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Anschlag in Monaco

Das große Vertuschen

Nach Attentat auf ukrainischen Millionär: Tatverdächtige tot bei Kiew gefunden. Geheimdienst involviert

Foto: Philippe Magoni/AP Photo/dpa
Spurensuche am Anschlagsort: Nach dem Tod der Tatverdächtigen bleibt das Motiv unklar (Monaco, 30.6.2026)

Ukrainische Stellen sind offenbar bemüht, nach dem Bombenanschlag auf den Geschäftsmann Wadym Jermolajew in Monaco die Spuren zu verwischen. Jermolajew und seine Begleiterin waren am 29. Juni durch einen in einem Rucksack versteckten Sprengsatz schwer verletzt worden. Die Frau erblindete und verlor beide Beine. Der Rucksack war mit Schrauben und Schrot gefüllt. Der Sohn der Frau überlebte mit leichteren Verletzungen.

Eine Woche nach dem Anschlag ist die mutmaßliche Täterin, eine Ukrainerin namens Anastasija Beresowska, selbst tot. Sie wurde am Dienstag abend am Stadtrand von Kiew mit mehreren Schusswunden im Kopf gefunden. Zu dem Mord bekannte sich nach Angaben der ukrainischen Staatsanwaltschaft ein aktiver Beschäftigter des Militärgeheimdienstes GUR. Er soll gemeinsam mit einem ehemaligen »Mitarbeiter ukrainischer Sicherheitsorgane« auch die Rückschleusung Beresowskas organisiert haben. Die Tatverdächtige soll direkt nach dem per Fernzündung gegen 21 Uhr am 29. Juni verübten Anschlag nach Frankreich und von dort mit einem Mietwagen über die Grenze nach Italien geflohen sein. Der exilierte ukrainische Blogger Anatolij Scharij schrieb am Dienstag, dass Beresowska dort von einem Fahrzeug mit ukrainischen Diplomatenkennzeichen aufgenommen worden sei, das sie auf direktem Weg in die Ukraine brachte. Die ukrainischen Behörden bestätigten, dass Beresowska am 1. Juli legal die ukrainische Grenze überquert habe. Zu diesem Zeitpunkt habe nichts gegen sie vorgelegen – tatsächlich ist der Interpol-Haftbefehl gegen Beresowska erst am 3. Juli veröffentlicht worden.

Der mutmaßlich für die Liquidierung von Beresowska verantwortliche Geheimdienstmitarbeiter räumte nach Angaben des russischen Oppositionsportals Medusa ihre Anwerbung ein – doch habe sie »für eine andere Arbeit angeheuert« werden sollen. Weiter soll er erklärt haben, die Führung des GUR habe von der Aktion gegen Jermolajew nichts gewusst. Das kann man glauben oder nicht. Nach Informationen von Bild lebte Beresowska vor der Tat seit 2025 im Main-Taunus-Kreis als anerkannte Geflohene. Man kann also festhalten, dass ukrainische Geheimdienste unter den Geflohenen offenbar auch in Deutschland »Einwegagenten« rekrutieren und sich unter dieser Gruppe somit auch »falsche Fuffziger« befinden können.

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Mit den neuesten Entwicklungen beginnen Fragen nach den Motiven für den Anschlag auf Jermolajew in den Hintergrund zu rücken – und das ist vermutlich auch Ziel der rasch gestreuten Informationen. Bekannt ist, dass Jermolajew in Dnipro als Immobilienunternehmer ein vermutlich dreistelliges Millionenvermögen gemacht hatte. Er galt zeitweise als einer der 100 reichsten Geschäftsleute der Ukraine und hat die zypriotische Staatsangehörigkeit inne. Seit 2019 wurde er von Kiew sanktioniert – offiziell, weil er seine Weinkellerei und Spirituosenproduktion auf der Krim auch nach der russischen Übernahme der Halbinsel fortgeführt und sie nach russischem Recht legalisiert hatte. Ein weiteres Tätigkeitsfeld von Jermolajew und dessen Söhnen war der Betrieb betrügerischer Callcenter, die naiven Bürgern ihre Ersparnisse abschwindelten. Ein nach ­Zypern ausgewanderter Jermolajew-Sohn stand deshalb im Frühjahr dieses Jahres in Estland vor Gericht. Er kam jedoch gegen eine Zahlung von 8,5 Millionen Euro mit einer Bewährungsstrafe davon.

Wer aber ein Interesse daran hatte, Jermolajew senior zu töten, ist damit nicht erklärt. Die in ukrainischen Medien zirkulierenden Theorien reichen von dem Versuch konkurrierender Mafiakreise, Jermolajew seine Schwindelcallcenter abzupressen, bis zu Rivalitäten ukrainischer Geheimdienste. So wird behauptet, der Geheimdienst SBU habe dem konkurrierenden GUR »die Flügel stutzen« wollen, weil dieser zu viele Leute erpresst habe, die auch der SBU im Visier hatte. Es wäre also um Schutzgeldkonkurrenz gegangen. Passend hierzu kam aus der Ukraine die »Erkenntnis«, dass der zweite Hauptverdächtige im Keller seines Hauses eine Folterkammer unterhalten haben soll, wo etwa Erpressungsopfern Finger abgehackt werden konnten. Belastbar ist das alles nicht und wird es vermutlich auch nicht werden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.07.2026, Seite 6, Ausland

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