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Naziproblem

Foto: jW

Unter der Überschrift »Ukraine’s military has a real Nazi problem« (Das ukrainische Militär hat ein echtes Naziproblem) setzt sich die ukrainische Historikerin Marta Gawrischko am Dienstag auf der Internetseite der Washingtoner »Denkfabrik« The Quincy Institute for Responsible Statecraft mit einem Problem auseinander, das in der Unterüberschrift so zusammengefasst wird: »In ihrem Eifer, russische Propaganda zu entlarven, haben westliche Eliten versucht, die Tatsache zu verschleiern, dass sich in den Reihen Kiews Extremisten befinden, die dem Gedankengut des Dritten Reiches anhängen.«

Gawrischko, die gegenwärtig in den USA arbeitet, nannte am Mittwoch in einem Youtube-Interview mit dem norwegischen Politikwissenschaftler Glenn Diesen die Ehrung des Nazikollaborateurs und Kriegsverbrechers Andrij Melnyk (1890–1964) durch Wolodimir Selenskij einen »Wendepunkt« in der Geschichtspolitik Kiews (siehe junge Welt vom 22. Mai: »›Held‹ heimgeholt« von Susann Witt-Stahl).

Dem gegen Wladimir Putins »Entnazifizierung« gerichteten »Propagandmythos« des Westens, in der Ukraine gebe es keine Nazis oder nur einflusslose Spinner, hält die Autorin entgegen: »Neonazinetzwerke sind tief in Teilen der ukrainischen Militärstruktur verwurzelt.« Sie nennt »Asow«, die 3. Sturmbrigade, das Russische Freiwilligenkorps, »Bratstwo«, das Deutsche Freiwilligenkorps und die »Karpatska Sitsch«. Sie alle erhielten westliche Unterstützung. »Noch auffälliger« sei »die Normalisierung der Nazisymbolik« an sich.

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Gawrischko nennt mehrere Kommandeure und Einheiten, die öffentlich Embleme der SS, der Division Dirlewanger oder die »Wolfsangel« zeigen. Letztere war das »Wappen« des von der deutschen Abwehr im Frühjahr 1941 mit ukrainischen Freiwilligen aufgestellten Bataillons »Nachtigall« und ist auch das der »neu aufgestellten« Einheit gleichen Namens.

Die Historikerin fasst zusammen, all das sei erstens »eine Form des Geschichtsrevisionismus und der schleichenden Rehabilitierung des Nationalsozialismus«, eine Verharmlosung der Opfer von sieben Millionen Ukrainern, die in der Roten Armee kämpften – »im Gegensatz zu den 300.000, die in verschiedenen militärischen Formationen und Polizeieinheiten auf der Seite Nazideutschlands dienten«. Zudem eine Schändung des Gedenkens »an die Opfer des Nationalsozialismus in der Ukraine: 1,5 Millionen im Holocaust ermordete Juden sowie Millionen von Slawen, Kriegsgefangenen, Roma, psychisch Kranken, Zwangsarbeitern und zahllosen anderen Menschen, die der Maschinerie der rassistischen Vernichtung und Ausbeutung zum Opfer fielen«.

Zweitens verschaffe jedes gezeigte Nazisymbol »dem Kreml einen weiteren Propagandasieg«: »Russische Propagandisten müssen keine fiktiven Nazis in Kiew erfinden.« Drittens verstoße die offene Verwendung von Nazisymbolik »gegen die ukrainischen Erinnerungsgesetze von 2015«, die dafür Strafen von bis zu fünf Jahren vorsehen. Warum nicht ermittelt werde? »Weil die Regierung Selenskij – und Präsident Wolodimir Selenskij persönlich als Oberbefehlshaber – einen politischen Pakt mit der extremen Rechten geschlossen haben.« Die westlichen Partner seien »auf ukrainische Streitkräfte angewiesen, um Russland zu schwächen«, tolerierten und schwiegen daher.

Oder lügen wie das deutsche Auswärtige Amt: Am Mittwoch antwortete dessen Sprecher in der Bundespressekonferenz auf die Frage, ob die Bundesregierung die Kritik der Jerusalemer Holocaustgedenkstätte Yad Vashem an der Ehrung Melnyks durch Kiew teile: »Mir ist dieser Vorgang nicht bekannt, sorry.« Die Bundesregierung hat längst ein Naziproblem.

Am Mittwoch antwortete der Sprecher des Auswärtigen Amtes in der Bundespressekonferenz auf die Frage, ob die Bundesregierung die Kritik der Jerusalemer Holocaustgedenstätte Yad Vashem an der Ehrung Melnyks durch Kiew teile: »Mir ist dieser Vorgang nicht bekannt, sorry.« Die Bundesregierung hat längst ein Naziproblem.

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Erschienen in der Ausgabe vom 06.06.2026, Seite 3, Der schwarze Kanal

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