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Krise beherrschbar?
Lage der russischen Wirtschaft
Man kennt das aus der Geschichte der Arbeiterbewegung: die Erwartung des »großen Kladderadatsch«, der Endkrise des Kapitalismus, der den Sozialisten das gegnerische System wie eine reife Frucht in die ausgespannten roten Fahnen fallen lassen und ihnen eigene revolutionäre Aktivitäten ersparen würde. Was daraus geworden ist, sollte einen skeptisch gegen Versuche stimmen, ein ähnliches Szenario für Russland zu skizzieren.
Unter anderem anlässlich des Wirtschaftsforums in St. Petersburg wird wieder vermehrt ein Zusammenbruch der russischen Volkswirtschaft beschworen, der das Land irgendwann in einigen Monaten außerstande setzen werde, den Krieg in der Ukraine fortzusetzen. Zugegeben, der Krieg ist teuer, er frisst nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen zehn und 40 Prozent des russischen Sozialprodukts. Ausgaben, die ihrer Natur nach unproduktiv sind. Auch wenn einzelne von den staatlichen Rüstungsausgaben durchaus profitieren mögen. Arbeitskräfte sind durch Rekrutierungen und Kriegsverluste – nach eigenen russischen Angaben etwa 350.000 Gefallene und bis zu einer Million schwer Verletzte – knapp, die Kriegswirtschaft stößt an die Kapazitätsgrenze. Doch das Finanzministerium hält die staatliche Neuverschuldung bei 2,5 Prozent des Sozialprodukts, das ist weniger als in den allermeisten EU-Staaten. Und die weiterhin trotz aller Sanktionen und Behinderungen laufenden Ölexporte lenken Geld in die Staatskasse, zuletzt sogar mehr, weil durch den nicht durch Russland vom Zaun gebrochenen Iran-Krieg die Preise gestiegen sind. Dass dieses Geld, kaum eingenommen, gleich für den Krieg verbrannt wird, stimmt schon. Genau wie der Rohstoff, mit dem es verdient wird. Es ist also wirtschaftlich ein Nullsummenspiel.
Aber solange russische Unternehmen über die hohen Leitzinsen klagen und sie als Investitionshindernisse darstellen, heißt das auch, dass sie nach wie vor investieren wollen und Perspektiven sehen. Und genau weil die tatsächliche Kriegführung sich verstärkt auf den Drohnenkrieg verlagert hat, ist der Bedarf an frischen neuen Soldaten gleichzeitig gesunken. Es gibt also parallel Momente der Krise und »entgegenwirkende Ursachen«, die diese relativieren.
Es bleibt eine politische Entscheidung, ob Russland irgendwann seine Kriegsziele reduziert und zu Verhandlungen etwa über einen Waffenstillstand entlang der Frontlinie zu verhandeln bereit sein wird. Wunschdenken hilft da wenig, und all die Krisenprophezeiungen scheinen vorrangig das Ziel zu haben, den Entscheidern und der Öffentlichkeit im Westen zu suggerieren, es brauche »nur noch ein bisschen mehr Druck«, damit das eintrete, was insbesondere die EU bisher nicht erreicht hat: der Zusammenbruch Russlands. Aber Brüssel streitet nach wie vor, ob man überhaupt mit Russland verhandeln dürfe. Wer isoliert sich da eigentlich gerade?
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Volker Wirth aus Berlin 8. Juni 2026 um 14:00 UhrEs hält sich hartnäckig, das Gerücht, Russland verbrenne »dieses Geld, kaum eingenommen« durch Erdöl- und Erdgasexporte. Ist es aber nicht ganz einfach immer gleich in chinesischen Händen, z.B. für Chip-Einfuhren? Oder in indischen, türkischen usw.? Der Beitrag suggeriert zudem, Russland brauche sich doch nur »zu Verhandlungen etwa über einen Waffenstillstand entlang der Frontlinie« bereitfinden, schon wäre alles politisch und ökonomisch wieder gut. Wichtig ist doch vor allem, was Berlin, Brüssel, London, Paris, Washington – die Hauptausrüster und ‑finanzierer des Kiewer Regimes – über einen dauerhaften Frieden denken, der mal nicht nur wie »Minsk-1« und »Minsk-2« der Vorbereitung des nächsten Waffenganges dient. Da sieht es derzeit finster aus.
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Erschöpfung: politisch und militärisch und damit strategisch konstatiere ich. Die Initiative ist nicht bei den russ. Streitkräften. Die gegenwärtige Situation nützt der ukrainischen Führung und ihren willigen Helfern enorm und ist weitgehend unverdient. Die mittlerweile durchaus heftigen Angriffe auf Russland und die Piraterie gegen russ. Rohstoffexporte über See sowie die quasi Nichtreaktion darauf lassen auf eine gewisse Ratlosigkeit schließen. Der Wille, die Kriegsziele zu erreichen, ist offensichtlich nicht mehr vorhanden. Diese Situation kann nicht auf Dauer bestehen bleiben.
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Joachim Seider aus Berlin 5. Juni 2026 um 14:17 UhrMan soll den Tag nicht vor dem Abend loben (oder tadeln). In der Ukraine tobt ein geopolitischer Kampf ersten Ranges. Verlieren darf Russland ihn nicht, um nicht letzten Endes doch noch zerstückelt zu werden. Dieses Risiko ist sowohl den Führungen Russlands als auch Chinas bewusst. Viele BRICS-Staaten wissen auch, was ihnen blühen könnte, würde hier die NATO einen entscheidenden Sieg davontragen. Der Blick aufs gegenwärtige Schlachtfeld reicht für die Analyse nicht aus. Dafür steht viel zu viel auf dem Spiel. Allerdings scheinen sich gerade Möglichkeiten zu entwickeln, den Konflikt beiderseitig gesichtswahrend zu beenden. Was 2022 in Istanbul gelang, könnte durchaus auch 2026 gelingen. Den geschundenen Ländern täte es gut und den Kassen der NATO-Länder, die den Krieg westlicherseits finanzieren, auch. Jedenfalls ist gut vorstellbar, dass in Westeuropa die Kriegsbegeisterung zu bröckeln beginnt, sollte sich das militärische Patt weiter verfestigen.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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