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Bei Benz brennt’s
Bundesweite IG-Metall-Mobilisierung gegen unbezahlte Mehrarbeit beim Autobauer Mercedes-Benz – weitere Proteste angekündigt
Sie sind fest entschlossen: Zehntausende Metallarbeiter wollen die 35‑Stunden‑Woche beim Autobauer Mercedes‑Benz verteidigen. Mehr als 33.000 Beschäftigte zogen nach Angaben der IG Metall am Freitag an allen Standorten bundesweit vor die Werkstore und machten dort ihrem Ärger Luft. Sie wehren sich gegen Pläne der Unternehmensleitung, die Arbeitszeit unbezahlt auf 40 Stunden pro Woche zu erhöhen sowie eine jetzt fällige 18,4prozentige Sonderzahlung auf nächstes Jahr zu verschieben. Die Mercedes‑Chefetage hält die Arbeitskosten für international »nicht wettbewerbsfähig« und will sie »mit Hochdruck« senken. Das hatte sie den Beschäftigten Ende vergangener Woche in einem Schreiben als »Produktivitätsoffensive« verkaufen wollen.
Rund 20.000 Arbeiter verließen laut IG Metall Stuttgart im größten Daimler‑Werk in Sindelfingen am Freitag morgen ihre Arbeitsplätze am Band. Ein Unternehmenssprecher bestätigte gegenüber jW Produktionseinbußen während der Proteste. Die könnten aber »zeitnah aufgefangen« werden. Laut Nachrichtenagentur dpa wertet Mercedes die Aktionen als »Arbeitsniederlegungen«. In einer Unternehmensmitteilung heißt es süffisant: »Wir respektieren, dass sich der Betriebsrat zur Produktivitätsoffensive äußert.« Wie reagierte die Belegschaftsvertretung? »Die Beschäftigten sind mit den Plänen des Vorstands und dem Abbau des Sozialstaats nicht einverstanden«, sagte Konzernbetriebsratschef Ergun Lümali der dpa.
Weitere Kundgebungen während der Mercedes‑Frühschicht organisierten Gewerkschaft und Betriebsrat im Süden der BRD – beispielsweise in Untertürkheim, Rastatt, Kuppenheim und Germersheim. Ferner gab es Aktionen und Proteste im Norden – etwa in Bremen und Hamburg. Und nicht zuletzt in der Bundeshauptstadt. Dort erklärte der IGM-Bezirksleiter Jan Otto vor demonstrierenden Metallern des Mercedes-Werkes Marienfelde: »In harten Tarifkonflikten haben Metallerinnen und Metaller die 35‑Stunden‑Woche durchgesetzt.« Wer diesen Fortschritt in Frage stelle, werde auf den entschiedenen Widerstand aus der Kollegenschaft stoßen, so Otto weiter. Zehntausende Metaller erkämpften im Jahr 1984 mit einem fast siebenwöchigen Streik die schrittweise Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich.
In Düsseldorf sprach Gewerkschaftschefin Christiane Benner am Werkstor vor der Belegschaft: »So läuft es nicht! Der Schlüssel für eine starke Autoindustrie liegt in Investitionen in zukunftsfeste Produkte, Standorte und Beschäftigte, nicht in schlechteren Arbeitsbedingungen.« Sie forderte außerdem eine »aktive Industriepolitik«: Der industrielle Kern dieses Landes dürfe nicht ausgehöhlt werden. Und am Donnerstag hatte Benner an die Bundesregierung gerichtet noch bekräftigt: »Der Kampf um den Achtstundentag geht weiter.«
Der Aktionstag bei Mercedes sei nur ein »Startschuss« für weitere Proteste in der gesamten Autoindustrie, so ein Sprecher der Frankfurter Gewerkschaftszentrale im Gespräch mit jW. Die Proteste würden auch andere Automobilhersteller und Zulieferer treffen und »öffentlich wahrnehmbar« sein. So hatte die Metallgewerkschaft bereits vor dem Aktionstag bei Mercedes einen »heißen Sommer und Herbst« in der Branche angekündigt. Solche Warnungen hat die Gewerkschaft bereits häufiger ausgesprochen, nicht immer folgten Arbeiteroffensiven.
Hintergrund der Proteste sind die Dauerkrise der Autoindustrie und damit verbundene Verluste von branchenweit 50.000 Jobs allein im vergangenen Jahr. Laut dem IGM‑Sprecher stehen die nächsten Gewerkschaftsaktionen beim Volkswagen‑Konzern an. Dort allein will VW‑Vorstandschef Oliver Blume in den kommenden Jahren 100.000 Stellen vernichten. Nach einem entsprechenden Bericht im Manager-Magazin vor rund einer Woche hatten sich Gewerkschaft und Betriebsrat noch weitgehend bedeckt gehalten. Nun wollen auch die Volkswagen‑Beschäftigten in Aktion treten.
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