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22.05.2026
- → Ausland
»Held« heimgeholt
Faschistenführer Melnyk nach Kiew überführt
Für ukrainische Nationalisten geht ein Herzenswunsch in Erfüllung. Am Dienstag wurden in Luxemburg die sterblichen Überreste des Faschistenführers Andrij Melnyk und seiner Frau in einer feierlichen Zeremonie in Anwesenheit von Vertretern des Büros von Präsident Wolodimir Selenskij, des Außenministeriums und des Ukrainischen Instituts für Nationale Erinnerung (UINP) exhumiert und in die Ukraine überführt.
Der 1964 in Köln verstorbene Melnyk war Mitgründer und nach der Ermordung von Jewgen Konowalez im Jahr 1938 Führer der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN). Nach der Spaltung 1940 war er Kopf des als »gemäßigt« geltenden und nach ihm benannten Melnykisten-Flügels (OUN-M). Wie sein Rivale Stepan Bandera kollaborierte Melnyk mit Nazideutschland. So halfen Angehörige der OUN-M den deutschen Besatzern im Zweiten Weltkrieg in der örtlichen Polizei bei der Judenverfolgung und waren auch an dem Massaker von Babi Jar beteiligt. Die 1943 aufgestellte Waffen-SS-Division »Galizien« rekrutierte sich in erheblichen Teilen aus der OUN-M.
»Das ist ein historisches Ereignis«, erklärte der gegenwärtige Führer der OUN-M, Bogdan Chervak, zur Exhumierung der Urnen der Melnyks auf seinem Facebook-Account. »Die Ukraine holt nicht nur ihre Helden zurück, sondern zeigt der ganzen Welt, dass das historische Andenken, die Würde und die Ehre der Nation für sie an erster Stelle stehen«, so Chervak.
Großer Zuspruch kommt vom neonazistischen »Asow«-Militär der ukrainischen Armee, das sich als historischer Nachfolger der OUN und der galizischen Waffen-SS betrachtet. Die gleiche Wertschätzung sollte nun Bandera und dessen Nachfolger Jaroslaw Stezko, ebenso wie Konovalez und Dmitro Donsow, Vordenker der OUN, widerfahren. Das fordert etwa der Vizekommandeur des 3. Armeekorps, Maxim Schorin, »egal, wie Nachbarn oder lokale Sowoks und Linke dies kommentieren.«
Am kommenden Sonntag sollen die Melnyks auf dem Nationalen Militärgedenkfriedhof der Ukraine bei Kiew wiederbestattet werden. Vielleicht wird das noch nicht ihre letzte Ruhestätte sein. Denn seit Jahren engagieren sich ukrainische Nationalisten für die Errichtung eines »Nationalen Pantheons der Helden«. Bereits 2023 hatte Selenskij seine Unterstützung für dieses Vorhaben erklärt. Vor rund einem Monat wurde bekannt gegeben, dass sich das Projekt derzeit »in der Phase der konzeptionellen Entwicklung« befinde. Standort werde wahrscheinlich die Hauptstadt als »heiliges Zentrum der Ukraine und des Christentums« sein, berichtete der derzeitige Leiter des UINP, Olexander Alfiorow, eine endgültige Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen.
Präsident Selenskij würdigte derweil Andrij Melnyk am Dienstag in seiner abendlichen Videobotschaft und versprach, auch die anderen »ukrainischen Helden« der OUN heimzuholen. »Wir haben die Möglichkeit dazu und die moralische Verpflichtung.«
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