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US-Imperialismus

Energieanlagen weiter im Visier

Krieg gegen Iran: Teheran meldet fortgesetzte Angriffe trotz Moratorium

Von Lars Lange
Foto: U.S. Central Command via X/Handout via REUTERS
Seit Kriegsbeginn veröffentlichen die USA fortwährend Aufnahmen ihrer Angriffe, oft ohne Ortsangabe (20.3.2026)

Trotz der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump am Montag, »jegliche militärischen Angriffe auf iranische Kraftwerke und die Energieinfrastruktur« für fünf Tage auszusetzen, gehen entsprechende Attacken laut iranischen Angaben unvermindert weiter. Und die wohlwollenden Aussagen Trumps zu einer kurz bevorstehenden Einigung mit der Führung in Teheran, lassen die USA zusätzlich zu den bereits gemeldeten Marineverbänden bis zu 24 Kampfflugzeuge vom Typ F-16, sechs EA-18G »Growler« – speziell für die elektronische Kriegführung und die Ausschaltung feindlicher Radarsysteme – sowie fünf E-2D »Hawkeye«-Aufklärungsmaschinen in die Region verlegen. Unbestätigten Berichten zufolge soll zudem die 82. Luftlandedivision – die schnellste Eingreiftruppe des US-Heeres, die innerhalb von 18 Stunden einsatzbereit ist – in Alarmbereitschaft versetzt worden sein, berichtete das Militärportal The Aviationist am Montag.

Das UN-Kinderhilfswerk warnte unterdessen vor den Folgen für die Jüngsten: »23 Tage nach Beginn des eskalierenden Konflikts im Nahen Osten zahlen Kinder in der gesamten Region einen verheerenden Preis«, erklärte UNICEF-Vertreter Ted Chaiban am Dienstag in New York. Demnach wurden seit dem 28. Februar mehr als 2.100 Kinder getötet oder verletzt, darunter über 200 gemeldete Todesfälle im Iran und mehr als 100 im Libanon.

Parallel dazu griffen US-amerikanische oder israelische Streitkräfte Energieanlagen in der zentraliranischen Provinz Isfahan sowie in der südwestiranischen Stadt Khorramschahr an. In Isfahan wurden ein Verwaltungsgebäude und eine Druckreduzierstation im Gasnetz getroffen, wobei Teile der Anlagen sowie umliegende Wohnhäuser beschädigt wurden, wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim meldete. In Khorramshahr, nahe der Grenze zu Irak und Kuwait, schlug ein Marschflugkörper in der Nähe einer Gaspipeline ein, die ein lokales Kraftwerk versorgt. In Teheran wurden Ölanlagen getroffen, schwarze Rauchsäulen stiegen über der Stadt auf.

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Weiterhin erklärte die israelische Armee, mehr als 50 Ziele in Zentral- und Nordiran angegriffen zu haben, darunter Raketenlager, Waffendepots und Luftabwehrsysteme. In Teheran wurden demnach zwei Nachrichtendienstzentralen des »Korps der Iranischen Revolutionsgarden« (IRGC) sowie ein Hauptquartier des iranischen Geheimdienstministeriums getroffen. Zudem seien inzwischen rund 330 von geschätzten 470 iranischen Raketenstartsystemen zerstört oder außer Gefecht gesetzt worden.

Diese Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Visuell bestätigt sind bisher lediglich rund 40 zerstörte Startsysteme. Selbst unter Berücksichtigung nicht dokumentierter Treffer blieben die tatsächlichen Verluste weit hinter den israelischen Behauptungen zurück. Entscheidend ist dabei: Niemand kennt die wahren Ausgangszahlen des iranischen Arsenals. Was aber seit Ende letzter Woche bekannt ist: Die USA und Israel haben gemeinsam mehr als 16.000 Angriffe ausgegeführt, wie das Wall Street Journal berichtete.

Aber auch Iran feuert weiter. Am Dienstag verkündeten die IRGC bereits die 78. Vergeltungswelle der »Operation Wahres Versprechen IV«. Zuvor hatten Montag nacht Raketen unter anderem Tel Aviv getroffen. Dort schlug ein Sprengkopf in einer Straße im Stadtzentrum ein, riss Fassaden eines mehrstöckigen Wohnhauses auf und hinterließ einen tiefen Krater. In den Tagen zuvor hatte Iran nach israelischen Militärangaben täglich rund zehn Raketen auf Israel abgefeuert.

Saudi-Arabiens mehrschichtige Luftverteidigung schoss nach eigenen Angaben 19 iranische Drohnen über seiner ölreichen Ostprovinz ab. Das Land bekämpft iranische Drohnen mit einer Mischung aus Kampfflugzeugen, US-amerikanischen »Patriot«-Systemen und klassischer Flugabwehr. Die Abwehr ist zwar technisch effektiv, aber ökonomisch hochgradig ineffizient – günstige Drohnen werden häufig mit millionenschweren Raketen abgeschossen. Das Ergebnis: Saudi-Arabien gewinnt taktisch durch viele Abschüsse, verliert aber strategisch durch die ökonomischen Folgen und durch die Erschöpfung seiner schwer zu beschaffenden Luftabwehrmittel.

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Erschienen in der Ausgabe vom 25.03.2026, Seite 7, Ausland

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