschisan Feuer ausgebrochen. Der dortige Raffineriekomplex kann täglich bis zu 400.000 Barrel Rohöl verarbeiten und gehört zu den größten Anlagen des Königreichs. Satellitendaten der Feuerüberwachungsplattform FIRMS der US-Weltraumbehörde NASA zeigten mehrere Brandherde auf dem Gelände.

Mit den Attacken wolle man saudische Luftangriffe auf Hodeida vergelten, erklärte Jahja Sari, Militärsprecher der Ansarollah. Während es in Dschisan Hinweise auf einen Treffer gab, wurden zwei Raketen auf die saudische Stadt Janbu offenbar abgefangen. Damit verlagert sich der Krieg zunehmend auf die Öl- und Exportinfrastruktur Saudi-Arabiens. Die Ansarollah greifen nicht mehr nur Schiffe im südlichen Roten Meer an, sondern bedrohen zugleich Raffinerien, Tanker und den wichtigsten Ausweichkorridor Riads zur Straße von Hormus.

Dass Janbu angegriffen wurde, folgt einer klaren Logik. Seit Iran den Tankerverkehr durch die Straße von Hormus weitgehend blockiert, hat sich der Hafen zum zentralen Ausweichventil für saudische Ölexporte entwickelt. Über die Ost-West-Pipeline gelangen nach Schätzungen von Energy Aspects inzwischen rund 4,9 Millionen Barrel täglich ans Rote Meer; ein Großteil passiert anschließend die Meerenge Bab Al-Mandab auf dem Weg nach Asien.

Die Ansarollah setzen damit auch den zweiten wichtigen Exportweg Riads unter Druck. Als Alternative bliebe vor allem der Suezkanal, der jedoch nur begrenzte Kapazitäten bietet. Außerdem würde das deutlich längere Transportwege bedeuten. Die gleichzeitige Bedrohung der Meerengen von Hormus und Bab Al-Mandab verschafft Iran und seinen Verbündeten einen erheblichen Hebel gegenüber den USA und den Golfstaaten. Der Preis für die wichtige Rohölsorte Brent stieg am Donnerstag erstmals seit Mai wieder über 100 US-Dollar pro Barrel.

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Seit Freitag verzichten die USA erstmals seit zwei Wochen auf nächtliche Angriffe gegen Iran. Washington stellt die Pause als Zeichen von Gesprächsbereitschaft dar. Laut einem Bericht der New York Times warnten Vizepräsident J. D. Vance und Generalstabschef Dan Caine Präsident Donald Trump jedoch vor den Folgen schwindender Luftabwehrbestände. Bislang sollen mehr als 1.200 »Patriot«-Raketen verschossen worden sein, deren Stückpreis bei über vier Millionen US-Dollar liegt. Es könnte also sein, dass die Angriffspause eine Folge von fehlenden US-Kapazitäten ist und nicht etwa ein Zeichen der Entspannung. Aus Teheran hieß es am Sonntag, man wolle eigene Angriffe aussetzen, solange die USA ihre Attacken unterbrechen. Die iranische Führung bleibe jedoch skeptisch hinsichtlich der Absichten Washingtons, ‌sagte ein ranghoher Insider der Nachrichtenagentur Reuters.

Parallel verhandelten die stellvertretenden Außenminister Irans und Omans in Teheran über gemeinsame Regeln und Betriebsmechanismen für den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus. Die iranische Regierung sprach von Fortschritten, räumte jedoch ein, dass sich an der Lage vorerst nichts geändert habe: Am Sonntag stoppten iranische Kräfte erneut sechs Schiffe auf dem Weg durch die Meerenge.

Außenminister Abbas Araghtschi warf den USA vor, ohne Abstimmung mit Iran eine neue Route erzwingen zu wollen und damit das im Juni vereinbarte Konsultationsverfahren zu umgehen. Zugleich verwies er auf eine weiterhin bestehende direkte Kommunikationslinie. Washington hatte seinerseits am 14. Juli die Seeblockade iranischer Häfen wieder aufgenommen und nach eigenen Angaben bis Donnerstag zwölf Schiffe umgeleitet sowie ein weiteres kampfunfähig gemacht.

Wie weit sich die Kampfzone ausdehnen könnte, zeigte sich am Wochenende auch abseits der Golfregion. Ein Sprecher der iranischen Revolutionsgarden erklärte, Großbritannien werde zum legitimen Ziel, sollte es die USA im Krieg gegen Iran unterstützen; US-amerikanische Bomber hätten zuletzt britische Luftwaffenbasen genutzt. Ähnliche Warnungen richtete Teheran bereits an Kuwait und Jordanien, wo US-Truppen stationiert sind.

Israel hält sich bislang aus dem direkten Schlagabtausch heraus. Finanzminister Bezalel Smotrich begründete diese Zurückhaltung strategisch: Die gegenwärtige Konstellation, in der sich die USA und Iran gegenseitig binden, sei für Israel die beste denkbare. Auch Militärvertreter gingen davon aus, dass Teheran kein Interesse an einer Ausweitung des Krieges auf Israel habe, da dies seinem Ziel einer Neuregelung der Kontrolle über die Straße von Hormus nicht diene.

Diese Einschätzung gilt jedoch als vorläufig. Sollten die USA signalisieren, bei künftigen Angriffen auf israelische Unterstützung angewiesen zu sein, könnte sich die derzeitige iranische Zurückhaltung rasch ändern.

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.07.2026, Seite 7, Ausland

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